Berichte aus dem 12 Halbjahr der Saison 1993-94 - 2. Bundesliga Nord der Frauen

Sonntag, 2. Januar 1994

VfL Oldesloe – VfL Geesthacht 39:14

 

Freitag, 7. Januar 1994

VfL-Damen: Endlich geht's weiter

Der Tabellenführer der zweiten Liga am Sonntag bei Aufsteiger MTV Wandsbek

(mth). Der Zeitplan in der zweiten Bundesliga der Handball-Damen hat es wirklich in sich. Während in fast allen anderen Ligen – egal in welcher Sportart – zum neuen Jahr, wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, die Rückrunden anstehen (wenn sie denn nicht schon lange begonnen haben), ist in der zweihöchsten Spielklasse im Damen-Handball kaum mehr als die Hälfte der Vorrunde absolviert. Nach fünfwöchiger Pause – schon der zweiten von dieser Länge in dieser Saison – geht es an diesem Wochenende weiter.

Auch für die Mannschaft des VfL Oldesloe. Der ungeschlagene Spitzenreiter (12:0 Punkte nach sechs Spielen) muß am Sonntag um 11 Uhr in der Sporthalle in der Rüterstraße im Hamburger Stadtteil Wandsbek bei Aufsteiger MTV Wandsbek 92 antreten. Die Hamburger rangieren auf dem fünften Rang, haben aber ein Spiel Rückstand und liegen nach Minuspunkten gleichauf mit dem Tabellenzweiten HC Empor Rostock.

Damit gehören sie bislang zweifellos zu den Überraschungsmannschaften der Saison. Einiges hatte man von der homogenen Mannschaft, in der fast ausschließlich Eigengewächse stehen, erwartet, aber so weit vorn in der Tabelle hatte sie niemand gesehen. Trainer Wolfgang Westphal, den graumelierten Handball-Lehrer kennt man auch in Oldesloe, denn er trainierte die Wandsbekerinnen schon Mitte der 80er Jahre, als beide Teams gemeinsam in der Regionalliga spielten, hat ein schlagkräftiges Team geformt, das noch für manche Überraschung sorgen wird.

Nicht zuletzt auch, weil sie in Dagmar Rindelaub über eine exzellente Torhüterin verfügt, die schon so manches Spiel entschieden hat. Vor gut eineinhalb Jahren wäre die Keeperin um ein Haar beim VfL gelandet. Sie hatte in Oldesloe seinerzeit schon zugesagt, sprang dann aber kurzfristig noch wieder ab und blieb bei ihrem Stammverein.

Bei den Oldesloerinnen ist trotz der makellosen Bilanz zuletzt in den Punktspielen nicht alles nach Wunsch gelaufen. Weder gegen die Reinickendorfer Füchse noch gegen TS Woltmershausen/Bremen lief es beim VfL rund.

Da steckte offensichtlich noch der Schock über das überraschende Pokal-Aus am Bußtag gegen den TSV Hastedt in den Knochen. Auch war der zehntägige Urlaub, den Trainer Claus Schilk seinen Schützlingen in der ersten langen Pause als Belohnung für den guten Saisonstart gewährt hatte, den Oldesloerinnen offenbar nicht recht bekommen. Die Konsequenz: Seit dem letzten Spiel am 4. Dezember hat der VfL praktisch durchtrainiert. Mit kleinen Ausnahmen allerdings.

Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari war über die Feiertage auf Heimaturlaub in Ungarn, Roswitha Bein und Marion Werner weilten im Ski-Urlaub.

Bleibt abzuwarten, wie die Mannschaft diesmal aus der Pause herauskommt. Einem Test hat sie sich nicht unterziehen können, denn spielstarke Partner für Freundschaftsspiele waren nicht zu bekommen und die Partie gegen den Bezirksligisten VfL Geesthacht (39:14) am letzten Sonntag kann man als ernsthafte Formüberprüfung nicht werten.

Wiewohl Claus Schilk dem Spiel dennoch positive Aspekte abgewinnen konnte. So sammelten Spielerinnen, die sonst nur geringe oder gar keine Spielanteile im VfL-Team haben (lvonn Bosza, Katrin Behnke, Vanessa Schack, Catrin Köhnken) Spielpraxis und Torhüterin Petra Küsel konnte zeigen, daß sie nach mehr als halbjähriger Verletzungspause fit und reif für ein Comeback ist. Sie wird am Sonntag mit Sicherheit auch zu ihrem ersten Punktspieleinsatz in dieser Saison kommen.

Da der VfL auch ansonsten in Bestbesetzung auflaufen kann, sollte einem siebten Saisonsieg eigentlich nichts im Wege stehen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.1.1994

 

Sonnabend, 8. Januar 1994

VfL-Damen in bester Besetzung

Schilk-Team will seine gute Ausgangsbasis behaupten

(mth). Mit einer gehörigen Portion Optimismus geht die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe die erste Pflichtaufgabe im neuen Jahr an. Das Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari will und darf Aufsteiger MTV Wandsbek, bei dem es morgen um 11 Uhr (Halle an der Rüterstraße) antreten muß, nicht unterschätzen.

Die Hamburger, die auf Platz fünf der Tabelle liegen, haben ebenso wie der Tabellenzweite HC Empor Rostock erst drei Minuspunkte, also weniger als die Mitfavoriten aus Harrislee und Oldenburg. Dennoch ist der VfL fest entschlossen, die glänzende Ausgangsposition nicht aufs Spiel zu setzen.

Schon jetzt haben die Oldesloerinnen vor allen Konkurrenten wenigstens drei Punkte Vorsprung, und das ist ein beachtliches Polster nach kaum mehr als einem Viertel der Saison. Trainer Claus Schilk, dem jetzt Jens-Richard Paulsen als Co-Trainer zur Seite steht, kann in Wandsbek auf seinen gesamten Kader zurückgreifen.

Auch Nana Conde, Zsuzsa Nyari, Roswitha Bein und Marion Werner, die beim lockeren Test vor einer Woche in Geesthacht noch fehlten, werden mit von der Partie sein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.1.1994

 

Sonntag, 9. Januar 1994

MTV Wandsbek 72 – VfL Oldesloe 19:19 ?????

Fehlstart ins neue Jahr

VfL gab ersten Punkt ab

Blamables 19:19 der Oldesloerinnen bei MTV Wandsbek 72

(mth). Claus Schilk, Trainer der Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe, verstand die Welt nicht mehr. Im ersten Spiel des neuen Jahres hat seine Mannschaft mit einem 19:19 Unentschieden bei Aufsteiger MTV Wandsbek 72 den ersten Punkt in der laufenden Saison abgegeben. Die Stormarnerinnen bleiben zwar trotz des Punktverlustes mit nunmehr 13:1 Punkten Tabellenführer, aber der HC Empor Rostock, der glatt beim VfL Oldenburg gewann, ist bis auf zwei Punkte herangerückt.

Aber nicht so sehr deshalb schwollen dem VfL-Coach die Zornesadern. Sein erster Ärger galt dabei der Stadt Bad Oldesloe. „Drei Trainingstage in der letzten Woche reichen als Vorbereitung für ein Bundesliga-Spiel nicht aus. In der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr aber haben wir uns an der verschlossenen Tür der Turnhalle der Gesamtschule die Nase platt gestoßen. Dabei hatten wir vom Sportamt die Zusage gehabt, dort trainieren zu können“, ließ Schilk seiner Entrüstung freien Lauf.

Aber der Coach war auch mit der Leistung seiner Schützlinge in der Sporthalle Wandsbek alles andere als zufrieden. „Die Chancenverwertung meiner Spielerinnen war schlicht katastrophal“, legte er den Finger schonungslos in die Wunde. In der Tat: Wie schon in den letzten Spielen des Jahres 1993 vergaben die Oldesloerinnen Chancen reihenweise und oft geradezu kläglich.

Dafür ist auch eine Glanzleistung von Wandsbeks Torhüterin Dagmar Rindelaub nicht Erklärung genug. Die raubte allerdings den VfL-Werferinnen mit tollen Paraden in Serie den Nerv. Unter anderem machte sie auch vier (von sieben) Siebenmeter unschädlich und übertraf ihre Oldesloer Kolleginnen um Längen.

Das war bei Petra Küsel sicher nicht weiter verwunderlich. Der fehlt nach mehr als halbjähriger Verletzungspause natürlich Spielpraxis, so daß sie ihr Können nur gelegentlich aufblitzen lassen konnte. Deutliche Schwächen, insbesondere bei Würfen von den Außenpositionen, offenbarte aber auch Alexandra Hoffmann, die sie in den letzten 20 Minuten ablöste.

Als sie ins Spiel kam, hatte der VfL im übrigen seine deutlichen Führungen aus der ersten Hälfte schon verspielt. Wie schon in den Spielen gegen die Reinickendorfer Füchse und TS Woltmershausen nämlich führte der VfL auch in Wandsbek phasenweise mit fünf Toren Vorsprung (9:4 nach 20, 10:5 nach 22 und 11:6 nach 27 Minuten), konnte für sein Spiel daraus aber keinen Nutzen ziehen.

„Wir hätten schon vor der Pause den Sack zu machen müssen“, trauerte auch Schilk den verpaßten Chancen in der ersten Halbzeit nach. In der waren die Wandsbekerinnen nach einer schnellen 2:0-Führung durch zwei Tore ihrer Hauptschützen Inga Schupp (insgesamt sieben Tore) im Angriff nämlich denkbar harmlos gewesen.

Das änderte sich nach dem Seitenwechsel schlagartig. Nun kam der VfL gänzlich von der Rolle, als Nana Conde und Roswitha Bein von den Hamburgerinnen kurz gedeckt wurden. Das ging besonders Spielmacher „Rossi“ an die Nerven. Anders sind ihre Aussetzer kaum zu erklären. Sie kassierte in der 29., 49. und 58. Minute drei Zeitstrafen.

Alle drei nicht etwa wegen Fouls. Zweimal wurde sie wegen Meckerns auf die Bank verbannt, einmal weil sie den vorgeschriebenen Abstand bei einem Freiwurf nicht einhielt. Das darf einer erfahrenen Spielerin wie ihr eigentlich nicht passieren. Das wirkte sich für den VfL auch deshalb besonders nachteilig aus, mit Ivonne Grimm (grippekrank) ausgerechnet jene Spielerin ausgefallen war, die sie auf der Mittelposition noch am ehesten ersetzen könnte.

Mit ihrer dritten Zeitstrafe, die natürlich Rot für sie nachzog, gefährdete sie im übrigen selbst den Gewinn des einen Punktes. In Rückstand war der VfL auch in der zweiten Halbzeit nie geraten, aber nach dem 19:19 in der 59. Minute von Dana Kretschmann gab es in Unterzahl noch drei, vier brenzlige Situationen zu überstehen.

Erfolgreichste Werferin beim VfL war einmal mehr Nana Conde (6/2). Auf vier Tore kam Eike Lange, deren drei erzielte Babette Bischof, die dafür aber unglaublich viele Versuche benötigte. Den Rest teilten sich Marion Werner (2/1), Roswitha Bein (2), Catrin Köhnken und Torhüterin Petra Küsel, deren Tor zum 4:2 (8.) eher einem Zufall entsprach, als Dagmar Rindelaub einen langen Paß ihrer Kollegin falsch berechnete.

Zsuzsa Nyari ging leer aus. Das war bezeichnend für das Spiel der ungarischen Mannschaftsführerin. Sie hat ihre deutliche Formkrise, die sich schon in den letzten Spielen 1993 offenbarte, noch immer nicht überwunden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.1.1994

 

Freitag, 14. Januar 1994

Eine Saison der Zerrissenheit

Schlußlicht Frankfurt/Oder morgen erster VfL-Heimgegner nach sechs Wochen Pause

(mth). Erinnern Sie sich noch an das letzte Bundesliga-Heimspiel der Handball-Damen des VfL Oldesloe? Wenn ja, dann verfügen Sie über ein recht gutes Gedächtnis. Denn selbst eingefleischte Fans der Mannschaft müssen ein wenig grübeln, ehe die Erinnerung an die Begegnung mit TS Woltmershausen wieder wach wird. Und das nicht nur, weil das Spiel von Zsuzsa Nyari und Co. beim 24:21-Erfolg alles andere als berauschend war. Immerhin datiert diese Partie vom 4. Dezember, ist also schon sechs Wochen her.

Exakt so lange werden die Oldesloer Handball-Fans auch nach der nächsten Begegnung morgen um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder gedulden müssen. Bundesliga-Handball gibt es dann erst am 26. Februar gegen den SV Neubrandenburg in der Stormarner Kreisstadt zu sehen.

Wahrlich ein Spielplan der Zerrissenheit, der bei Beteiligten wie bei Beobachtern nur Kopfschütteln hervorruft. Aus dem Gleichgewicht hat der ständige Wechsel von langen Pausen und kurzen Punktspielphasen ganz offensichtlich auch das Oldesloer Team gebracht.

Nach tollem Saisonstart mit drei Siegen und drei starken Leistungen ist mit der ersten ultra-langen Pause (9. Oktober bis 13. November) der Faden im VfL-Team gerissen. Abgesehen vom unerwarteten Pokal-Aus gegen TSV Hastedt brannte den Schützlingen von Trainer Claus Schilk zwar trotz mäßiger Spiele nichts an, aber nach der nächsten langen Rast über die Advents-, Weihnachts- und Jahreswenden-Zeit hat es die Stormarner im ersten Spiel des neuen Jahres prompt erwischt.

Mit einem 19:19-Unentschieden bei Aufsteiger MTV Wandsbek 72 gab die Mannschaft um Kapitän Zsuzsa

Nyari prompt ihren ersten Zähler in der laufenden Punktrunde ab. Nun ist das für sich gesehen sicher kein Beinbruch. Der VfL führt die Tabelle noch immer mit zwei Punkten Vorsprung vor dem HC Empor Rostock an. Alle anderen Konkurrenten liegen noch weiter zurück.

Und doch ist auch der eine abgegebene Punkt schmerzlich. Gibt er doch den Verfolgern Zuversicht und Auftrieb. Beim TSV Nord Harrislee beispielsweise reibt man sich die Hände, kann man doch nun dort wieder Hoffnung haben, den VfL, von dem man im Herbst das Fell über die Ohren gezogen bekommen hatte, beim Rückspiel am 5. März wieder aus eigener Kraft überflügeln zu können.

Der Gedanke ist durchaus naheliegend, wenn es dem VfL nicht gelingt, seine Schwäche in zweiten Halbzeiten, in denen er zuletzt regelmäßig vorher komfortable Vorsprünge verspielte, abzulegen. Eine Schwäche im übrigen, die durch alle Mannschaftsteile ging und auch vor kaum einer Spielerin Halt machte.

Eine der wenigen Ausnahmen im Team ist Kreisläuferin Eike Lange. Wie vor Jahresfrist hat sie sich nach eher schwachem und unauffälligem Start kontinuierlich zu steigern gewußt. An der Entwicklung will sie für morgen unbedingt festhalten, denn mit Blau-Weiß Frankfurt/Oder kommt ihre frühere Mannschaft in die Stormarnhalle. Gegen ihren ehemaligen Mannschaftskolleginnen möchte sie natürlich besonders gern glänzen.

Unter normalen Umständen dürfte ein glatter Sieg für die Oldesloerinnen, bei denen auch Ivonne Grimm wieder zum Einsatz kommen soll, gegen das Schlußlicht kein Problem sein. Aber so war die Ausgangsposition ja auch vor den Spielen gegen Hastedt, die Reinickendorfer Füchse, TS Woltmershausen und MTV Wandsbek.

Genutzt hat die dem VfL nie viel. Selbstvertrauen oder gar Selbstbewußtsein hat sie daraus selbst dann nie saugen können, auch wenn sie in den Spielen, in denen es ja auch um Aufpolierung ihres Images gegangen ist, hoch in Führung lag.

Und noch aus einem anderen Grund ist Vorsicht für die Oldesloerinnen angesagt: Blau-Weiß Frankfurt, von vielen als sicherer Absteiger vorhergesagt, hat sich in sein Schicksal noch lange nicht ergeben. Just an dem Tag, an dem der VfL in Wandsbek einen ersten Minuspunkt einheimste, hat die Mannschaft von der Oder mit einem 20:19-Erfolg gegen KSV Holstein Kiel die ersten Pluspunkte der Saison geholt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.1.1994

 

Sonnabend, 15. Januar 1994

VfL Oldesloe – Blau-Weiß Frankfurt/O. 27:22 (15:12)

Formkrise noch nicht überwunden

VfL-Handball-Damen überzeugten beim 27:22 gegen Blau-Weiß Frankfurt nur zu Beginn

(mth). In der ersten Halbzeit hui, nach dem Wechsel dann pfui! Nach diesem Schema waren die letzten drei, vier Spiele der Handball-Damen des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord verlaufen. So richtig schief war es für die Oldesloerinnen dabei aber nur zweimal gegangen. Beim Pokal-Aus gegen den TSV Hastedt und beim ersten Punktverlust in der Punktrunde vor Wochenfrist beim MTV Wandsbek 72. Ansonsten hatte es für den Spitzenreiter immer noch gereicht. Das läßt es fast absurd erscheinen, von einer Krise bei den VfLerinnen zu sprechen. Und doch: Auch gegen Schlußlicht Blau-Weiß Frankfurt/Oder wurde deutlich, daß das Team aus der spielerischen Talsohle noch immer nicht heraus ist.

Wiewohl es erneut zu einem Sieg für den Tabellenführer reichte. Der fiel mit 27:22 (15:12) endlich wieder einmal nicht so knapp wie zuletzt aus. Richtig zittern mußten die wieder fast 500 (450 zahlende) Fans um den Sieg nicht, aber die Leistung, die die Mannschaft bot, konnte den hohen Maßstäben, die sie sich selbst gesetzt hat, und die eine entsprechende Erwartungshaltung im Umfeld nach sich zieht, nicht gerecht werden.

Das oben genannte Schema paßt in diesem Fall nicht auf das Spiel als Ganzes gesehen. Wohl aber auf die ersten 40 Minuten. Wieder wurde in den ersten Minuten deutlich, daß es der Mannschaft um Kapitän Zsuzsa Nyari nicht an Einsatzwillen und Leistungsbereitschaft mangelt.

„Die Oldesloerinnen haben in der ersten Viertelstunde wie ein Tabellenführer gespielt. Da hat man gesehen, daß in der Mannschaft mehr Substanz steckt als bei allen anderen Teams dieser Liga“, verteilte Frankfurts Trainer Hans Engel nach dem Spiel artig Komplimente. Das kam auch beim Zwischenstand zum Ausdruck. 9:3 führte der VfL nach 15 Minuten und es keimte Hoffnung im Oldesloer Lager auf, das Team könnte sich mit einem überzeugenden Kantersieg den Frust über die letzten „Gurkenspiele“ von der Seele spielen.

Auch ohne Ivonne Grimm und Marion Werner, die nach Verletzungen und Erkrankungen geschont wurden. Aber plötzlich war der neue Schwung hin. Erst schlichen sich in der Abwehr erste Fehler ein, dann lief auch im Angriff kaum noch etwas zusammen und in der 27. Minute war der Vorsprung fast aufgezehrt. Bis zur Pause zog der VfL zwar wieder auf 15:12 davon, aber in der 40. Minute stand die Partie bei einem Stand von 17:16 erneut auf des Messers Schneide.

Dann mußte die Begegnung für ein paar Minuten unterbrochen werden. Der Grund: Die Anzeigetafel war defekt und ließ sich auch nicht mehr reparieren. Das führte zu allerlei Hektik und Unruhe, aber das sichere Schiedsrichtergespann Starke/Zerna hatte alles im Griff.

Dem VfL tat die neuerliche Pause offensichtlich gut. Binnen drei Minuten erhöhte er den Vorsprung hernach wieder auf 20:16 und fortan geriet ere nie wieder in Bedrängnis. Allerdings: Zu der mannschaftlichen Geschlossenheit der Anfangsphase fand das Team nie wieder zurück.

Ein Grund dafür: Nana Conde (verwandelte nur zwei Siebenmeter), sonst eine der Haupttorwerferinnen, war völlig von der Rolle und im Tor konnten Petra Küsel und Alexandra Hoffmann nur in wenigen Szenen andeuten, was sie können.

Aber es gab im VfL-Spiel auch positive Tendenzen. So

zeigte Zsuzsa Nyari (4 Tore) deutlich verbesserte Form. Dazu ließ Cathrin Behnke (2) in der ersten Halbzeit Marion Werner auf Linksaußen nicht vermissen und Ivonn Bosza (3) zeigte eine ihrer besten Leistungen im VfL-Dress überhaupt. Auch Catrin Köhnken (2) deutete an, daß die spielerische Decke des VfL länger ist, als man es nach dem bisherigen Saisonverlauf vermuten konnte. Die restlichen VfL-Treffer teilten sich Babette Bischof (fünf), Eike Lange (5/1) und Roswitha Bein (3/1).

STORMARNER TAGEBLATT vom 17.1.1994

 

Sonnabend, 22. Januar 1994

Landesderby: VfL-Damen wollen Revanche nehmen

Oldesloerinnen morgen in Preetz gegen KSV Holstein Kiel

(mth). Zwei Auswärtsspiele hintereinander stehen in der zweiten Bundesliga der Handball-Damen zum Abschluß der Hinrunde für den VfL Oldesloe auf dem Programm. Zunächst muß der noch immer ungeschlagene Tabellenführer morgen zum Landesderby beim KSV Holstein Kiel antreten. Anpfiff in der Blandford-Halle in Preetz – dorthin sind die Kielerinnen wegen des Fehlens geeigneter Anlagen in der Landeshauptstadt schon in der zweiten Saison ausgewichen – ist um 14.30 Uhr. Eine Woche später steigt dann in Rostock das Spitzenspiel zwischen dem HC Empor (Zweiter) und dem VfL.

In die Partie wollen die Oldesloerinnen unter allen Umständen als Tabellenführer gehen. Voraussetzung dafür ist ein Sieg gegen den KSV Holstein. Schon deshalb wird es dem Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari an Motivation für die morgige Begegnung nicht mangeln.

Dazu hat der VfL mit den Kielerinnen aus der letzten Saison noch eine Rechnung offen. In Preetz nämlich kassierten die Schützlinge von Trainer Claus Schilk eine unerwartete Niederlage. Die war letztlich zwar nicht mehr dafür verantwortlich, daß die Stormarnerinnen nicht mehr selbst in den Titelkampf eingreifen konnten – der Meisterschaftszug war schon vorher abgefahren –, aber in dem Spiel selbst waren doch einige Emotionen freigesetzt worden, für die man sich nun Genugtuung verschaffen will.

Natürlich sieht der Tabellenführer die Begegnung in Preetz auch als Generalprobe für das dann folgende Spitzenspiel. Da hat die Mannschaft noch Nachholbedarf, denn so ganz aus der – spielerischen – Krise war sie auch beim 27:22-Sieg über Blau-Weiß Frankfurt/Oder noch nicht heraus.

Personell muß Claus Schilk umbauen. Mit Nana Conde, die sich am Montag einer Operation unterziehen mußte, und der beruflich verhinderten Catrin Köhnken fehlen ihm zwei Rückraumspielerinnen. Dafür sind die Junioren-Nationalspielerinnen Marion Werner und Ivonne Grimm wieder mit von der Partie.

Die Kielerinnen, in den letzten Jahren immer in der oberen Tabellenhälfte zu finden, haben in diesem Jahr noch kein Bein an die Erde bekommen. Lediglich zwei Unentschieden (gegen MTV Wandsbek 72 und TuS Alstertal) stehen für sie zu Buche. Die Abstiegsgefahr ist für das Team, zu dem seit Saisonbeginn auch die Ex-Oldesloerin Martina Gliewe (zuletzt TH Eilbek) gehört, deshalb riesengroß.

Auch deswegen werden sie sich gegen den Landesrivalen besonders ins Zeug legen. Da käme dem VfL lautstarke Unterstützung seiner Fans höchst gelegen. Die haben Gelegenheit, im Mannschaftsbus mitzufahren. Interessenten sollten sich rechtzeitig zur Abfahrt am Sonntag um 12 Uhr an der Stormarnhalle einfinden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.1.1994

 

Sonntag, 23. Januar 1994

Holstein Kiel – VfL Oldesloe 12:20 (7:9)

Deutlicher Formanstieg

VfL-Damen siegten bei Holstein Kiel glatt mit 20:12

(mth). Der VfL Oldesloe geht als ungeschlagener Spitzenreiter in das Spitzenspiel der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen am kommenden Sonnabend bei HC Empor Rostock. Dort wird dann endgültig über die Halbzeitmeisterschaft entschieden. Den Oldesloerinnen genügt dann schon ein Remis, um mit zwei Punkten Vorsprung an der Spitze zu bleiben.

Die letzte Hürde auf dem Weg zu dieser Ausgangsbasis nahmen die Schützlinge von Trainer Claus Schilk im Landesderby in Preetz gegen den KSV Holstein Kiel. Mit 20:12 (9:7) gelang den Stormarnerinnen eine eindrucksvolle Revanche für die Niederlage an gleicher Stelle vor Jahresfrist. Schilk und der zahlreiche VfL-Anhang aber nahmen erfreut nicht nur den doppelten Punktgewinn zur Kenntnis, sie konnten auch mit Befriedigung das offensichtliche Ende der Formkrise ihrer Mannschaft konstatieren.

Die war in den letzten fünf/sechs Spielen ja stets in der zweiten Halbzeit deutlich geworden, als der VfL jeweils nach klaren Führungen noch in Bedrängnis geriet. Das war im Spiel gegen Holstein ganz anders. Auch ohne Nana Conde (verletzt), Catrin Köhnken (beruflich verhindert) und weitgehend auch ohne Roswitha Bein – die Spielmacherin wurde wegen ihrer noch immer nicht ausgeheilten Schulterverletzung bis auf einen Kurzeinsatz geschont – zeigte das Team gerade in den letzten 20 Minuten eine imponierende Leistung und machte aus einem 9:9-Gleichstand noch einen ungefährdeten Sieg.

Gut lief es für den VfL auch in der ersten Viertelstunde bis zu einer 7:2-Führung. Dann aber kam Sand ins Getriebe. Auch, weil sich die Oldesloerinnen von einer bisweilen überhart einsteigenden Kieler Deckung (Beeke Gödecke und Tina Asmussen) den Schneid abkaufen ließ. Es imponierte aber, wie sich die Mannschaft durch diese Durststrecke durchbiß.

Aus der geschlossen wirkenden Mannschaft ragte mit Ivonn Bosza eine Spielerin heraus, die bislang eher im Schatten stand. Sie war mit fünf Toren auch bester Werferin, In toller Form aber auch Babette Bischof (4/2), Ivonne Grimm (3/2), Eike Lange, Marion Werner und Zsuzsa Nyari (je 2). Im Tor zeigte Petra Küsel, die Alexandra Hoffmann (stark bei flachen Würfen, unsicher bei hohen) in den letzten 20 Minuten ablöste, deutlich ansteigende Form. Auch das gibt Mut und Selbstvertrauen für das Spitzenspiel in Rostock.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.1.1994

 

Freitag, 28. Januar 1994

Dem VfL Oldesloe genügt schon ein Unentschieden

(mth). In der Gruppe Nord der zweiten Bundesliga der Handball-Damen fällt am Wochenende die Entscheidung über den Halbzeitmeister. Im Spitzenspiel der Klasse treffen am Sonnabend um 17 Uhr in der Sporthalle Marienehe in Rostock der noch immer ungeschlagene Tabellenführer VfL Oldesloe (17:1 Punkte) und sein Verfolger HC Empor Rostock (13:3) aufeinander. Den Stormarnerinnen genügt ein Punkt, um zum Ende der ersten Halbserie, die ein Wochenende später ohne ihre Beteiligung abgeschlossen wird, vorne zu bleiben.

Dje Rostockerinnen dagegen müssen unbedingt sowohl das Spitzenspiel als auch eine Woche später gegen Wandsbek 72 gewinnen. Dann wären sie bei Punktgleichheit wegen der besseren Tordifferenz vor dem VfL. Der aber geht durchaus selbstbewußt und optimistisch in die morgige Auseinandersetzung.

Die Leistungskurve ist zuletzt nach ein paar Aussetzern zuvor deutlich nach oben gegangen. Insbesondere beim 20:12-Sieg bei Holstein Kiel am letzten Sonntag lief das Spiel über weite Phasen wieder wie am Schnürchen. VfL-Macher Claus Schilk allerdings will den Sieg in Preetz nicht überbewertet wissen. „Dazu war Holstein Kiel ein zu schwacher Gegner. Rostock wird und da erheblich mehr abverlangen, so daß wir uns weiter steigern müssen“, wehrt er jegliche Euphorie ab.

Aber auch er gibt sich zuversichtlich. Schließlich kann er auf alle Spielerinnen seines Kaders zurückgreifen. Auch Nana Conde hat am Donnerstag nach ihrer Operation vor knapp zwei Wochen das Training wieder aufgenommen. Ob sie allerdings in Rostock schon wieder auflaufen wird, ist noch fraglich.

Auch deshalb, weil Schilk keinen Grund sieht, die Stamm-Mannschaft von Preetz zu ändern. So wird wieder Ivonne Grimm auf der Mittelposition im Rückraum die Fäden ziehen und auch Ivonn Bosza wird erneut von Anfang an zum Zug kommen.

Den Gegner von der Ostsee schätzt Schilk als eingespielte Mannschaft ein, die „aber auch nur mit Wasser kocht.“ Mit ihrem bulgarischen Neuzugang Maria Marsowa ist der HC Empor zweifellos gegenüber dem letzten Jahr noch stärker geworden. Das haben Siege gegen TSV Nord Harrislee und in Oldenburg deutlich gezeigt.

Aber die Mannschaft ist vor allem in der Abwehr nicht unverwundbar. Das zeigte die Niederlage gegen die Reinickendorfer Füchse und der Punktverlust in Woltmershausen. In diese Lücke wollen Zsuzsa Nyari, sie machte in der Aufstiegsrunde vor fast zwei Jahren an gleicher Stelle ihr bestes Spiel im VfL-Dress, stoßen.

Unterstützt von möglichst vielen eignen Fans. Die haben wieder Gelegenheit, im Mannschaftsbus (Abfahrt 12 Uhr Stormarnhalle) mitzufahren, wenn sie sich bei Jürgen Dorn (04531/5108) rechtzeitig anmelden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.1.1994

 

Sonnabend, 29. Januar 1994

HC Empor Rostock – VfL Oldesloe 20:17 (10:8)

17:20 bei Empor Rostock

Halbzeittitel für VfL-Damen wohl dahin

Im Spitzenspiel flatterten den Oldesloerinnen die Nerven

Nur Petra Küsel und Babette Bischof (9 Tore) überzeugten

Fast 1000 Zuschauer

(mth). Seit dem ersten Spieltag der Saison 1993/94 hat der VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen die Tabellenführung inne gehabt. Zum Schluß der Hinrunde ist das Team von Trainer Claus Schilk den „Platz an der Sonne“ – nur er berechtigt am Saisonende zum Aufstieg in die erste Bundesliga – mutmaßlich los.

Mutmaßlich deshalb, weil der VfL die erste Halbserie schon beendet hat. Mit einem Punktestand von 17:3. Auf diese Anzahl kommt auch der HC Empor Rostock, wenn er am 12. Februar bei TuS Alstertal keinen Punkt abgibt. Die Rostockerinnen werden in dem Fall den VfL wegen der besseren Tordifferenz von der Tabellenspitze katapultieren.

Die Grundlage dazu legten sie in der Sporthalle Marienehe mit einem 20:17 (10:8)-Erfolg im Schlagerspiel der Liga gegen das Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari. Das hatte die Reise an die Ostsee optimistisch und mit Zuversicht angetreten. Die Formkurve war in den letzten Spielen deutlich nach oben gegangen und erstmals seit langer, langer Zeit gab es keine Ausfälle im Kader. Auch Nana Conde war knapp zwei Wochen nach einem kleinen operativen Eingriff wieder mit von der Partie.

Der VfL begann aber mit der Grundaufstellung, die in Preetz vor Wochenfrist überzeugt hatte. Also ohne Roswitha Bein und Nana Conde. Damit hoffte Schilk, nahtlos an das Erfolgserlebnis anknüpfen zu können. Aber die Rechnung ging nicht auf.

Als das Spitzen-Schiedsrichtergespann Bülow/Lübker

(Lübeck) die Partie mit 15minütiger Verspätung – zur vorgesehenen Anfangszeit standen noch lange Schlangen an der einzigen Hallenkasse, denn mit fast 1000 Besuchern, darunter auch viele aus Oldesloe, die selbst bei schier aussichtslosen Rückständen ihr Team akustisch lautstark unterstützten, war die Resonanz für Rostocker Verhältnisse ungewöhnlich groß – anpfiff, zitterten den VfLerinnen die Hände wie Espenlaub vor Nervosität.

Empor Rostock dagegen war von der ersten Minute an voll da und lag nach sechs Minuten mit 3:0 vorn. Die Stormarnerinnen hatten bis dahin schon Gelegenheit genommen, Rostocks Torhüterin Christina Neumann warm zu schießen. Sie wußten selbst in einer ersten Überzahlsituation (4.Minute) nichts anzufangen. Als dann Zsuzsa Nyari und Babette Bischof bis zur 8. Minute auf 2:3 verkürzt hatten, glaubte der VfL-Anhang, die Anfangs-Nervosität wäre vorbei und sie skandierten hoffnungsfroh: „Jetzt geht’s los!“ Aber ihre Erwartungen wurden bitter enttäuscht. Für die ganze Partie. Wann immer die Oldesloerinnen sich an den Gegner, der weit mehr Entschlossenheit und Konzentration an den Tag legte, herangekämpft hatten, ging das Nervenflattern bei ihnen wieder los.

Das war am schlimmsten nach dem 2:3, als Rostock über 6:2 (13.) bis auf 8:3 (18.) davonzog. Bei dem Abstand blieb es bis zum 10:5 (25.). Bei Halbzeit (8:10) sah es für den Spitzenreiter schon lange nicht mehr so trübe aus, zumal er Anwurf und damit Ballbesitz hatte. Aber just da waren wieder Hektik, vermeidbare technische Fehler und Überhastung angesagt. Wieder zog Rostock auf 14:9 (40.) und 15:10 (44.) schier unaufholbar davon.

Aber noch gab sich der VfL nicht geschlagen. Schon gar nicht Torhüterin Petra Küsel, die hielt, was irgend zu halten war, und Babette Bischof. Die neunfache Torschützin stellte fast im Alleingang bis zur 55. Minute den Anschluß zum 15:16 her. Nun waren alle Voraussetzungen da, das Spiel zu kippen, denn Empor hatte zu dem Zeitpunkt acht Minuten lang nicht mehr getroffen.

Wie zuvor versagte die Mannschaft aber gerade bei den „Big-Points“. Iris Teichert (mit sieben Toren beste

Werferin im homogenen Rostocker Team) nutzte zwei wieder einmal völlig überflüssige Ballverluste zur entscheidenden 18:15-Führung (57.). Die konnte der VfL auch bei offener Press-Deckung in den Schlußminuten nicht mehr wettmachen.

Besonders enttäuschend beim VfL die Leistungen von Marion Werner (2 Tore), Nana Conde (3), Ivonne Grimm (ohne Tor) und Roswitha Bein (1). Auch Zsuzsa Nyari (1) war von ihrer Bestform ein gutes Stück entfernt, hatte wegen der unerbittlichen Bewachung von Doreen Schulz aber auch einen besonders undankbaren Part.

Bei Katrin Behnke und Ivonn Bosza wurde deutlich, daß sie trotz ihrer vorher offenbarten Steigerungen für ein solches Spitzenspiel noch zu grün sind. Blieben Catrin Köhnken (1), die in der Defensive zuverlässig arbeitete, nach vorn aber zu wenig Impulse gibt, und Kreisläuferin Eike Lange. Die war in der Abwehr eine Bank, war für keinen Ballverlust verantwortlich, wurde aber im Angriff von ihren Mitspielerinnen völlig ignoriert.

STORMARNER TAGEBLATT vom 31.1.1994

 

Dienstag, 15. Februar 1994

Aus: Nana Conde verläßt· den Bundesligisten VfL Oldesloe

Nach Streit mit dem Trainer gab die Handballerin auf

(cr), Ein herber Verlust für den Handball-Sport in Stormarn: Nana Conde hat hingeschmissen und gehört nicht länger zum Bundesliga-Handball-Team des VfL Oldesloe.

Erst zu Beginn dieser Saison war die dunkelhäutige Spielerin vom Erstligisten TSC Berlin an die Trave gekommen. Sie sollte die Oldesloer Mannschaft für den Aufstieg · in das Oberhaus verstärken.

Von Beginn an gehörte die temperamentvolle Spielerin zu den erfolgreichsten Werferinnen im Oldesloer Team, trug mit zahlreichen Treffern zum ersten Tabellenplatz des VfL bei.

Doch damit ist jetzt Schluß. Die Berlinerin hat den Verein verlassen, will nicht weiter in dem Team spielen. „Schwierigkeiten mit dem Trainer“, heißt es aus Handball-Kreisen, „beide haben sich einfach nicht verstanden.“

Bereits im vergangenen Dezember hatte der Coach die erfolgreiche Spielerin für einige Zeit vom Training suspendiert. „Um ein Zeichen zu setzen“, sagte er damals.

Für die Versicherungsangestellte eine schwere Entscheidung, jetzt aufzugeben: Sie ist bis zum Ende der Saison für andere Vereine gesperrt, darf in keinem anderen Team am Liga-Betrieb teilnehmen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.2.1994

 

Dienstag, 22. Februar 1994

Hamburger Turnerschaft – VfL Oldesloe 24:25

 

Freitag, 25. Februar 1994

Schilk: „Ziel und Einstellung müssen wieder übereinstimmen“

Krisenstimmung bei den VfL-Handballerinnen

Trainer fährt jetzt die harte Linie

(mth). Die dritte große Pause in der Saison der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Handball-Damen neigt sich ihrem Ende entgegen. Am Sonnabend um 19.30 Uhr erwartet der VfL Oldesloe zum Auftakt der Rückrunde den SV Neubrandenburg in der Stormarnhalle. Es ist das erste Punktspiel seit der bitteren Niederlage bei HC Empor Rostock vor vier Wochen, die die Stormarnerinnen die Halbzeitmeisterschaft kostete. Die Rostockerinnen zogen bei Punktgleichheit (je 17:3) wegen der besseren Tordifferenz am VfL vorbei. Für das Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari ist noch nichts verloren. Es kann das vor Saisonbeginn erklärte Ziel: „Meisterschaft und Aufstieg in die erste Liga“ noch immer aus eigener Kraft schaffen. Aber seit dem Rostock-Spiel ist beim VfL „Feuer unter dem Dach“.

Die Niederlage an sich schmerzte Trainer Claus Schilk natürlich schon sehr. Die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in Rostock die Butter vom Brot nehmen ließ, reizte ihn bis zur Weißglut und brachte das Faß zum Überlaufen. „Zwischen den Zielen von Verein und Mannschaftsführung und der Einstellung einiger Spielerinnen klaffen Welten“, analysiert der Macher in der VfL-Handballszene, und er zeigt sich entschlossen, das in Zukunft nicht mehr zulassen zu wollen.

„Jetzt wird bei uns die harte Tour gefahren“, gibt Schilk die Richtung an, die aus der Krise führen soll. Die Trennung von Rückraumspielerin Nana Conde war dabei der erste Schritt. Das „gegenseitige Einvernehmen“ war dabei nicht mehr als Fassade. Vielmehr ist von einem völligen Bruch des Vertrauensverhältnisses von Spielerin und Trainer auszugehen.

Dem war gesteckt worden, das am Abend vor der möglicherweise entscheidenden Niederlage der Saison zwei Spielerinnen bei einem nächtlichen Streifzug durch die Oldesloer Kneipenszene gesehen wurden. „Wer das war, konnte man an den spielerischen Leistungen im Spitzenspiel ablesen“, grollt Schilk noch heute.

Ein Dorn im Auge sind ihm auch die Urlaubsplanungen einiger Spielerinnen. Die will er den Spielerinnen nicht verbieten, erwartet aber, so wie es die Verträge vorsehen, Absprachen. So wird morgen gegen Neubrandenburg auch Ivonn Bosza nicht mit von der Partie sein, denn sie kehrt erst kurz vor Spielbeginn aus einem, nicht abgesprochenen, Urlaub zurück.

Fehlen werden dem VfL auch Katrin Behnke (steht in Prüfungen) und Marion Werner, die sich mit Rückenproblemen plagt. Die spielerische Decke ist daher im VfL zur Zeit reichlich dünn. Das wurde auch bei einem Testspiel am Dienstag beim Regionalligisten HT 16 (25:24) deutlich, wo die Oldesloerinnen neben ihren drei Torhüterinnen nur sieben Feldspielerinnen aufbieten konnten. Deshalb reaktiviert Schilk jetzt zwei routinierte Spielerinnen, „um zu retten, was noch zu retten ist.“

Morgen wird Andrea Hasenberg, viele Jahre Kapitän der Mannschaft, ehe sie am Ende der letzten Saison auf eigenen Wunsch in die zweite Mannschaft überwechselte, ihr Comeback im Bundesliga-Team geben. Eine Woche später, beim Schüsselspiel in Harrislee, wird dann Ingrid Schilk mit auflaufen. Sie war schon bei HT 16 mit von der Partie, und die 34jährige frühere Nationalspielerin machte deutlich, daß sie noch nichts verlernt hat.

Um den Erfolgsweg der zweiten Mannschaft, sie will mit Hasenberg und Schilk in die Bezirksklasse aufsteigen, nicht in Gefahr zu bringen, sollen beide allerdings nicht in der Ligamannschaft „festgespielt“ werden. „Aber ein wenig Dampf sollen sie den jüngeren Spielerinnen schon machen“, läßt der VfL-Coach durchblicken.

Zurückgreifen kann er gottlob auch auf Roswitha Bein. Die weilt derzeit aus Studiengründen in England, kommt aber für die Spiele eigens zurück. Jeweils schon am Donnerstag, um so auch noch eine Trainingseinheit mit der Mannschaft mitzumachen.

„Legen alle Spielerinnen eine solche Einstellung an den Tag, können wir unser Ziel durchaus noch erreichen“, hat Schilk seine Hoffnungen noch nicht begraben. Auch deshalb nicht, um das treue Oldesloer Publikum, auf dessen Unterstützung er weiter setzt, nicht zu verprellen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.2.1994

 

Sonnabend, 26. Februar 1994

Krise bei VfL-Damen eskaliert: Schilk heute nicht auf der Bank

Der Konflikt zwischen dem Trainer und der Zweitliga-Mannschaft spitzt sich zu

Thomas Gloth will als Vermittler Lösung suchen

(mth). Die Krise bei den Handball-Damen des VfL Oldesloe eskaliert langsam aber sicher. Beim heutigen Punktspiel (19.30 Uhr in der Stormarnhalle) gegen den SV Neubrandenburg wird Trainer Claus Schilk nicht auf der Bank sitzen. Bei einer Aussprache beim Training am Donnerstagabend spitzte sich der Konflikt zwischen ihm und der Mannschaft zu. Teilen der Mannschaft hatte Trainer Schilk vorgeworfen, ihnen fehle die richtige Einstellung um das Ziel Meisterschaft und Aufstieg in die erste Liga zu verwirklichen.

Mit der Trennung von Rückraumspielerin Nana Conde sah er die Angelegenheit noch nicht ausgeräumt. Nach seiner Ansicht sei auch noch mit anderen Spielerinnen „Tacheles“ zu reden. Aber die Mannschaft, die sich vor dem Training besprochen hatte, wollte das so nicht auf sich sitzen lassen.

Sie erhob ihrerseits Vorwürfe gegen den Trainer. Tenor: Durch seine vielfältigen Aufgaben im Management und Marketing-Bereich vernachlässige er das Training und vergesse Absprachen. Als auch der Vorwurf laut wurde, „sein Training sei nicht gut und langweilig“, platzte Schilk der Kragen, und er erklärte seinen Verzicht auf das Traineramt.

Seine Begründung: „Seit Dezember haben niemals alle Spielerinnen am Training teilgenommen. So war vernünftiges Arbeiten mit der Mannschaft nicht möglich, und so lassen sich die Ziele nicht verwirklichen. Wenn man nun der Meinung ist, daß ich dem im Wege stehe, kann ich das nicht auf mir sitzen lassen und ziehe daraus mit meinem Rückzug die Konsequenz.“

Sprach 's und verließ damit das Team. Aber er zieht sich damit nicht total vom Handball im VfL Oldesloe zurück. Seine Aufgaben in der Betreuung der Sponsoren nimmt er weiter wahr. „Ich werde aufpassen und dafür Sorge tragen, daß Handball in Oldesloe weitergeht. Aber nun ist die Mannschaft in Zugzwang. Jetzt kann und muß sie zeigen, ob sie hinter den Zielen steht, die wir am Anfang der Saison propagiert haben und denen niemand widersprochen hat.“

Darauf setzt auch Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari. „Wir werden heute bis zum Umfallen kämpfen, und ich hoffe, wir können gegen Neubrandenburg einen überzeugenden und hohen Sieg zum Rückrundenauftakt landen. Dann haben wir ein paar Tage Zeit, um in Ruhe die Lage zu besprechen, um das Chaos, das zur Zeit bei uns herrscht, zu beenden“, hofft sie auf Signalwirkung für eine Beruhigung der Lage durch einen sportlichen Erfolg.

Offen ist dabei die Frage, wer bei den Oldesloerinnen auf der Bank sitzen wird. Zsuzsa Nyari wird keineswegs als Spielertrainerin fungieren. Davon war eigentlich Claus Schilk ausgegangen, und die Mannschaft hatte an ihren Kapitän auch diesem Wunsch herangetragen. Aber die Ungarin hat das Ansinnen abgelehnt. „Man kann nur das eine oder das andere machen“, ist dafür ihre Begründung.

So wird wohl Co-Trainer Jens-Richard Paulsen heute das Coaching übernehmen. Aber das soll und wird keine Dauerlösung sein. Dazu kennt Paulsen, der erst in den Weihnachtsferien zum VfL stieß, die Bundesliga noch nicht genug (Nyari). Vielleicht gelingt es ja Thomas Gloth, das Chaos zu entwirren und die Angelegenheit einer befriedigenden Lösung zuzuführen.

Der Schwartauer war bis zu seiner Verpflichtung im Dezember beim Männer-Bundesligisten VfL Fredenbek ja als Berater in sportlichen und Marketingfragen aktiv engagiert. Mit Übernahme des Traineramtes in Fredenbek hat er das weitestgehend einschränken müssen, ist dem VfL-Damenhandball als Gesellschafter in der Oldesloer Sport-Marketing (OSM) aber weiter verbunden.

„Da ist es jetzt meine Aufgabe, die Dinge zusammen mit der Mannschaft und Claus Schilk in Ruhe zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Ich traue mir durchaus zu, eine für beide Seiten gangbare Brücke zu bauen. Aber dafür müssen auch alle Beteiligten bereit sein, die Konsequenzen aus ihren Ansprüchen und Zielsetzungen zu tragen“, gibt er sich gedämpft optimistisch.

Gloth, der heute mit seinem Bundesliga-Team spielfrei ist, wird deshalb heute zum Spiel gegen Neubrandenburg in der Halle sein. Bleibt abzuwarten, ob es ihm gelingt, den Schwelbrand schnell und nachhaltig zu löschen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 26.2.1994

 

Sonnabend, 26. Februar 1994

VfL Oldesloe – SV Neubrandenburg 17:18 (10:9)

Das Flaggschiff des Oldesloer Sports droht unterzugehen

17:18 gegen SV Neubrandenburg

Erste Heimniederlage seit dem 21. September 1990

(mth). Das Flaggschiff des Oldesloer Sports, die Zweitliga-Damenmannschaft der Handballabteilung des VfL Oldesloe, droht unterzugehen. Zwei Tage, nachdem es zwischen Trainer und Mannschaft endgültig zum Bruch gekommen war – Claus Schilk stellte mit sofortiger Wirkung sein Amt als Trainer zur Verfügung – gab es für das Team die erste Heimniederlage in einem Punktspiel in der Stormarnhalle nach fast dreieinhalb Jahren. Am 21. September 1990, damals noch in der Regionalliga, hatten die Oldesloerinnen gegen VfL Oldenburg II mit 23:24 verloren. Jetzt unterlagen sie dem Tabellensiebten SV Neubrandenburg mit 17:18 (10:9). Die Chancen, sich bald den ersten Tabellenplatz, den sie mit einer Niederlage im Spitzenspiel bei HC Empor Rostock am letzten Hinrunden-Spieltag erstmals in dieser Saison abgegeben hatte, zurückzuholen, sind damit auf ein Minimum gesunken.

Sie sind sicher gar aussichtslos, wenn Leistungen wie gegen die Mecklenburgerinnen nun zur Regel werden sollten. Das war mit Abstand das schlechteste Spiel, das der VfL seinem treuen Publikum – trotz des Trubels vor dem Spiel (oder gerade deswegen?) war die Halle mit annähernd 500 Besuchern proppevoll – seit langer, langer Zeit geboten hat.

Dabei fehlte es den Spielerinnen wahrlich nicht an Motivation. „Nun erst recht!“ war ihre Devise und Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari hatte die Parole ausgegeben, mit einem möglichst hohen Erfolg gegen Neubrandenburg ein Zeichen für die weitere sportliche Entwicklung zu setzen.

Dem Druck, dem sich die Mannschaft damit aussetzte, hat sie nicht standhalten können. Auch nicht die vielfache ungarische Nationalspielerin. Sie hatte eigens für dies Spiel die Kapitänsbinde abgegeben – an Andrea Hasenberg, wiewohl die nur für dieses eine Spiel in die Mannschaft zurückgekehrt war –, um die Verantwortung, die ohne Zweifel auf ihren Schultern in besonderem Maße lastete, nicht überborden zu lassen.

Das Spiel begann für sie auch vielversprechend, denn schon nach weniger als 30 Sekunden markierte sie das 1:0 für den VfL. Aber das fand nicht die entsprechende Fortsetzung. Einen weiteren Treffer brachte sie in den folgenden 59 ½ Minuten nicht mehr an und auch spielerische Akzente konnte sie nicht in dem erhofften Maß setzen.

Und so wie ihr erging es praktisch der ganzen Mannschaft. An Willen und Einsatzbereitschaft mangelte es keiner Spielerin, aber offensichtlich waren alle nicht hochsondern übermotiviert. So wurden Fehler über Fehler produziert. Bisweilen kamen beide Teams – Neubrandenburg hatte aus disziplinarischen Gründen freiwillig auf seine stärkste Akteurin, Jugend-Nationalspielerin Marylin Krause, verzichtet – minutenlang nicht einmal in Torraumnähe, weil die Bälle schon im Mittelfeld verspielt wurden.

Vom Spielstand her lagen beide Teams über die gesamten 60 Minuten dicht beieinander. Der VfL lief nach anfänglicher Führung (3:1/7. Minute) vor der Pause meist einem Ein-Tore-Rückstand hinterher, um beim Halbzeitpfiff des unsicheren Schiedsrichtergespanns Becker/Schnäpsmeier (Minden) dennoch mit einem Tor (10:9) zu führen.

Nach der Pause war es dann gerade umgekehrt. Folgerichtig hatte so der Gast am Ende knapp, aber nicht unverdient mit einem Treffer voraus gewonnen.

„Wir haben von der Situation in Oldesloe profitiert und konnten, ohne selbst in Bestform zu spielen, ausreichend von den Oldesloer Fehlern profitieren“, räumte Gäste-Coach Rolf Meyer ein.

Jens-Richard Paulsen, der beim VfL erstmals alleinverantwortlich auf der Bank saß – er wird bis Saisonende in Zusammenarbeit mit Zsuzsa Nyari die Trainingsarbeit leisten und die Mannschaft bei den Spielen coachen, Claus Schilk wird als Manager weiterhin für das organisatorische Umfeld verantwortlich sein, wie Thomas Gloth von der Oldesloe Sport-Marketing (OSM) nach dem Spiel bekanntgab –, war mit seinem Einstand natürlich überhaupt nicht zufrieden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 28.2.1994

 

Freitag, 4. März 1994

Fans können mitreisen

(mth). „Stunde der Wahrheit“ für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord. Eine Woche nach dem Debakel gegen den SV Neubrandenburg müssen die Stormarnerinnen morgen um 17 Uhr beim TSV Nord Harrislee, neben HC Empor Rostock Hauptrivale im Kampf um den Meistertitel, antreten. Eine weitere Niederlage können sie sich dort nicht erlauben, wollen sie nicht aus dem Rennen ausscheiden.

Umso mehr hoffen sie auf tatkräftige Unterstützung ihrer Fans. Für die gibt es wieder Mitfahrgelegenheit im Mannschaftsbus. Interessenten sollten sich rechtzeitig vor der Abfahrt um 13 Uhr an der Stormarnhalle einfinden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.3.1994

 

Sonnabend, 5. März 1994

Schicksalsspiel der Handball-Damen des VfL Oldesloe beim TSV Nord Harrislee

Verlierer hat kaum noch Chancen

(mth). „Der 5. März 1994 ist in unserem Kalender ganz dick angekreuzt. Das ist das nächste große Ziel, das wir nun ansteuern.“ Damit kündigte Heie Jacobsen, Trainer der Handball-Damen des TSV Nord Harrislee, die Revanche-Gelüste von ihm und seinem Team an, kaum daß sie am 2. Oktober letzten Jahres am zweiten Spieltag der zweiten Bundesliga Gruppe Nord das Spitzenspiel in der Stormarnhalle gegen den VfL Oldesloe ziemlich sang- und klanglos mit 18:25 verloren hatten.

Während in der Stormarner Kreisstadt nach dem Spiel Euphorie ausbrach, setzte Jacobsen auf den Faktor Zeit. „Frühestens im Rückspiel wird die Rechnung aufgemacht“, machte er damals in Optimismus. Und er hat Recht behalten. Vor der heutigen Begegnung in Harrislee (Beginn 17 Uhr) haben die beiden Mannschaften, die vor Saisonbeginn als die großen Favoriten galten, fast die gleiche Ausgangsposition.

Beide weisen 17:5 Punkte auf, wobei Harrislee mittlerweile vor dem VfL liegt, weil das Team die bessere Tordifferenz aufweist. Daraus wird schon deutlich, wieviel heute auf dem Spiel steht. Beide sind weiterhin heiß auf den Meistertitel und den Aufstieg in die erste Liga.

Aber sie sind nicht mehr erste Anwärter dafür. Die besten Karten hat spätestens seit dem Rückrundenstart vor einer Woche, als die Oldesloerinnen unmittelbar nach dem Rücktritt von Trainer Claus Schilk sensationell 17:18 gegen den SV Neubrandenburg verloren und der TSV Nord nur ein mühsames Remis 16:16 bei Holstein Kiel schaffte, der HC Empor Rostock. Der Verlierer des heutigen Spiels würde zumindest vorläufig den Anschluß verlieren, und es erscheint zweifelhaft, ob er den Rückstand dann noch einmal wird aufholen können.

Jens-Richard Paulsen, beim VfL vom Co-Trainer bis zum Saisonende als verantwortlicher Chef aufgestiegen, ist zuversichtlich, daß sich der Trubel um den Trainerwechsel jetzt gelegt hat. „Wir haben in dieser Woche gut trainiert. Die Beteiligung war dabei fast hundertprozentig. Zum Spiel heute sind alle Spielerinnen des Kaders an Bord. Behalten wir unsere Nerven im Zaum, dann haben wir auch heute eine reelle Chance“, weist er Resignation bei sich und seiner Mannschaft weit von sich.

Eine seiner Spielerinnen ist besonders heiß: Catrin Köhnken, die bis zur letzten Saison in Harrislee spielte und es ihren ehemaligen Mannschaftskolleginnen und besonders ihrem früheren Coach, von dem sie nicht unbedingt in bestem Einvernehmen schied, gern zeigen möchte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 5.3.1994

 

Sonnabend, 5. März 1994

TSV Nord Harrislee – VfL Oldesloe 23:15 (9:7)

15:23 in Harrislee

Die Chancen der VfL-Handballerinnen schwinden immer mehr

Vorsatz hielt nur eine Halbzeit

Manfred Thomsen – „Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Wir waren mit dem festen Vorsatz nach Harrislee gefahren, dort nicht nur ein gutes Spiel abzuliefern. Vielmehr wollten wir unbedingt gewinnen, um unser angeknackstes· Selbstvertrauen wieder aufzurichten. Aber wir haben unsere guten Vorsätze nur eine Halbzeit lang umsetzen können. Dann sind wir konditionell eingebrochen, haben fast alle Zweikämpfe verloren und waren schließlich auch in dieser Höhe verdient unterlegen.“ Jens-Richard Paulsen, seit zwei Wochen Trainer der Zweitliga-Damenmannschaft machte aus seiner Enttäuschung über die 15:23 (7:9)-Niederlage seines Teams beim TSV Nord Harrislee keinen Hehl.

Eine Woche nach der sensationellen 17:18-Heimniederlage gegen den SV Neubrandenburg haben die Hoffnungen der Stormarnerinnen, in dieser Saison den Aufstieg in die erste Bundesliga zu schaffen, einen weiteren herben Dämpfer erhalten.

Der VfL, der im Herbst ungeschlagen und ohne Punktverlust der Konkurrenz auf und davonzulaufen schien, weist nach dieser dritten Niederlage in Folge schon vier Punkte Rückstand gegenüber Spitzenreiter HC Empor Rostock (21:12-Sieger gegen die Reinickendorfer Füchse) auf. Der TSV Nord Harrislee liegt jetzt auch zwei Zähler vor den Oldesloerinnen und nach Minuspunkten steht inzwischen sogar Aufsteiger MTV Wandsbek (23:17 im Hamburger Lokalderby bei TuS Alstertal) als Tabellenvierter günstiger da.

Bei acht noch ausstehenden Spieltagen sind diese Rückstände sicher aufholbar, zumal auch die Konkurrenten sich gegenseitig Punkte wegnehmen müssen. Deshalb weist Paulsen auch alle Prognosen mit dem Tenor „nun sei alles verloren“ und „es sei an der Zeit, resigniert die Flinte ins Korn zu werfen“ zurück.

„Abgerechnet wird erst am 21. Mai, dem letzten Spieltag in der laufenden Saison. Ich gehe davon aus, daß auch Rostock und Harrislee bis dahin nicht ungeschoren davonkommen“, macht er weiter in Optimismus.

Aber es sind sicher Zweifel angebracht. Die Oldesloer Mannschaft ist in der augenblicklichen Verfassung nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das wurde beim Spiel in Harrislee so deutlich wie nie zuvor. Vor allem, wenn man die Begegnung dem Hinspiel Anfang Oktober in der Stormarnhalle im Vergleich gegenüberstellt. Zu dem frühen Saisonzeitpunkt hatten die Oldesloerinnen begeisternden Tempohandball gezeigt und den vermeintlichen Hauptrivalen im Meisterschaftskampf mit 25:18 „aus der Halle gefegt“.

In den Köpfen der Mannschaft und im Umfeld setzte sich der Gedanke fest, ein Durchmarsch wie zwei Jahre zuvor – damals überstand der VfL eine ganze Zweitliga-Saison ohne jeden Punktverlust und scheiterte nur mit viel Pech in einer Aufstiegsrunde zur ersten Liga – sei vorprogrammiert. In dieser Überzeugung wurden die Warnsignale im letzten Herbst leichtfertig ignoriert.

Das Niveau des Hinspiels gegen Harrislee hat der VfL in den nachfolgenden Spielen nie wieder erreicht. Aber das wurde auf die leichte Schulter genommen. Schließlich wurden die Punktspiele auch ohne Topform alle gewonnen, das Pokal-Aus gegen den TSV Hastedt wurde als Ausrutscher eingestuft und die spielerischen Defizite, die sich mehr und mehr offenbarten, entschuldigte man mit dem in der Tat unmöglichen Spielplan.

Im Hinterkopf spukte bei allen Beteiligten – Spielerinnen, Betreuern, Fans – der Gedanke, die Mannschaft würde sich schon zu steigern wissen, wenn es denn darauf ankäme und sie von „echten Gegnern“ wirklich in ihrem Leistungsvermögen gefordert würde. Gewissermaßen auf Knopfdruck.

Aber das war eine Fehleinschätzung. Als der Schalter umgelegt wurde, passierte nichts. Nicht in Rostock zum Hinrundenabschluß, als der VfL seine erste Niederlage kassierte und die Halbzeitmeisterschaft verspielte. Nicht im Spiel gegen den SV Neubrandenburg, als das Team nach dem Trainerwechsel dem auch selbsterzeugten Druck nicht standhielt und durch Übermotivierung ihre wohl schlechteste Saisonleistung bot.

Und auch nicht in Harrislee. Vor 350 Zuschauern wurde der VfL allenfalls eine Halbzeit lang den Anspruch, eine Spitzenmannschaft in der zweiten Liga zu sein, gerecht. Das auch nur mit einer ansprechenden Defensivleistung. Allen voran Torhüterin Petra Küsel, die im ersten Durchgang unter anderem zwei Siebenmeter und mehrere Tempogegenstöße, die Hauptwaffe der Harrisleerinnen, parierte. Aber auch der 6:0-Deckungsverband hielt 29 Minuten dicht.

Im Angriff dagegen lief beim VfL schon vor der Pause kaum etwas zusammen. Der Rückraum war absolut torungefährlich, nachdem Babette Bischof mit zwei Toren (zum 2:1, der einzigen Führung des VfL im ganzen Spiel) schon nach drei Minuten Zweidrittel ihrer Trefferquote abhaken konnte. In den folgenden 57 Minuten traf sie bei mehr als einem Dutzend Versuchen nur noch ein einziges Mal (22. Minute) ins Schwarze.

Ihre drei Tore aber waren die einzigen VfL-Treffer aus der zweiten Reihe bis zu den letzten vier Minuten. Dann erst traf Catrin Köhnken auch noch zweimal. Aber da war die Begegnung lange entschieden und der Druck aus der Partie. Außerdem blieb auch die Flügelzange des VfL, wie zumeist in dieser Saison, stumpf. Zsuzsa Nyari wurde von der erst 19jährigen Susanne Henze neutralisiert und schaffte nur zwei Tore; Marion Werner ging sogar gänzlich leer aus.

Die Junioren-Nationalspielerin leistete sich dazu zwei überflüssige Zeitstrafen (22. und 28. Minute) mit denen sie den Untergang ihres Teams mit einleitete. Bis zu ihrer zweiten „Auszeit“ stand es 7:7. In Überzahl ging Harrislee dann 50 Sekunden vor der Pause mit 8:7 in Führung. Den folgenden VfL-Angriff werteten die Schiedsrichter Rauke/Janssen (Ostfriesland) schon nach 10/15 Sekunden als Zeitspiel, so daß der Gastgeber mit der Sirene zum Seitenwechsel noch auf 9:7 erhöhen konnte.

Über diesen Zwei-Tore-Rückstand waren die Oldesloerinnen derartig geschockt, daß sie den Start in die zweite Hälfte völlig verpassten. Da war dann innerhalb von sieben Minuten alles gelaufen. Mit weiteren vier Toren in Folge war Harrislee auf 13:7 davongezogen.

Der Rest war nur noch Formsache. Der VfL, bei dem nun auch Konditionsmängel unübersehbar wurden, wurde regelrecht vorgeführt. Bis zum Schluß hatte er nicht den Hauch einer Chance zu einer Wende mehr. Als Torschützen traten beim VfL neben den schon genannten Spielerinnen nur noch Roswitha Bein (6, davon fünf Siebenmeter) und Eike Lange (2/1) in Erscheinung. Ivonn Bosza und Ivonne Grimm (völlig ohne Selbstbewußtsein) gingen ebenso wie Marion Werner leer aus. Katrin Behnke wurde nicht eingesetzt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 7.3.1994

 

Sonnabend, 19. März 1994

Heute 19.30 Uhr Stormarnhalle: VfL Oldenburg Gast der VfL-Handball-Damen

Gelingt die Wende zum Guten?

(mth). Dreieinhalb Jahre war die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in eigener Halle ungeschlagen, ehe sie vor drei Wochen gegen den SV Neubrandenburg erstmalig wieder in heimischer Umgebung verlor. Die sensationelle Niederlage traf die Mannschaft seinerzeit zum denkbar unpassendsten Augenblick. Zwei Tage vorher hatte Trainer Claus Schilk im Zorn die Brocken hingeworfen, und der Versuch des Teams mit einer Trotzreaktion nach dem Motto „nun erst recht“ war gründlich daneben gegangen.

Die Folge: Die Mannschaft war eine Woche später beim Schlagerspiel in Harrislee noch immer von der Rolle und mußte einen weiteren herben Rückschlag hinnehmen. Immerhin war die Mannschaft ja mit dem erklärten Ziel in ihre dritte Saison in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord gegangen, Meister zu werden und in die erste Bundesliga aufzusteigen.

Nach nunmehr drei Niederlagen in Folge – vor dem Neubrandenburg-Spiel war ja auch schon die Begegnung bei HC Empor Rostock (neben TSV Nord Harrislee Hauptrivale der Stormarnerinnen) verloren worden – ist dieses Ziel vorerst in weite Ferne gerückt.

Aber aufgeben will das Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari noch lange nicht. „Die Saison ist noch lang. Da kann noch viel passieren. Wenn wir endlich wieder zu unserer normalen Form finden und uns bis zum Saisonende keinen Ausrutscher mehr erlauben, haben wir sicher eine Chance, unser Ziel doch noch zu erreichen“, macht die Ungarin im VfL-Dress in Optimismus.

Aber die Wende zum Guten, das weiß auch Zsuzsa Nyari, muß unverzüglich kommen. Der Grundstein zu einer neuen Erfolgsserie muß heute gelegt werden, wenn um 19.30 Uhr das nächste Heimspiel in der Stormarnhalle angepfiffen wird. Der Gegner ist wahrlich nicht „von Pappe“.

In Bad Oldesloe stellt sich mit Bundesliga-Absteiger VfL Oldenburg eine Mannschaft vor, die selbst noch Ambitionen auf einen Platz ganz vorn in der Tabelle hat, auch wenn ein sofortiger Wiederaufstieg in die oberste Spielklasse bei den Niedersachsen zur Zeit kein Thema ist. Aber sie liegen nur einen einzigen Punkt hinter dem VfL zurück, könnten ihn also im Fall eines Sieges überholen.

Gleiches hat ja auch der erstaunlich starke Aufsteiger MTV Wandsbek im Visier, der momentan zwischen den Oldesloerinnen und Oldenburgerinnen placiert ist, aber inzwischen weniger Minuspunkte als die Oldesloerinnen auf ihrem Konto hat.

Als eine Ursache für die herben Rückschläge hat Jens-Richard Paulsen, Ende Dezember als Co- und Torwart-Trainer zum VfL gekommen, nun bis zum Saisonende verantwortlicher Cheftrainer, mangelnde Kondition ausgemacht. Deshalb ist in den zwei Wochen seit dem Spiel in Harrislee in dieser Richtung hart gearbeitet worden.

Fehlendes Selbstbewußtsein, eine weitere offenkundige Ursache der Misere, ist mit Training allein sicher nicht wettzumachen. Da könnte nur ein Erfolgserlebnis Abhilfe bringen. Damit sich das einstellt, sind auch die Oldesloer Zuschauer gefordert. Jahrelang von Erfolgen verwöhnt, haben sie Siege der VfL-Damen in der Vergangenheit oft als Selbstverständlichkeit hingenommen. Jetzt würde es der Mannschaft sicher nutzen, wenn sie von ihren Fans Unterstützung und aufmunternde Anfeuerung erführe.

STORMARNER TAGEBLATT vom 19.3.1994

 

Sonnabend, 19. März 1994

VfL Oldesloe – VfL Oldenburg 20:14 (9:7)

Jubel und Erleichterung

20:14 gegen Oldenburg: VfL-Damen beendeten Negativserie

(mth). Gemessen am Jubel der gut 400 Zuschauer in der Stormarnhalle und an den Freudensprüngen, die die Spielerinnen vollführten, konnte man glauben, die Handball-Damen des VfL Oldesloe hätten in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord ihr großes Saisonziel – Meisterschaft und Aufstieg in die erste Liga – in die Tat umgesetzt. Doch davon ist die Truppe noch ein reichliches Stück entfernt. Aber es gibt wieder einen Silberstreifen am Horizont. Nach drei Niederlagen in Folge gelang dem Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari gegen den VfL Oldenburg endlich wieder ein Sieg. Mit 20:14 (9:7) ein deutlicher dazu und die Art und Weise, wie er zustande kam, gibt wieder Anlaß zu vorsichtigem Optimismus.

Jens-Richard Paulsen, dem mit diesem ersten Sieg unter seiner Führung nach eigenem Bekunden ein riesengroßer Stein vom Herzen gefallen war, hatte zu dem Rezept gegriffen, das üblicherweise von Trainern angewandt wird, wenn Sand ins Getriebe gekommen ist und nichts mehr rund läuft: „Wir müssen über den Kampf zurück zu unserer spielerischen Linie finden“, hatte er seinen Schützlingen mit auf den Weg geben.

Um dafür besser als in den letzten Spielen gewappnet zu sein, hatte das VfL-Team in den letzten beiden Wochen noch und noch Kondition gebolzt. Das zahlte sich aus. Anders als in den meisten Spielen dieser Saison hatte die Mannschaft keinen Einbruch auf diesem Gebiet zu verzeichnen.

Auch nicht, als das Spiel nach fast 50 Minuten noch immer auf des Messers Schneide stand. 15:13 hieß es zu diesem Zeitpunkt. Den Zwei-Tore-Vorsprung hatte sich der VfL, vor allem dank einer konzentrierten Abwehrleistung, schon bis zur Pause (9:7) herausgespielt.

Bis dahin war das Spiel des VfL nach vorne zumeist von Nervosität und Verkrampfung gekennzeichnet. Das hielt auch nach der Halbzeit noch eine Weile an. Aber die Mannschaft, in der endlich auch wieder Teamgeist zu verspüren war, biß sich durch. In der Schlußphase knöpfte sie dann endlich auch spielerisch an ihre bessere Zeit an und der robuste, aber unerfahrene VfL Oldenburg wurde noch regelrecht vorgeführt.

Erfolgreichste Werferin der Stormarnerinnen war Roswitha Bein (5/1) gefolgt von Babette Bischof (4) und Eike Lange (4/2). Erheblichen Anteil am Erfolg und Aufschwung hatten aber auch Zsuzsa Nyari (3), Katrin Behnke und Ivonne Grimm (je 2). Catrin Köhnken ging ebenso leer aus, wie die erst in den Schlußminuten eingesetzten Ivonn Bosza und Vanessa Schack. Im Tor zeigten Petra Küsel und Alexandra Hoffmann (ab 44.) ausgezeichnete Leistungen. Marion Werner fehlte wegen einer Finderverletzung.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.3.1994

 

NN März 1994

SC Buntekuh JA – VfL Oldesloe NN

 

Sonnabend, 2. April 1994

Form konservieren

Testspiele für VfL-Handball-Frauen

(cr). Der Spielplan der Handball-Frauen des VfL Oldesloe hat in dieser Saison seine Tücken. Zum wiederholten Mal haben die Bundesliga-Spielerinnen drei Wochen Wettkampfpause, bevor es am 9. April im Heimspiel gegen den TuS Alstertal weitergeht.

Zweimal brachte die denkwürdige Planung die VfLerinnen mit den langen Unterbrechungen aus dem Rhythmus, ließen nach Siegen weniger erfreuliche Spiele folgen. Letztes Beispiel: Das 19:19-Remis kurz nach dem Jahreswechsel beim MTV Wandsbek. Damit diese Pannen nicht wieder passieren, hat sich die Mannschaft mit Trainer Jens-Richard Paulsen entschlossen, in der spielfreien Zeit die Wettkampfpraxis zu konservieren und Testspiele zu absolvieren.

Heute abend (20 Uhr) steht so ein Freundschaftsspiel im Hamburger Süden auf dem Programm. Gegner ist das Regionalliga-Team von FSV Harburg.

In der vergangenen Woche gingen die Oldesloer Frauen beim Trainingsspiel gegen die A-Jugend des SC Buntekuh auf das Feld. Allerdings klaffte auch in dieser Begegnung eine erhebliche Leistungslücke.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.4.1994

 

Sonnabend, 2. April 1994

Schilk bald Herren-Trainer

(cr). Der Bruch zwischen den Handball-Damen des VfL Oldesloe und ihrem ehemaligen Coach Claus Schilk scheint endgültig. Nachdem Co-Trainer Jens-Richard Paulsen die Verantwortung in dem Bundesliga-Team übernommen hat, hat sich der Erfolgstrainer nun auch umorientiert: In der kommenden Saison wird er das Training beim Herren-Regionalligisten TSV Ellerbek übernehmen. Die Ellerbeker stehen auf dem vierten Platz der Tabelle und setzten auf die Erfahrung von Schilk, um den Aufstieg in das zweite Oberhaus zu schaffen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 2.4.1994

 

Sonnabend, 2. April 1994

FSV Harburg – VfL Oldesloe ?????

 

STORMARNER TAGEBLATT vom ?????

 

Freitag, 8. April 1994

TuS Alstertal kommt

Zwei Punkte fest eingeplant

(mth). Die Saison 1993/94 in der zweiten Bundesliga der Handball-Damen hat sich bislang wie ein Stück zähen Kaugummis hingezogen. Seit Ende September hat es nie längere Phasen gegeben, in denen an einem Stück gespielt wurde. Allenfalls zwei, drei Spieltage wurden zu Blöcken· zusammengefügt. Dann folgten jeweils Pausen zwischen zwei und fünf Wochen Dauer.

Da ist es für alle Mannschaften schwer gewesen, in den richtigen Spielrhythmus zu kommen. Das nicht zuletzt der VfL· Oldesloe zu spüren bekommen. Einige seiner Schwierigkeiten, in die er als vorher abgestempelter Favorit gestolpert ist, sind sicher auch darauf zurückzuführen.

Nun aber geht es bis zum Saisonende Schlag auf Schlag. Sieben Wochen lang steht an jedem Wochenende ein Spiel auf dem Programm. In denen will es der VfL noch einmal wissen. Sein Rückstand zu Spitzenreiter Empor Rostock und dem Tabellenzweiten TSV Nord Harrislee, beide treffen am Sonnabend in Harrislee aufeinander, ist zwar nicht unerheblich, aber nicht uneinholbar.

Vorausgesetzt die Oldesloerinnen laufen wieder zu ihrer Bestform auf. In der letzten Partie gegen VfL Oldenburg waren ja endlich wieder Ansätze dazu erkennbar. Daran will das Team von Trainer Jens-Richard Paulsen morgen um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle gegen TuS Alstertal anknüpfen.

„Zwei Punkte aus diesem Spiel sind fest eingeplant“, macht der VfL-Coach keinen Hehl aus seinen Erwartungen. Er hat alle Spielerinnen dabei. Auch Roswitha Bein trainiert nach Beendigung ihres England-Aufenthaltes wieder regelmäßig mit der Mannschaft und Marion Werner hat ihre Handverletzung überwunden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 8.4.1994

 

Sonnabend, 9. April 1994

VfL Oldesloe – TuS Alstertal 27:18 (14:9)

Die Oldesloer Handball-Damen sind wieder auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze

Das Rennen ist wieder offen

(mth). Das Rennen um den Meistertitel in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen ist wieder völlig offen. Auch der VfL Oldesloe ist nach dem 27:18-Sieg über Abstiegskandidaten TuS Alstertal wieder voll im Geschäft. Die Stormarnerinnen profitierten dabei vom 19:18-Erfolg des TSV Nord Harrislee gegen Tabellenführer HC Empor Rostock. Mit den Harrisleerinnen hatte der VfL nach Minuspunkten schon am letzten Spieltag vor der kurzen Osterpause nach deren Ausrutscher in Woltmershausen gleichgezogen. Die Rostockerinnen, die am vorletzten Saisonspieltag noch in der Stormarnhalle antreten müssen, stehen jetzt nur noch einen Punkt besser als der VfL da. Fazit: Die Oldesloerinnen können nun wieder aus eigener Kraft den ersten Platz und damit den Aufstieg in die erste Bundesliga schaffen.

Zu Euphorie im Oldesloer Handball-Lager aber besteht deswegen noch kein Grund. Der eigene Sieg über die Alstertalerinnen war natürlich eine Grundvoraussetzung dafür, daß „die Karten nun wieder neu gemischt sind“ (Trainer Jens-Richard Paulsen), aber er war gegen einen eher schwachen Gegner eine pure Selbstverständlichkeit.

Bäume hat die Mannschaft dabei nicht ausgerissen und sie wird sich spielerisch noch gewaltig steigern müssen, wenn sich die beiden Erfolge über VfL Oldenburg und TuS Alstertal zu einer Siegesserie auswachsen sollen.

Die Voraussetzungen dafür sind sicher nicht schlecht. Bis zum Saisonende gibt es nun endlich einen vernünftigen Spielplan. Mit Spielen im Wochentakt hat die Mannschaft erstmals die Chance, in einen geordneten Rhythmus zu finden. Positive Ansätze dafür, auf denen man aufbauen kann, hat es auch im Spiel gegen die Hamburgerinnen gegeben.

Der wichtigste vielleicht: Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari zeigte eine ihrer bislang besten Saisonleistungen. Sie war nicht nur kämpferisch stark engagiert, sondern hat offensichtlich auch konditionell wieder zugelegt. Dazu blitzte erstmals seit längerer Zeit wieder jener Spielwitz bei ihr auf, mit dem sie in den vergangenen Jahren zum Oldesloer Publikumsliebling geworden war.

Nicht von ungefähr war sie mit sechs Treffern auch die erfolgreichste Werferin ihres Teams. Dabei setzte sie mit einem phantastischen Kempa-Trick-Tor auf Vorlage von Roswitha Bein in der 60. Minute einen herrlichen Schlußpunkt.

Überaus erfreulich war auch die Leistung von Ivonn Bosza im rechten Rückraum. Sie hat das Tief, in das sie beim Spiel Ende Januar in Rostock so unvermittelt gefallen war, nachdem ihre Leistungskurve vorher deutlich nach oben führte, nun offensichtlich abgeschüttelt. Vier blitzsaubere Tore werden eher für die nächsten Spiele sicher Selbstvertrauen geben.

Davon besitzt Vanessa Schack, eine weitere Spielerin aus der ganz jungen Garde beim VfL, eine ganze Menge, obwohl sie im Verlauf der Saison bislang nur sehr geringe Spielanteile bekommen hatte. In den 15 Minuten, die sie zum Einsatz kam, spielte sie forsch auf, erzielte zwei Tore selbst und holte als Kreisläuferin noch zwei Siebenmeter heraus.

Damit war sie deutlich erfolgreicher als Katrin Behnke, die auf der Linksaußenposition gut mitspielte, im Abschluß (nur ein Tor) aber glücklos und ungenau war. Ihre Chancen, sich einen Stammplatz im Team zu sichern, sind dennoch deutlich gestiegen.

Die Auseinandersetzungen von Marion Werner und dem Management (Sport-Marketing und Abteilungsvorstand) nämlich sind eskaliert. Die Junioren-Nationalspielerin ist aus dem Bundesliga-Aufgebot verbannt worden. Sie soll stattdessen mit der zweiten Mannschaft die Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse (beginnt in dieser Woche) bestreiten.

Gefahr, gegen TuS Alstertal einen Punkt oder gar das Spiel zu verlieren, lief der VfL zu keinem Zeitpunkt. Anfangs geriet er zwar 0:2 in Rückstand (1. Minute) und nach zwischenzeitlicher 5:2-Führung (8.) mußte er bis zur 13. Minute noch einmal den 5:5-Gleichstand hinnehmen, aber damit war trotz allen Eifers, den sie an den Tag legten, der ernsthafte Widerstand der Hamburgerinnen auch schon erledigt.

Über einen 14:9-Halbzeitstand zog der VfL immer weiter davon und hätte bei mehr Konzentration leicht noch mehr für das Torverhältnis tun können. Aber Babette Bischof (3 Tore) war bei weitem nicht in Bestform. Catrin Köhnken (2 Tore in der Schlußphase) findet weiter kaum Bindung zur Mannschaft und Roswitha Bein, die das Spiel gut dirigierte, hielt sich bei der Torejagd (nur 1 Tor) merklich zurück.

Auch Ivonne Grimm (3) kann gewiss noch weit mehr, als sie den rund 300 Zuschauern zeigte. So war Eike Lange (5/3) hinter Zsuzsa Nyari erfolgreichste Werferin.

Im Tor lief es für Silke Schwöbken in der ersten Halbzeit eher unglücklich. Petra Küsel, die sie nach dem Wechsel ablöste, zeigte eine ganze Reihe glänzender Reaktionen, fing sich andererseits aber auch ein paar „Luschen“ ein.

STORMARNER TAGEBLATT vom 11.4.1994

 

Freitag, 15. April 1994

VfL in Berlin

Selbstbewußt, aber auch mit Respekt

(mth). Mit den Siegen aus den beiden letzten Spielen im Rücken mit deutlich gewachsenem Selbstbewußtsein, aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt vor dem Gegner tritt die Damen-Bundesliga-Mannschaft des VfL Oldesloe morgen die Reise zu den Reinickendorfer Füchsen an. „Unser Ziel in der Hauptstadt kann nur ein Sieg sein“, macht Trainer Jens-Richard Paulsen aus seinen Erwartungen an seine Mannschaft keinen Hehl.

Die Aussicht, nun wieder aus eigener Kraft das Saisonziel Meisterschaft und Aufstieg in die erste Liga anpeilen zu können, hat im Team um Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari wieder Kräfte freigesetzt, die nach den drei Niederlagen in Rostock, in Harrislee und gegen Neubrandenburg schon brach zu liegen schienen. Die werden aber auch nötig sein, um in der Sporthalle in der Cyclopstraße in Berlin 26 erfolgreich bestehen zu können.

„Die Füchse werden uns weit mehr abverlangen, als zuletzt der TuS Alstertal“, will Paulsen den hohen Sieg am letzten Sonnabend gegen die Hamburgerinnen nicht als Maßstab heranziehen. Und das aus gutem Grund. Gegen die Berlinerinnen hat sich der VfL in den beiden letzten Aufeinandertreffen mächtig schwer getan. Jeweils nur mit einem Tor Vorsprung haben die beide Male hochfavorisierten Oldesloerinnen diese Spiele gewonnen.

Die entscheidenden letzten Treffer fielen dabei beide Male buchstäblich in letzter Sekunde. So jedenfalls hatten es zum Glück für den VfL die Schiedsrichter gesehen. Die Berliner, allen voran ihr Trainer Dieter Finkelmann, dagegen fühlten sich in beiden Fällen übervorteilt und dafür würden sie sich morgen zu gerne revanchieren.

Schon deshalb muß der VfL mit einem hochmotivierten Gegner rechnen, der noch dazu dringend jeden Punkt braucht, will er sich weiter Chancen ausrechnen können, die Qualifikation für die zweite Liga in der nächsten Saison zu schaffen. Dafür muß der augenblickliche achte Rang unbedingt noch verbessert werden.

Jens-Richard Paulsen warnt deswegen seine Spielerinnen davor, die Berlinerinnen auf die leichte Schulter zu nehmen. Personell steht er vor dem Spiel ohne Sorgen da. Die nach der Trennung von Nana Conde und der Suspendierung von Marion Werner verbliebenen zwölf Spielerinnen werden alle die Fahrt nach Berlin mitmachen.

Auf der können sie auch wieder Fans begleiten. Abfahrt ist um 13.30 Uhr an der Stormarnhalle. Wer mitfahren will, sollte sich dort spätestens um 13.15 Uhr einfinden. Spielbeginn in Berlin ist um 18.30 Uhr.

STORMARNER TAGEBLATT vom 15.4.1994

 

Sonnabend, 16. April 1994

Reinickendorfer Füchse – VfL Oldesloe 17:13 (8:7)

13:17 in Berlin

Der VfL kann weiter für die zweite Liga planen

Der Aufschwung der Oldesloerinnen fand bei den Reinickendorfer Füchsen ein jähes Ende

Nyari, Bein und Bischof blieben ohne jeden Torerfolg

(mth). Der Zug ist abgefahren. In der Handballabteilung des VfL Oldesloe kann für die erste Damen-Mannschaft für eine weitere Saison in der zweiten Bundesliga geplant werden. Das erklärte Ziel, der erste Platz am Ende der Saison, den man ohne Wenn und Aber hatte erreichen wollen, ist praktisch nicht mehr erreichbar.

Das hatte sich am Wechsel Hinrunde/Rückrunde schon einmal abgezeichnet, als die Erfolgsserie von vorher neun Spielen ohne Niederlage (17:1 Punkte) in eine Kette von drei Schlappen in Folge mündete. Verbunden mit heftigen Auseinandersetzungen zwischen Mannschaft und Führung, dem Rücktritt von Trainer Claus Schilk und Austritten/Ausschlüssen von Leistungsträgerinnen (Nana Conde/Marion Werner).

Aber zwei Erfolge danach und Punktverluste der Konkurrenz, hatten wieder Hoffnungen in Oldesloe aufkeimen lassen. Immerhin bestand wieder die Möglichkeit, das Ziel aus eigener Kraft zu schaffen. Die sind mit dem Gastspiel des VfL bei den Renickendorfer Füchsen abrupt beendet worden. Nach einer enttäuschenden Leistung (Trainer Jens-Richard Paulsen) unterlagen Zsuzsa Nyari und Co. Mit 13:17 (7:8).

Der TSV Nord Harrislee kassierte zur gleichen Zeit beim VfL Oldenburg zwar auch eine Niederlage (21:25), aber Spitzenreiter HC Empor Rostock (30:13 gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder nutzte die Gunst der Stunde und hat damit den Titelgewinn praktisch in der Tasche.

Das sehen nicht nur Außenstehende so. Jens-Richard Paulsen gibt sich keinen Illusionen mehr hin. „Die Sache ist abgehakt. Für uns kann es jetzt nur noch darum gehen, die Saison erhobenen Hauptes zu Ende zu bringen“, läßt er am Ende aller Aufstiegsambitionen keinen Zweifel mehr.

Die Mannschaft, so Paulsen weiter, müsse schon Vorahnungen gehabt haben. Die Stimmung sei schon bei der Anreise eher mulmig gewesen, was sicher damit zusammenhinge, daß der VfL seine beiden letzten Spiele gegen die Füchse nur knapp und mit einer gehörigen Portion Glück gewonnen habe.

Mit dem Druck sich nichts erlauben zu können, ist die Mannschaft nicht fertig geworden. Auch und gerade die Leistungsträgerinnen nicht. Zsuzsa Nyari, Roswitha Bein und Babette Bischof blieben in den 60 Minuten in Berlin ebenso wie Katrin Behnke, Vanessa Schack und Catrin Köhnken (an ihrem 31. Geburtstag) ohne jeden Torerfolg.

Das auszugleichen, reichten fünf Tore (davon drei Siebenmeter) von Eike Lange und je vier von Ivonne Grimm und Ivonn Bosza (stark) bei weitem nicht aus. Wohin der Hase laufen würde, war schon nach sechs Minuten deutlich, als die Füchse mit 3:0 führten. Die witterten dadurch Morgenluft und spielten fortan frech und befreit gegen den Favoriten auf.

„Wir spürten, daß wir nach den beiden knappen Niederlagen nun einmal dran waren“, so deren Coach Dieter Finkelmann. Dreimal (4:4 in der 16., 8:8 in der 32. und 9:9 in der 37. Minute) erreichte der VfL, der nie zu seiner Linie fand, zwar den Gleichstand, aber der Gastgeber hatte dann immer mehr zuzusetzen. Auch als sich die Oldesloerinnen nach dem vermeintlich schon vorentscheidenden 13:9 (45.) noch einmal bis auf 13:14 (53.) herangekämpft hatten. Eine Wende ließen die Berlinerinnen nicht mehr zu.

STORMARNER TAGEBLATT vom 18.4.1994

 

Sonnabend, 23. April 1994

Oldesloer Damen sinnen auf Revanche

(mth). Die Luft ist raus bei den Handball-Damen des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga. Seit der Niederlage vor Wochenfrist bei den Reinickendorfer Füchsen ist der Meistertitel und der Aufstieg in die erste Bundesliga für die Stormarnerinnen kein Thema mehr.

„Aber wir wollen die Saison mit Anstand abschließen“, erteilt Trainer Jens-Richard Paulsen allen Spekulationen, sein Team würde jetzt die Zügel schleifen lassen, eine entschiedene Absage. Für das Spiel heute um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle gegen den MTV Wandsbek 72 müßten Zsuzsa Nyari und Co. ohnehin genug motiviert sein.

Just gegen den Hamburger Aufsteiger nämlich begann die Misere. Vorher verlustpunktfrei durch die Serie gekommen, reichte es in Wandsbek für den VfL nur zu einem 19:19-Unentschieden. Das kam, wie sich hinterher zeigte, nicht von ungefähr. Mittlerweile sind die Hamburgerinnen das Team, das nach Spitzenreiter Empor Rostock die wenigsten Minuspunkte auf dem Konto hat. Für den Punktverlust in Hamburg Revanche zu nehmen, wird also für den VfL nicht einfach werden.

Soll sie gelingen, wird sich die Mannschaft voll reinhängen und gegenüber den letzten beiden Begegnungen spielerisch steigern müssen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 23.4.1994

 

Sonnabend, 23. April 1994

VfL Oldesloe – MTV Wandsbek 72 27:16 (13:6)

27:16-Erfolg: Den VfL-Handballerinnen gelang die doppelte Wiedergutmachung

60 Minuten auf das Tempo gedrückt

(mth). Den Handball-Damen des VfL Oldesloe ist gegen den MTV Wandsbek 72 die doppelte Wiedergutmachung, die sie sich vorgenommen hatten, voll und ganz gelungen. Mit einem eindrucksvollen 27:16 (13:6)-Erfolg rehabilitierten sie sich für die Niederlage und schwache Leistung vor Wochenfrist bei den Renickendorfer Füchsen, mit der sie sich endgültig aus dem Rennen um den Meistertitel und den damit verbundenen Aufstieg in die erste Bundesliga katapultiert hatten. Zugleich nahmen sie Revanche für das 19:19-Unentschieden zu Jahresbeginn beim Aufsteiger aus Hamburg.

Mit jenem Unentschieden hatte der Niedergang des VfL begonnen. Es war der erste Punktverlust in der Saison überhaupt gewesen, der nicht nur wenige Wochen später die Halbzeitmeisterschaft kostete. Mit Zeitverzögerung löste er eine Kettenreaktion aus, an dessen Ende der VfL seine Favoritenrolle los war und der Traum von Erstliga-Handball in Stormarn wie eine Seifenblase zerplatzte.

Den hatte man sich, so die Vorstellung von Spielerinnen und Mannschaftsführung vor Saisonbeginn, mit Tempohandball erfüllen wollen. Das sie das kann und beherrscht hat sie aber in den letzten acht Monaten nur ganz sporadisch andeuten können. Niemals so deutlich wie gegen die Hamburgerinnen.

„Von der ersten bis zur letzten Minute ging es rauf und runter, ohne das je ein Nachlassen oder Ermüdung erkennbar war“, freute sich Trainer Jens-Richard Paulsen über den höchsten Sieg unter seiner Führung.

Allerdings: Überbewertet wollte er den Erfolg nicht wissen. „Der Gast aus Wandsbek ist uns mit seiner Experimentierfreude entgegengekommen“, umschrieb er das Auftreten des Aufsteigers in der Stormarnhalle diplomatisch. Das war in der Tat reichlich merkwürdig.

Wandsbek 72 war vor dem Spiel in Oldesloe die Mannschaft mit den zweitwenigsten Minuspunkten in der Klasse und eigentlich der einzige Rivale, den Spitzenreiter HC Empor Rostock auf dem Weg zu Meisterschaft und Aufstieg noch fürchten mußte. Aber das scherte Wolfgang Westphal, den Trainer der Hamburgerinnen, einen feuchten Kehricht.

Der Eigenbrötler von hohen Graden hat da eine ganz andere Philosophie. „Wir haben unser Saisonziel, die Qualifikation für die in Zukunft zweigleisige zweite Liga, erreicht. Alles andere interessiert mich nicht. Damit hat für uns die Vorbereitungsphase für die nächste Serie begonnen. Wichtigstes Vorhaben für die ist es, den Nachwuchsspielerinnen, die in der Saison nur wenig Spielanteile hatten, Wettkampfpraxis und Wettkampfhärte zu vermitteln“, erklärte er seine überraschende Personalpolitik für das Spiel in Oldesloe.

Die zog er mit Konsequenz durch. Auf Spielerinnen seiner Stammformation griff er nur ganz selten zurück, stattdessen vertraute er voll blutjungen Nachwuchsspielerinnen. Dem VfL kam das natürlich entgegen. Der konnte völlig befreit aufspielen.

Nur in den ersten fünf Minuten (2:2) war das Spiel ausgeglichen. Dann zog der Gastgeber schnell auf 6:2 (10.) Minute davon. Enger ist es für die Stormarnerinnen in den 60 Minuten nie geworden. Vielmehr sahen knapp 300 Zuschauer, wie der Vorsprung des VfL wuchs und wuchs.13:6 hieß es zur Halbzeit, 27:16 am Ende. Bei konsequenterer Chancenverwertung hätten es leicht auch 30 oder mehr Tore für die Oldesloerinnen werden können.

Am tüchtigsten langten mit Babette Bischof (7), Roswitha Bein (6/3) und Zsuzsa Nyari (5) hin. Jene drei Leistungsträgerinnen, die in der Woche zuvor in Berlin gänzlich leer ausgegangen waren. Auf fünf Tore wie Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari brachte es auch Ivonn Bosza, die besonders in der ersten Halbzeit prächtig auftrumpfte.

In die Torschützenliste konnten sich außerdem noch Eike Lange (3/2) und Catrin Köhnken (1) eintragen. Ivonne Grimm, Katrin Behnke und Vanessa Schack blieben ohne Torerfolg, ohne aber Hemmschuhe im Tempospiel zu sein. Im Tor boten Petra Küsel (erste Halbzeit) und Alexandra Hoffmann (zweite Halbzeit) solide und stabile Leistungen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 25.4.1994

 

Sonnabend, 30. April 1994

Nur noch eine Pflichtaufgabe

(mth). Ein Fünftel der Saison (vier Spiele) steht noch aus. Aber die Luft ist raus in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen. Die Entscheidungen sind praktisch alle gefallen. Allenfalls um den achten Platz, dem letzten, der zur Qualifikation der in Zukunft zweigleisigen zweiten Liga reicht, gibt es noch ein paar kleine Unsicherheiten.

In die ist der VfL Oldesloe aber ebensowenig involviert, wie in den Kampf um den Meistertitel. Es sei denn, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Soll heißen, Tabellenführer HC Empor Rostock gibt plötzlich gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte Punkte ab.

Im Ernst ist damit nicht zu rechnen und so ist das Spiel des VfL heute um 17.30 Uhr bei Schlußlicht Blau-Weiß Frankfurt nicht mehr als eine Pflichtaufgabe. Dennoch will Trainer Jens-Richard Paulsen mit seinem Team die Zügel nicht schleifen lassen.

„Wir wollen die Saison anständig beenden. Vielleicht gelingt es uns an der Oder ja, unser Tempospiel ähnlich gut durchzubringen, wie zuletzt gegen Wandsbek 72“, setzt er Vertrauen in seine Spielerinnen. Sorge bereitet ihm allenfalls die lange, strapaziöse Anreise.

Aber auch die sollte einem Sieg nicht entgegenstehen. Schließlich warten anschließend noch zwei attraktive Heimspiele (gegen Holstein Kiel und Empor Rostock) auf das Team und für die will man sich nicht mit einer Blamage im Vorfeld die treuen Fans verprellen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 30.4.1994

 

Sonnabend, 30. April 1994

Blau-Weiß Frankfurt/O. – VfL Oldesloe 14:25 (5:14)

Rennen ist wieder offen

VfL-Damen siegten

Rostock verlor / Endspiel in Oldesloe?

(mth). Nach außen gab Jens-Richard Paulsen, Trainer der Zweitliga-Handballerinnen des VfL Oldesloe, die bescheidene Parole „Wir wollen die Saison mit Anstand beenden“ aus. Aber „insgeheim habe ich noch immer an unsere Chance für den Meistertitel geglaubt.“ Drei Spieltage vor Schluß der Saison ist sie plötzlich wieder da. Während der VfL bei Schlußlicht Blau-Weiß Frankfurt/Oder mit 25:14 den erwarteten Sieg landete, strauchelte Spitzenreiter HC Empor Rostock sensationell bei Holstein Kiel mit 21:26.

Der Vorsprung des Tabellenführers ist damit auf einen (Minus-)Punkt zusammengeschrumpft. Und Rostock muß am 14. Mai noch in Oldesloe antreten. Das Spiel in der Stormarnhalle könnte dann fast Endspielcharakter haben. Vorausgesetzt, der VfL gewinnt vorher (7. Mai) gegen Holstein Kiel.

Am besten mit möglichst deutlicher Tordifferenz. Denn auch der TSV Nord Harrislee (23:19 bei TuS Alstertal) bleibt im Rennen. Der ist weiterhin punktgleich mit den Oldesloerinnen. Seine ehedem um Längen bessere Tordifferenz aber ist durch den zweiten Elf-Tore Sieg des VfL in Folge nun nur noch geringfügig (63:58) besser.

Das hätten Zsuzsa Nyari (7 Tore) und Co. in Frankfurt schon umdrehen können, hätten sie nach dem Seitenwechsel ähnlich überlegen wie vor der Pause, als sie 14:5 führten, agiert. Aber da forderte auch die strapaziöse 5 ½-Stunden-Anreise ihren Tribut. Ansonsten konnte das Team mit Tempohandball nahtlos an die gute Leistung vom Wandsbek-Spiel anknüpfen. Als Torschützen taten sich noch Ivonn Bosza (6), Ivonne Grimm (4) und Eike Lange (4/4) hervor.

STORMARNER TAGEBLATT vom 3.5.1994

 

Mittwoch, 4. Mai 1994

Marion Werner wieder dabei

(mth). Die Zweitliga-Damen der Handballabteilung des VfL Oldesloe gehen personell gestärkt in den Saisonendspurt, für den sich ja unverhofft wieder Titel- und Aufstiegschancen für das Team aufgetan haben. Junioren-Nationalspielerin Marion Werner kehrt ab sofort zu der Mannschaft zurück.

Der Konflikt zwischen ihr, der Abteilungsleitung und der Oldesloer Sport-Marketing (OSM) ist gütlich beigelegt worden. Die Spielerin nimmt ihre über einen Anwalt eingeleiteten Schritte gegen ihre Abmahnung und später erfolgte Suspendierung aus der Bundesliga-Mannschaft zurück. Im Gegenzug wird und die Suspendierung mit sofortiger Wirkung aufgehoben und die Abmahnung zurückgezogen.

„Aber wir erwarten von ihr in Zukunft leistungssportgerechtes Verhalten insbesondere unmittelbar vor und nach den Spielen“, macht OSM-Sprecher Thomas Gloth die Grenzen seiner Kompromißbereitschaft deutlich.

STORMARNER TAGEBLATT vom 4.5.1994

 

Freitag, 6. Mai 1994

Siegen und auf Torjagd gehen

Sonnabend 19.30 Uhr Stormarnhalle: VfL-Damen wollen ihre Chance nutzen

(mth). Drei Spieltage vor Schluß der Saison ist es in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Handball-Damen unverhofft wieder spannend geworden. Durch die Niederlage des HC Empor Rostock bei Holstein Kiel haben plötzlich der TSV Nord Harrislee und der VfL Oldesloe wieder Chancen auf den Gewinn des Meistertitels. Die Oldesloerinnen können es sogar noch aus eigener Kraft schaffen, denn sie erwarten den Spitzenreiter noch in der Stormarnhalle (am 14. Mai).

Damit das Schlagerspiel auch zu Schlüsselspiel werden kann, muß der VfL aber vorher an gleicher Stelle morgen um 19.30 Uhr erst gegen den Landesrivalen aus Kiel gewinnen. Möglichst deutlich sogar, denn gegenüber den zur Zeit punktgleichen Harrisleerinnen müssen Zsuzsa Nyari und Co. Noch fünf Treffer in der Tordifferenz wettmachen.

Deshalb gilt die ganze Konzentration zunächst dem Landesderby. Wie schwer die Aufgabe werden wird, macht das Überraschungsresultat vom letzten Wochenende überdeutlich.

Dazu wollen sich die Kielerinnen, die trotz des Erfolges über Rostock nur noch eine Minimalchance haben, sich für die in der nächsten Saison zweiteilige zweite Liga zu qualifizieren, revanchieren für die glatte 12:20-Hinspielniederlage.

Dem VfL wäre die Wiederholung des Resultates wohl recht, er ist personell dafür auch gut gerüstet, denn auch Marion Werner geht nach Aufhebung ihrer Suspendierung wieder auf Torjagd.

STORMARNER TAGEBLATT vom 6.5.1994

 

Sonnabend, 7. Mai 1994

VfL Oldesloe – Holstein Kiel 28:19 ?????

28:19-Sieg: VfL bleibt auf Kurs

Im Landesderby gegen Holstein Kiel gelang der dritte klare Sieg in Folge

(mth). Der Saisonendspurt in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen verspricht spannend wie ein guter Krimi zu werden. Vor den beiden letzten Spieltagen können sich noch drei Mannschaften gute Chancen auf den Gewinn des Meistertitels ausrechnen. Dazu darf sich nach dem 28:19-Erfolg im Landesderby gegen den KSV Holstein Kiel auch der VfL Oldesloe rechnen. Er hat es am kommenden Wochenende (Sonnabend 19.30 Uhr) in der Hand, Spitzenreiter HC Empor Rostock vom Thron zu stoßen.

Mit im Rennen ist aber auch noch der TSV Nord Harrislee (18:11 gegen die Reinickendorfer Füchse), dessen Vorsprung in der Tordifferenz gegenüber dem punktgleichen VfL mittlerweile auf drei Treffer geschmolzen ist. Auch das Team aus dem Norden Schleswig-Holsteins hat am Sonnabend ein Schlüsselspiel beim MTV Wandsbek 72 (Tabellenfünfter) zu bestreiten.

Die Ausgangslage für die drei Titelanwärter ist klar: Der

VfL und Harrislee müssen, wollen sie den ersten Rang erreichen, jeweils beide noch ausstehenden Spiele gewinnen. Schaffen es beide, hätte bei Punktgleichheit mutmaßlich der TSV die besseren Karten, denn er hat am letzten Spieltag mit dem Heimspiel gegen Schlußlicht Frankfurt/Oder gegenüber dem VfL (muß zu TS Woltmershausen) die wesentlich leichtere Aufgabe zu lösen.

Für beide werden alle Hochrechnungen hinfällig, holt Rostock in der Stormarnhalle einen Punkt oder gewinnt dort sogar. In eigener Halle gegen Absteiger TuS Alstertal würde sich der HC Empor dann gewiß nicht mehr die Butter vom Brot nehmen lassen.

Aber natürlich spielen auch die Nerven im Saisonendspurt eine Rolle. Und die sind beim VfL jetzt offensichtlich wieder intakt. Der dritte haushohe Sieg in Folge gegen den Landesrivalen aus Kiel war schließlich keine Selbstverständlichkeit. Immerhin kam der KSV Holstein mit der Empfehlung eines 26:22-Sieges über Rostock in die Stormarnhalle. Um eine Chance auf die weitere Zugehörigkeit in der zweiten Liga zu behalten, wollten die Kielerinnen auch in Stormarn unbedingt punkten.

Der Zahn aber wurde ihnen von Zsuzsa Nyari und Co. schnell gezogen. Als Schlüssel zum Erfolg erwies sich dabei die Maßnahme, die Kieler Spielmacherin und Haupttorschützin in Personalunion, Beeke Gödecke, in kurze Deckung zu nehmen. „Das hat uns das Genick gebrochen, weil keine andere Spielerin bereit war, dafür mehr Verantwortung zu übernehmen“, legte Gäste-Trainer Dirk Schlegel den Finger in die Wunde.

Sein Gegenüber Jens-Richard Paulsen dagegen strahlte: „Mein Team hat nahtlos an die beiden letzten Leistungen anknüpfen können. Wir können Rostock jetzt ganz locker und gelassen erwarten.“

Sorgen mußte er sich eigentlich nur zwischen der 17. und 25. Minute machen, als seine Mannschaft nach einer 10:4-Führung Kiel auf 10:8 herankommen ließ. Ansonsten spielte der VfL überlegen und überzeugend. Allen voran Mannschaftsführerin Zsuzsa Nyari. Sie sprühte vor Spielwitz und war mit neun Toren auch beste Werferin ihres Teams.

Ihr am nächsten kam Babette Bischof, die für ihre sieben Treffer nur acht Versuche benötigte. Beide profitierten von der souveränen Regie von Roswitha Bein (4 Tore) und den Lücken, die Kreisläuferin Eike Lange (4/4) in die Holstein-Deckung riß. Auch Ivonne Grimm (3) und die nach Aufhebung ihrer Suspendierung in der 43. Minute eingewechselte Marion Werner (1) sind für den Endspurt feste Größen, auf die der VfL ebenso bauen kann wie auf seine beiden Torhüterinnen Petra Küsel und Alexandra Hoffmann, die jeweils eine Halbzeit lang glänzten.

Ivonn Bosza und Katrin Behnke dagegen waren nicht so wirkungsvoll wie in den letzten Spielen. Mit knapp 300 Zuschauern waren auch die Ränge nicht so gefüllt, wie man es hätte erwarten können.

STORMARNER TAGEBLATT vom 9.5.1994

 

Donnerstag, 12. Mai 1994

Weichen sind gestellt

Rostock-Spiel beginnt um 19.30 Uhr

(mth). Rechtzeitig vor dem Schlagerspiel der zweiten Bundesliga Gruppe Nord gegen Spitzenreiter HC Empor Rostock, das am Sonnabend zur üblichen Zeit um 19.30 Uhr und nicht, wie auf Plakaten irrtümlich angezeigt, bereits um 17 Uhr in der Stormarnhalle angepfiffen wird, sind bei den Handball-Damen des VfL Oldesloe die Weichen für die kommende Saison, egal ob in der ersten oder weiter in der zweiten Liga, gestellt.

Von Auflösungserscheinungen, die nach dem Rücktritt von Claus Schilk als Trainer dem Team prophezeit wurden, kann keine Rede sein. Definitiv verlassen wird den VfL nur Babette Bischof (zu HT 16).

Fraglich ist noch der Verbleib von Torhüterin Petra Küsel, die noch keinen Vertrag für die neue Saison unterschrieben hat.

Alle anderen Spielerinnen des aktuellen Kaders bleiben in Oldesloe. Als Neuzugänge stehen Birthe Wede vom TSV Ellerbek, Lisa Lüken (SC Buntekuh), Nicole Goldbaum (RTC Eutin) und Maren Königsberg (VfL Bad Schwartau), alles talentierte Nachwuchs-Spielerinnen, fest.

Sollte der Aufstieg in die erste Liga doch noch gelingen, „werden wir uns noch um zwei weitere hochkarätige Neuverpflichtungen bemühen“, so Thomas Gloth von der Oldesloer Sport-Marketing (OSM).

Er hat auch Kontakte zu Otto Sternberg (Co-Trainer der Nationalmannschaft) geknüpft, der nach Oldesloe wechseln wird, sollte sich aus beruflichen Gründen sein weiteres Engagement beim DHB zerschlagen.

Jens-Richard Paulsen steht als Cheftrainer nicht weiter zur Verfügung. Er wird aller Voraussicht nach beim VfL aber weiter als Co-Trainer arbeiten.

STORMARNER TAGEBLATT vom 12.5.1994

 

Sonnabend, 14. Mai 1994

VfL Oldesloe kämpft um letzte Chance

Gelingt eine Revanche gegen Meisterschaftsanwärter HC Empor Rostock?

(cr). Alles schon einmal dagewesen: Im vergangenen Jahr machten die Handhallerinnen der TSG Wismar in der Oldesloer Stormarnhalle die Meisterschaft der zweiten Bundesliga und damit den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse perfekt. Heute, rund zwölf Monate später, könnte an gleicher Stelle der HC Empor Rostock die Meisterschaft entscheiden. Um 19.30 Uhr tritt der Spitzenreiter gegen den VfL Oldesloe an. Nur werden es die Gäste diesmal nicht so leicht haben wie es die TSG in der letzten Serie hatte. Damals hatten die Oldesloerinnen die Saison abgehakt, heute geht es für sie noch einmal um alles. Denn das Team von Trainer Jens-Richard Paulsen liegt gemeinsam mit dem punktgleichen TSV Nord Harrislee (beide 27:9) nur einem Zähler hinter Rostock (28:8) und hätte damit theoretisch noch die Chance, zwei Spieltage vor Saisonende den Sprung auf Platz eins zu schaffen.

Was sich in der Theorie leicht anhört, wird in der Praxis allerdings schwer umzusetzen sein. Denn selbst wenn die VfL-Damen heute gewinnen würden, Platz eins wäre erst sicher, wenn Nord Harrislee zeitgleich einen Punkt beim Wandsbeker MTV abgibt.

Das allerdings ist laut VfL Manager Claus Schilk ziemlich unwahrscheinlich. Der Ex-Trainer rechnet jedenfalls mit dem Schlimmsten. „Wenn wir Rostock schlagen, aber Harrislee in Wandsbek gewinnt, hätten wir am letzten Spieltag bei der TS Woltmershausen wohl die schlechteren Karten im Kampf um den Titel.“ Entschieden ist noch nichts, möglich noch alles. Denn erst in den entscheidenden Spielen zeigt sich, welche Mannschaft wirklich reif für den Titel ist. Und da dürfen sich die Oldesloerinnen – nach dem deutlichen 28:19 über Rostock-Bezwinger Holstein Kiel – einiges ausrechnen.

STORMARNER TAGEBLATT vom 14.5.1994

 

Sonnabend, 14. Mai 1994

VfL Oldesloe – HC Empor Rostock 20:19 (9:10)

500 Fans feierten die VfL-Damen

Großartiger 20:19-Sieg über Rostock

Dennoch: Titelgewinn eher unwahrscheinlich

(cr). Die 500 Zuschauer in der Oldesloer Stormarnhalle tobten, feierten ausgelassen „ihre“ Handballerinnen. Und auch die Spielerinnen des VfL jubelten nach dem knappen 20:19-Erfolg über Spitzenreiter HC Empor Rostock, als hätten sie Meisterschaft und Aufstieg in die erste Bundesliga schon in der Tasche. Doch trotz der tollen Leistung der Oldesloerinnen – diese Freude wäre verfrüht. Meisterschafts-Konkurrent TSV Nord Harrislee gewann gegen Wandsbek 72 ebenfalls, liegt nun punktgleich mit dem VfL Oldesloe vorn, hat aber die bessere Tordifferenz und zum Saisonabschluß das vermeintlich leichtere Spiel.

„Ein spannenderes Handballspiel kann man sich eigentlich nicht wünschen“, war Jens-Richard Paulsen, Trainer des VfL Oldesloe begeistert. „Nach all den Querelen hat die Sportlichkeit gesiegt und die Mannschaft hat ihrem Publikum eine tollen Saisonabschluß geboten.“ Die Zuschauer wußten das zu schätzten, unterstützten den VfL in der Partie gegen den Tabellenführer HC Empor Rostock wie nie zuvor in der Saison.

Das schien von Beginn an nötig zu sein, denn nur mit Mühe schienen die Gastgeber mit den hochmotivierten Rostockerinnen Schritt halten zu können. Für die ging es – ebenso wie für die Oldesloerinnen – um viel: Mit einem Sieg wäre ihnen der Aufstieg kaum noch zu nehmen gewesen, bei einer Niederlage hätten die Gastgeberinnen noch einmal die Nase vorn.

Dennoch schafften es die VfL-Damen, die Anfangsphase ausgeglichen zu gestalten, trafen in der 18. Minute zum 4:4. Doch die Nervosität blieb, sorgte dafür, das Eike Lange einen wichtigen Siebenmeter verwarf. Die Folge: Die Mecklenburgerinnen zogen auf 8:6 davon. Doch die Gastgeber ließen sich nicht beirren. Mit zwei Treffern in Folge schaffte Marion Werner kurz vor dem Pausenpfiff den 9:9-Ausgleich, bevor Torfrau Petra Küsel Sekunden vor dem Seitenwechsel noch das 9:10 kassierte.

In der zweiten Hälfte schien der Erfolg eindeutig auf Seiten der Rostockerinnen. Mit 13:9 und 14:10 gingen sie in Führung, sahen wie die sicheren Sieger aus. Aber die Oldesloerinnen kämpften und wurden vom Publikum aufgepeitscht. Vor allem Stammkeeperin Petra Küsel war nicht zu bremsen: Die überragende Torfrau zeigte Erstliga-Niveau, hielt unzählige gefährliche Würfe.

Das Blatt hatte sich endgültig gewendet, als in der 46. Minute Marion Werner zum 13:14 traf, bevor Babette Bischof mit einem Siebenmeter ausglich. Eine Minute später die Glanztat von Keeperin Alexandra Hoffmann, die mit einem Reflex einen Siebenmeter parierte und damit die erneute Führung der Gäste verhinderte. Stattdessen trafen die Oldesloerinnen, zogen bis auf 20:17 davon.

Obwohl die Gäste noch einmal aufkamen und in den Schlußsekunden zwei Tore warfen: Für sie reichte es nicht mehr. Mit 19:20 verloren sie die Partie, waren tief enttäuscht. „Es fehlte uns an Cleverneß. Aber wir haben die Meisterschaft schon früher verspielt“, sagte Ute Lemm, Trainerin des HC Empor Rostock.

„Es war ein glücklicher Sieg“, gab der Oldesloer Coach zu. Obwohl Paulsen nach dem Sieg von Nord Harrislee nicht mehr mit dem Aufstieg rechnet, war er von seiner Mannschaft begeistert. Für ihre Ausgeglichenheit sprach auch die Torverteilung: Mit jeweils vier Treffern waren Roswitha Bein und Eike Lange erfolgreichste Werferinnen gefolgt von Babette Bischof, Zsuzsa Nyari und Marion Werner mit je drei Toren. Zweimal erfolgreich war Ivonne Grimm und einmal Ivonn Bosza.

STORMARNER TAGEBLATT vom 16.5.1994

 

Sonnabend, 21. Mai 1994

Vizemeisterschaft ist das Ziel

Oldesloer Handball-Damen heute im letzten Saisonspiel bei TS Woltmershausen

(mth). Der Blick auf die aktuelle Tabelle der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen verspricht eigentlich ein Herzschlag-Finale. Punktgleich liegen der TSV Nord Harrislee und der VfL Oldesloe vor dem letzten Spieltag an der Tabellenspitze, getrennt nur um sechs Tore, die das Harrislee-Team in der Tordifferenz vor dem VfL liegt. Keine unüberbrückbare Distanz sollte man meinen. Aber bei den Stormarnerinnen - verschwendet man keinen Gedanken mehr auf den Gewinn des Meistertitels, wiewohl der ja zu Saisonbeginn

das erklärte Ziel war. Vielmehr will man versuchen, mit einem Sieg heute um 17 Uhr bei TS Woltmershausen/Bremen, den zweiten Platz und damit den Vizemeistertitel unter Dach und Fach zu bringen.

Den Rivalen von der dänischen Grenze, dessen sind sich die VfLer sicher, wird man auch im Falle eines Erfolges nicht mehr stellen können. Der tritt zur gleichen Zeit gegen Schlußlicht Blau-Weiß Frankfurt/Oder an und wird sich einen Sieg nach Maß – über den Spielstand wird man an beiden Spielorten durch Telefonverbindungen stets informiert sein – nicht streitig machen lassen.

Aber beim VfL Oldesloe hat man sich inzwischen mit dem Verlust des Meistertitels abgefunden. „Wir werden uns noch einmal voll reinhängen. Der zweite Platz wäre für uns nach all den Rückschlägen in der Saison ein großer Erfolg“, will VfL-Trainer Jens-Richard Paulsen von Resignation nichts wissen.

Für ihn wird es heute definitiv das letzte Punktspiel als Cheftrainer der VfL-Damen sein. Er steht für eine weitere Tätigkeit auf dieser Position, die er nicht angestrebt und nur in einer Notsituation übernommen hatte, nicht mehr zur Verfügung. Denkbar ist allerdings, daß Paulsen künftig wieder als Co-Trainer unter einem namhaften Coach beim VfL arbeitet.

Ob die Partie heute aber auch schon das letzte Pflichtspiel für die Oldesloerinnen in dieser Saison ist, ist noch offen. Möglicherweise birgt auch der Vizemeistertitel, so er denn tatsächlich geschafft wird, noch die Chance für den Aufstieg in die Bundesliga. Sollte noch ein Club aus dem Oberhaus sich zurückziehen – mit dem Gedanken spielen dem Vernehmen nach mehrere Vereine – wird zwischen den Zweiten der drei zweiten Ligen noch eine Relegation angesetzt. Auch deshalb könnte die Partie heute noch mächtig spannend und brisant werden.

STORMARNER TAGEBLATT vom 21.5.1994

 

Sonnabend, 21. Mai 1994

TS Woltmershausen – VfL Oldesloe 23:33 (10:15)

33:23. Alles getan, aber es hat nicht gereicht

Oldesloer Handball-Damen kämpften wie noch nie, doch TSV Nord Harrislee war nicht einzuholen

(mth). Eine realistische Chance hatten Fachleute den Handball-Damen des VfL Oldesloe vor dem letzten Spieltag der zweiten Bundesliga nicht mehr gegeben. Sechs Tore hatte der punktgleiche TSV Nord Harrislee Vorsprung vor den Stormarnerinnen gehabt und das wesentlich leichtere Abschlußspiel dazu.

Während der VfL den heimstarken Aufsteiger TS Woltmershausen aufsuchen mußte, hatte der Konkurrent mit Absteiger Frankfurt/Oder daheim einen Gegner, den er würde nach Belieben schlagen können. Letztlich ist es dann auch so gekommen, wie die Experten es vorausgesagt hatten. Aber die Oldesloerinnen haben sich wahrlich teuer verkauft und alles versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Am Ende der 60 Minuten hatte der VfL mit 33:23 so hoch wie noch selten zuvor auswärts gewonnen.

Aber auch das war zu kurz gesprungen. Harrislee siegte zur gleichen Zeit 29:14. Zsuzsa Nyari und Co. hatten in der Sporthalle im Bremer Stadtteil Huchting keinen Spaziergang zu bestreiten. Der Aufsteiger hielt voll dagegen und machte dem VfL das Leben schwer. Aber der kämpfte mit aller Bravour.

„So habe ich eine Oldesloe Damenmannschaft noch nie kämpfen sehen“, meinte anerkennend Manager Claus Schilk. Das ist sicher ein schwerwiegendes Lob, hatte er doch im Februar sein Amt als Trainer des VfL mit der Begründung zur Verfügung gestellt, „die Einstellung eines Großteils der Mannschaft zum Leistungssport stimmt nicht.“

Nach 20 Minuten stand das Spiel noch auf des Messers Schneide. Mit 7:6 führte der VfL nur hauchdünn. Eine taktische Umstellung auf eine variable 4:2-Deckung – die überragenden Akteurinnen Marion Werner (8 Tore) und Zsuzsa Nyari (5) spielten vorgezogen – brachte den Durchbruch. 15:10 hieß es schon zur Pause. Der Vorsprung hatte bis zur 45. Minute bestand, dann zog der VfL noch auf 33:23 davon.

Auf acht Tore (davon sechs Siebenmeter) kam auch Roswitha Bein. Sie hat einen neuen Vertrag beim VfL noch nicht unterschrieben. Aber mündlich zugesagt. Dagegen werden Babette Bischof (7 Tore in ihrem letzten VfL-Spiel), Eike Lange (1) und Torhüterin Petra Küsel den VfL definitiv verlassen. Vier Tore steuerte Ivonn Bosza zum Sieg bei.

Der löste nicht nur deshalb reichlich Tränen aus, weil zum zweiten Mal (wie 1992) der Aufstieg in die Erstklassigkeit nur um Haaresbreite verpaßt wurde. Die flossen auch reichlich, weil das Team, aus dem nun ein paar Leistungsträgerinnen ausscheiden, in den letzten Wochen sich aus einer Ansammlung von Einzelspielerinnen unter erschwerten Rahmenbedingungen noch zu einer echten Mannschaft zusammengefunden hatte. Da fällt die Trennung doppelt schwer, auch deshalb, weil das gesteckte Ziel am Ende dann doch nicht erreicht werden konnte.

STORMARNER TAGEBLATT vom 24.5.1994

 

Freitag, 10. Juni 1994

Vom Weltmeister-Team 1993 zum VfL

Otto Sternberg wird Trainer in Oldesloe

Nach der EM ist Schluß beim DHB

Wolfgang Pustal – Insider wußten es natürlich schon lange vorher und auch in Bad Oldesloe pfiffen es zuletzt die Spatzen von den Dächern: Otto Sternberg wird neuer Trainer der Handball-Frauen des VfL. Anstatt, wie von vielen erwartet oder zumindest vermutet, die Nachfolge des scheidenden Bundestrainers der Frauen-Nationalmannschaft, Lothar Doering, anzustreben, hat sich Otto Sternberg für die zweite Liga entschieden. Immerhin ist er kein Geringerer als der Co-Trainer des Weltmeister-Teams von 1993. Aber bevor er sich voll und ganz mit der Oldesloer Frauen-Mannschaft in die neue Saison stürzen kann, muß er erst noch eine Aufgabe mit dem DHB-Team erledigen: Die Europameisterschaft vom 17. bis 25. September im eigenen Land.

„Mich hatte es schon lange wieder gereizt, eine Vereinsmannschaft zu übernehmen. Aber zusammen mit meinem Beruf als Lehrer, der Arbeit beim DHB und meiner Familie war es einfach nicht möglich. Deswegen habe ich damals auch beim TuS Alstertal aufgehört“, sah Otto Sternberg bis dato keine Möglichkeit dazu. Erst durch den Entschluß seines Trainerkollegen Doering, nach der Frauen-EM im September als Bundestrainer aufzuhören und den SC Magdeburg zu trainieren, sah sich der Pädagoge einer neuen Situation gegenüber.

„Die Nachfolge von Lothar Doering anzutreten, war für mich nie ein Thema. Zum einen wäre eine längere Beurlaubung vom Schuldienst mit einigen Nachteilen verbunden gewesen. Und zum anderen hat ein Co-Trainer ein gänzlich anderes Verhältnis zur Mannschaft als der Trainer. Das kann man nicht einfach so wechseln“, hat sich für Otto Sternberg die Frage – Bundestrainer, ja oder nein – so nie gestellt.

Bereits seit 14 Jahren ist der Lehrer für Sport, Mathematik und Chemie für den Deutschen Handballbund tätig. Er begann seine Trainerlaufbahn als Co-Trainer der weiblichen Jugend-B-Auswahl unter Ulli Weiher und hat seitdem im weiblichen Bereich des DHB sämtliche Altersklassen trainiert. Nebenher wurde er Vereinstrainer beim TuS Alstertal und errang mit deren weiblichen Jugend-A 1986 die Deutsche Meisterschaft.

Fünf Jahre war er Trainer in Alstertal und stieg in dieser Zeit dreimal auf und zweimal ab. Nur einmal traf er dabei auf den VfL Oldesloe. In einem furiosen Endspurt fing der TuS Alstertal damals den VfL noch ab und stieg 1988 zum ersten mal in die erste Liga auf.

Ein Jahr später erreichte er mit der deutschen Mannschaft bei der Juniorinnen-WM in Nigeria Platz elf und schaffte 1991 in Frankreich den sechsten Platz.

Höhepunkt seiner bisherigen Trainerkarriere ist aber zweifelsohne der Gewinn der Weltmeisterschaft mit der Frauen-Mannschaft des DHB im November letzten Jahres in Norwegen. „Das war natürlich sportlich das Größte“, erinnert sich der Co-Trainer gerne an das dramatische Finale gegen die Däninnen zurück.

Und nun ist er Trainer beim VfL Oldesloe. Natürlich gehen damit auch die Erwartungen hoch, aber damit hat Otto Sternberg keine Probleme. „Ich arbeite immer langfristig und will versuchen, die junge und neuformierte Mannschaft an die Spitze der zweiten Liga heranzuführen“, liegen ihm voreilige Prognosen fern. Denn daß Sternberg ein Mann der langfristigen und sorgfältigen Arbeit ist, zeigt ein kurzer Blick in seine Trainerbiographie.

„Seine fünf Jahre in Alstertal bedeuteten Solidität, Bodenständigkeit und die Förderung von jungen Talenten bis in die Leistungsspitze des Frauen-Handball“, so Thomas Gloth nicht ohne Stolz über seinen gelungenen Coup.

Auch die Entfernung von 80 Kilometer zu seinem Wohnort Hollenstedt scheinen für den 42-jährigen Vater zweier Kinder unproblematisch. „Das ist normal. Man kann als Trainer nicht immer vor der Haustür arbeiten“, ist er ganz andere Entfernungen gewohnt.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.6.1994

 

Freitag, 10. Juni 1994

Mehr Gewicht auf Nachwuchsarbeit

Bei den VfL-Handball-Damen sind die Weichen für die neue Saison gestellt

(pu). Am Dienstagabend in der Heinrich-Vogler-Halle war es amtlich, er ist da, der neue Trainer der Zweitliga-Handballerinnen des VfL Oldesloe. Thomas Gloth und Claus Schilk komplettierten ihr Triumvirat durch die Verpflichtung von Otto Sternberg, vormals Co-Trainer unter Handball-Bundestrainer Lothar Doering.

„Ich freue mich, unter die unsäglichen Dinge der Vergangenheit endlich einen Schlußstrich ziehen zu können. Ich denke, daß Otto Sternberg in Deutschland mit das Beste ist, was wir verpflichten konnten“, stellte Thomas Gloth der Mannschaft den Mann vor, der die sportlichen Geschicke der VfL-Damen in den nächsten Jahren leiten wird. Denn, daß Otto Sternberg ein Mann des langfristigen Denkens ist, macht ein kurzer Blick auf seinen bisherigen sportlichen Werdegang schnell deutlich.

Aber der neue Trainer ist nur ein Garant für den sportlichen Neuaufbau beim VfL Oldesloe. Ein zweiter Schritt soll die Verjüngung der Mannschaft durch talentierte Nachwuchsspielerinnen sein. Mit Maren Königsberg (19), Birthe Wede (23) und Lisa Lüken (18) konnten bereits drei junge Spielerinnen gewonnen werden, die durchaus die Lücken in der Mannschaft, die durch die Abgänge entstanden sind, schließen können.

Birthe Wede kommt vom TSV Ellerbek, wo die hochaufgeschossene Rückraumspielerin mit 165 Treffern zur Torschützenkönigin der Regionalliga avancierte. Sie soll Babette Bischof ersetzen, die zum HT 16 nach Hamburg wechselte.

Maren Königsberg kommt aus der A-Jugend des VfL Bad Schwartau. Die Kreisläuferin hat aber bereits Regionalliga-Erfahrung in der „Ersten“ gesammelt und soll die Lücke schließen, die der Weggang von Eike Lange zum Buxtehuder SV gerissen hat. Lisa Lüken vom SC Buntekuh Lübeck gilt als großes Talent und vielseitige Allrounderin im Rückraum.

STORMARNER TAGEBLATT vom 10.6.1994

 

Mittwoch, 22. Juni 1994

Birthe Wede sucht ihre Chance beim VfL Oldesloe

„Ich wollte gern Zweite Bundesliga spielen, bevor ich uralt bin“

Wolfgang Pustal – Ehrgeizig und sportlich ist sie und auch das nötige Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen besitzt sie – Birthe Wede. Das hat die 23jährige Handballerin in der letzten Saison beim Regionalligisten TSV Ellerbek schon deutlich unter Beweis gestellt.

Mit 165 Toren war die Rückraumspielerin nur um ein Tor schlechter als die Torschützenkönigin der Regionalliga, Kathrin Müller vom Buxtehuder SV Il. Nun will sie beim VfL für die Tore sorgen.

„Ich wollte gern noch einmal zweite Bundesliga spielen, bevor ich uralt bin. Nach den vergeblichen Anläufen mit HT 16 und dem TSV Ellerbek habe ich mich daher zum Wechsel entschlossen, obwohl ich seit meiner Jugend in Ellerbek gespielt habe und mich dort sehr wohl fühlte“, begründet Birthe Wede ihren Wechsel einzig und allein mit ihren sportlichen Ambitionen.

Bereits dreimal stand sie vor dem Sprung in die zweite Liga. In ihrem Jahr bei der Hamburger Turnerschaft von 1816 scheiterte sie knapp an ihrem jetzigen Verein, dem VfL Oldesloe. Zurück beim TSV Ellerbek, kam 1993 in der Aufstiegsrunde beim VfL Oldenburg II das „Aus“. Und in diesem Jahr reichte es beim TSV nur zum dritten Platz. Deshalb nahm Birthe, ehrgeizig wie sie ist, ihr Schicksal selbst in die Hand und probiert es nun beim VfL.

„Beim ersten Probetraining war ich noch nervös, aber das hat sich schnell gegeben. Rossi kenne ich ja auch noch aus meiner Zeit bei HT 16“, fühlt sich die Neue in der Mannschaft schon pudelwohl.

„Ich möchte erst einmal in der zweiten Liga Fuß fassen. Alles andere wird sich geben“, hat sich Birthe Wede zwar einiges vorgenommen, setzt sich dabei aber nicht selbst unter Druck. Neben dem Handball bleibt der Kieler Studentin des Lehramtes (Mathematik, Deutsch und Sport) aufgrund der weiten Anfahrt oft nur wenig Zeit für andere Hobbies. So spielt sie gerne Squash oder geht eine Runde Schwimmen. Mit den Handball-Damen der Kieler Uni erreichte sie ihren bislang größten Erfolg: Den dritten Platz bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften. Bleibt also noch genügend Raum für Steigerungsmöglichkeiten mit den Damen des VfL.

STORMARNER TAGEBLATT vom 22.6.1994

 

 

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