Berichte der Saison 1991-92 2. Bundeskliga Nord
Frauen-Handball im VfL Oldesloe
Spielzeit 1992/93 – Zweite Bundesliga
Freitag, 3. Juli 1992
Noch ist einiges in der Schwebe
Einige Veränderungen bei den VfL-Handball-Damen zu erwarten
(mth). Die Saison war lange, anstrengend, unglaublich erfolgreich und am Schluß, wegen des fehlenden Happy-Ends, auch ein ganz klein wenig enttäuschend gewesen. Die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe, von ihr ist hier die Rede, befindet sich noch mitten in der Sommerpause.
Nach dem letzten Aufstiegsrundenspiel am 16. Mai war sie
ja nur noch zweimal aufgetreten (drei Tage später zum Vereinsjubiläum beim SV Großhansdorf und mit kleiner Besatzung im Juni bei einem Kleinfeldturnier der GHG Hahnheide). Und die (wohlverdiente) Pause wird noch bis zum 3. August andauern.
Was aber nicht heißen soll, daß seither und bis dahin sich nichts getan hat (tut) beim Aushängeschild des Stormarner Sports im Verlauf der letzten Jahre. Die Spielerinnen haben individuelle Trainingsprogramme mit in den Urlaub bekommen, um nicht ganz einzurosten in der von offiziellem Training freien Zeit. Schließlich soll es Anfang August wieder „volle Pulle“ losgehen, denn bis zum Saisonstart am 12. September ist es dann nur noch eine kurze Zeitspanne.
Aber auch hinter den Kulissen tut sich beim VfL einiges. Die Mannschaft, so der augenblickliche Stand der Dinge, wird ihr Gesicht gegenüber der letzten Saison nicht unwesentlich ändern. Verlassen werden den VfL, das ist definitiv, Stefanie Bernecker und Nicole Röhrs.
Beide werden zum SC Rönnau (Bezirksliga) wechseln. Das zeichnete sich bei beiden schon länger ab. Sie wollen beide wieder mehr Handball spielen als auf der Bank sitzen und rechneten sich diesbezüglich beim VfL keine Chancen mehr aus.
Verlassen aber werden den VfL, nachdem sie zuvor noch Zusagen für die nächste Saison gemacht, ja sogar Verträge unterschrieben hatten, auch noch die Rückraumspielerinnen Melanie Bernecker und Britta Peterat. Letztere hat aus (traurigen) persönlichen Gründen um Auflösung ihres Vertrages gebeten. Sie wird, weil sie ihre Familie unterstützen muß und will, wieder nach Marne zurückkehren.
Ihr will Claus Schilk, der diese Entwicklung sehr bedauert, auch keine Steine in den Weg legen. Das sieht er bei Melanie Bernecker anders. Der früheren Jugend-Nationalspielerin, die um den Höhenflug des VfL in den letzten Jahren ja große Verdienste hatte (ebenso wie ihre Schwester), will er die Freigabe für einen anderen Verein in jedem Fall verweigern. Grund: Mit ihr hatte er nach ihrer Vertragsverlängerung fest gerechnet und fühlt sich nun von ihr „verschaukelt“.
Weg vom VfL möchte auch Torhüterin Annette Schümann. Sie liebäugelt mit Ligakonkurrent TH Eilbek, dessen Torhüterin Alexandra Hoffmann ja einer von drei feststehenden Neuzugängen bei den Oldesloern ist. Der VfL und Eilbek aber haben sich über Wechselformalitäten hinsichtlich Annette Schümann noch nicht geeinigt.
Deshalb setzt Claus Schilk jetzt auf Zeitgewinn. Seine erste Torhüterin Jeanine Hildebrand nämlich hat über ihre Zukunftspläne noch nichts verlauten lassen, wobei ungeregelt erscheint, wie sie Spiel und Training in Oldesloe und ein Studium in Rostock unter einen Hut bringen will. Sollte auch sie noch abtrünnig werden, hofft Schilk, Annette Schümann zum Bleiben überreden zu können.
Das aber sind nicht die einzigen Fälle, die noch in der Schwebe sind. Ungewiß ist auch der Verbleib von Ulrike Rühter, bei der die Erfüllung (oder eben nicht) privater Pläne und Wünsche die weitere Entwicklung beeinflußen. Und schließlich weiß Schilk, der wohl auch weiterhin Trainer und Manager in einer Person sein wird – Thomas Gloth, der zwischenzeitlich auch im Gespräch war, wird mutmaßlich „nur“ als Berater fungieren –, nicht, welche Pläne Birte Stooß hat. Sie, um die es in der letzten Saison ja so viel Wirbel gegeben hat, ist nun, das Schiedsgericht des DHB hat endlich entschieden, zum 1. August 1992 für den VfL spiel berechtigt.
Als feste Neuzugänge kann Schilk bislang neben Alexandra Hoffmann noch Ivonn Bosza, eine 17jährige Nachwuchsspielerin vom Deutschen Meister TuS Walle Bremen, und Eike Lange (Blau-Weiß Frankfurt/Oder) verbuchen. Abzüglich aller Abgänge und Zweifelsfälle ist der Kader, zu dem weiter Zsuzsa Nyari, Roswitha Bein, Andrea Hasenberg, Babette Bischof und Marion Werner zählen, zur Zeit noch reichlich klein.
Den VfL-Coach aber ficht das nicht an. „Ich bin noch mit sechs/sieben weiteren Spielerinnen im Gespräch und glaube ganz sicher, für die kommende Saison wieder eine schlagfertige Truppe auf die Beine zu bekommen“, macht er in Zuversicht.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.7.1992
Freitag, 3. Juli 1992
Heimspieltermine der VfL-Damen für die Bundesliga-Saison 1992/93
(mth). Wie die Damen-Bundesliga-Mannschaft der Handballabteilung des VfL Oldesloe in der kommenden Serie endgültig aussehen wird, ist noch weitgehend ungewiß. Fest aber stehen schon jetzt die Termine für die Heimspiele des VfL in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord, die allesamt in der Stormarnhalle stattfinden werden, die ja zur Zeit bundesligatauglich gemacht wird.
Erster Gegner ist am 12. September Erstliga-Absteiger TSV Nord Harrislee. Mit dem haben die Stormarnerinnen noch eine Rechnung offen, denn gegen den Gegner sind sie im letzten Herbst ja in der ersten Pokalrunde gescheitert. Ebenfalls noch im September (26.) gibt der SV Neubrandenburg in Oldesloe seine Visitenkarte ab.
Im Oktober macht sich die Mannschaft vor heimischem Publikum dann rar. Nur die Reinickendorfer Füchse aus Berlin kreuzen hier am 10. auf. Im November gibt es dann wieder zwei Heimspiele. Bevor der TuS Alstertal am 21. in die Stormarner Kreisstadt kommt, ist Anfang des Monats der KSV Holstein Kiel dort zu Gast. Es ist das einzige Heimspiel, das voraussichtlich nicht an einem Sonnabend um 19.30 Uhr angepfiffen wird. Mit den Kielerinnen wird noch verhandelt, die Partie schon am 6. November (einem Freitag) um 20.15 Uhr zu beginnen.
Einen Tag vor dem Nikolaustag ist mit dem HC Empor Rostock ein weiterer Bundesliga-Absteiger Gast in Oldesloe. Auf den ist der VfL ja auch schon in der Aufstiegsrunde getroffen und hat dabei in der mecklenburgischen Hafenstadt dank einer überragenden Zsuzsa Nyari gewinnen können.
Dann dauert es mehr als eineinhalb Monate, ehe mit dem Hastedter TSV – in der letzten Saison ja lange Zeit hartnäckiger Verfolger der Schilk-Truppe – am 23. Januar der nächste Gegner aufkreuzt.
Auf alte Bekannte aus der letzten Saison trifft der VfL dann auch in den beiden nächsten Heimspielen. Am 13. Februar ist Erzrivale TH Eilbek Gegner des VfL, am 20. März dann der BSV „Blau-Weiß“ Frankfurt/Oder, der ja dem Abstieg in die Regionalliga knapp hat entrinnen können.
Zum Abschluß kommen dann noch zwei Erstliga-Absteiger nach Stormarn. Dabei ist der SV Berliner Verkehrsbetriebe,
der am 3. April nach Oldesloe kommt, für den VfL ein eher unbeschriebenes Blatt. Mit der TSG Wismar, die am Maifeiertag dann letzter Heimgegner des VfL in der Saison 1992/93 ist, haben Andrea Hasenberg und Co. in Freundschaftsspielen und auf Turnieren schon mehrfach die Klingen gekreuzt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 3.7.1992
Dienstag, 28. Juli 1992
Petra Küsel kommt zum VfL
(us). Handball-Bundesligist VfL Oldesloe meldet eine weitere Verstärkung: Am Sonntag unterschrieb Petra Küsel, Torfrau beim Erstligisten BSV Buxtehude, einen Vertrag beim VfL. Vorher spielte sie für den Regionalligisten Tostedt, da allerdings noch im linken Rückraum.
Trainer Claus Schilk und Abteilungsleiter Jürgen Dorn sind weiterhin auf der Suche nach einer Wohnung für die Neuzugänge. Wer helfen kann, sollte sich am Wochenende oder zu Beginn der nächsten Woche bitte mit Schilk (04532/21754) oder Dorn (04531/5108) in Verbindung setzen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.7.1992
Montag, 10. August 1992
LC Brühl St. Gallen – VfL Oldesloe 16:11
Erster Test der VfL-Damen
Guter Einstand, nur die Puste reichte nicht aus
(mth). Eine Woche nach der Wiederaufnahme des Trainings absolvierte die Zweitliga-Mannschaft der Handballabteilung des VfL Oldesloe am Montag bei einem Turnier des TSV Ellerbek (bei Pinneberg) einen ersten Leistungstest. Dabei hinterließ die Truppe von Trainer Claus Schilk, die gegenüber der Vorsaison ihr Gesicht ja stark verändert hat, gegen den LC Brühl St. Gallen einen starken Eindruck.
Der Schweizer Meister – er holte in den letzten 21 Jahren 17mal den Titel –, der gespickt ist mit aktuellen und ehemaligen Nationalspielerinnen aus vieler Herren Länder, siegte am Ende der 40 Minuten (gespielt wurden zweimal 20 Minuten) zwar mit 16:11, aber so deutlich waren die Kräfte eigentlich nicht verteilt gewesen.
Bis zur 30. Minute nämlich führte der VfL noch mit 10:9 und brach erst in den letzten Minuten konditionell ein. Das kam nicht von ungefähr. Nicht nur, weil sie erst so kurze Zeit wieder trainiert, sondern auch, weil sie sich unmittelbar vor der Abreise nach Ellerbek noch eines Laktattestes im Travestadion unterzogen hatte, in dessen Rahmen alle Spielerinnen einen 4000-Meter-Lauf absolviert hatten.
Trainer Claus Schilk war von der Leistung seiner Truppe unter diesen Voraussetzungen ganz angetan. Insbesondere war er mit der Abwehrarbeit zufrieden und lobte die neuen Torhüterinnen Alexandra Hoffmann und Petra „Piet“ Küsel.
Auch die anderen Neuzugänge, Eike Lange und lvonn Bosza, überzeugten ihn. In guter Form sah er auch Zsuzsa Nyari (von Anbeginn an in kurzer Deckung, was davon zeugt, welchen Respekt der Schweizer Meister vor dem Zweitligisten hatte), Babette Bischof, Roswitha Bein und Andrea Hasenberg von seinem „alten“ Stamm. Lediglich Marion Werner ließ Form und Einstellung noch vermissen.
Am Dienstag setzt der VfL das Turnier mit Spielen gegen die Bundesliga-Spitzenmannschaft BSV Buxtehude und Gastgeber TSV Ellerbek fort. …
Gegen die Buxtehuder Truppe wird der VfL nach einem Trainingslager am Freitag und Sonnabend in Lüneburg am Sonntag um 11 Uhr auch seine Saison-Heimpremiere in der renovierten Stormarnhalle geben.
Ursprünglich hatte man für diesen Termin auch noch die TSG Wismar eingeladen, um ein kleines Turnier durchzuführen. Da die Wismarer aber nichts mehr von sich hören ließen, hat man mit dem BSV Buxtehude nun vereinbart, ein Spiel über dreimal 30 Minuten zu absolvieren.
STORMARNER TAGEBLATT vom 12.8.1992
Dienstag, 11. August 1993
Buxtehuder SV – VfL Oldesloe 21:12
TSV Ellerbek – VfL Oldesloe 10:18
Beide Torhüterinnen waren in Glanzform
(us). Beim hochkarätig besetzten Handball-Turnier des TSV Ellerbek belegten die Handball-Damen des VfL Oldesloe einen guten dritten Platz. Nach dem 11:16 gegen den Schweizer Meister LC Brühl St. Gallen schloß die Schilk-Truppe das Turnier mit einem Sieg und einer weiteren Niederlage ab.
Gegen die Bundesliga-Truppe des BSV Buxtehude verloren die Stormarnerinnen mit 12:21. Das Ergebnis täuscht etwas über den wahren Spielverlauf hinweg. Bis zum Pausenstand von 7:9 hatte der VfL gut mitgehalten. Zwei Siebenmeter wurden verworfen, zudem scheiterte man mit zwei Tempogegenstößen.
„In der zweiten Halbzeit war dann die Kraft weg“, analysierte Trainer Claus Schilk. Überragende Spielerinnen waren die beiden Torfrauen Alexandra Hoffmann und Petra Küsel. Bei den Feldspielerinnen klappte dagegen noch längst nicht alles nach Wunsch. „Einige haben miserable Laktatwerte, da merkt man, daß sie im Urlaub nichts getan haben“, kritisierte Schilk.
Gegen Gastgeber Ellerbek (Regionalliga) gelang den VfL-Damen ein ungefährdeter 18:10-Erfolg, der bei konsequenterer Chancennutzung auch höher hätte ausfallen können. Turniersieger wurde St. Gallen vor Buxtehude, dem VfL und Ellerbek.
„In den nächsten zwei Wochen müssen wir in erster Linie die Ausdauer verbessern“, so der VfL-Coach. Dazu dient' das Trainingslager am Freitag und Sonnabend. Um 11 Uhr gibt der VfL dann seine Heimpremiere in der Stormarnhalle gegen den BSV Buxtehude. Vor dem Spiel können bei Abteilungsleiter Jürgen Dorn in der Halle Dauerkarten gekauft werden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 12.8.1992
Freitag, 14. August 1992
Heimpremiere der VfL-Damen
Gegen Bundesligisten Kondition tanken
(mth). Bis zum ersten Punktspiel am 12. September, dann kommt Bundesliga-Absteiger TSV Nord Harrislee in die Stormarner Kreisstadt, sind noch rund vier Wochen Zeit. Anders als im letzten Jahr aber stellt sich die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe auch in der Vorbereitungsphase schon ihrem Publikum vor. Am Sonntag um 11 Uhr ist die Bundesliga-Truppe des SV Buxtehude Gast in der Stormarnhalle.
Die ist in den Sommerferien ja mit einigem Aufwand endgültig bundesligatauglich gemacht worden. In der Halle ist der Boden neu verlegt worden, so daß das Spielfeld jetzt die Ausmaße hat, die der Deutsche Handballbund für Bundesliga-Spiele als unabdingbar ansieht.
Bei den VfL-Handballern kann man der Stadt dankbar dafür sein, daß sie trotz der nicht geringen Kosten so schnell reagiert und gehandelt und der Abteilung damit große Schwierigkeiten erspart hat. Das Spiel gegen einen solch renommierten Gegner wie den SV Buxtehude – der gehört seit Jahren zur Spitze im Damen-Handball im Land – ist sicher ein geeigneter Auftakt in der neuen/alten Umgebung.
Dabei sollten die VfL-Fans allerdings nicht zu hohen Erwartungen an diese Partie herangehen. Die Truppe von Trainer Claus Schilk befindet sich noch in einer ziemlich frühen Phase der Saisonvorbereitung.
Jetzt muß, das zeigte das Turnier am Wochenbeginn in Ellerbek, vor allem Kondition gebolzt werden. Dazu weilt das Team um Andrea Hasenberg, Zsuzsa Nyari und Co. heute und morgen in einem Trainingslager in Lüneburg und dazu dient auch das Spiel gegen den renommierten und mit Nationalspielerinnen gespickten Erst-Bundesligisten.
Auf den ist man ja auch schon in Ellerbek getroffen (man verlor nach gutem Beginn mit 12:21) und hat mit ihm vereinbart, in Oldesloe ein Spiel über dreimal 30 Minuten auszutragen. Ein echter Härtetest also und weniger eine Überprüfung der augenblicklichen spielerischen Möglichkeiten.
Wiewohl sich die VfL-Damen natürlich bei ihrem ersten Auftreten nach der Sommerpause vor eigenem Publikum ungern blamieren würden. Schon deshalb nicht, weil es den Verkauf von Dauerkarten für die Saison, der im Umfeld des Spieles fortlaufen soll, nicht zu beeinträchtigen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 14.8.1992
Sonnabend, 15. August 1992
Eintracht Lüneburg – VfL Oldesloe 14:30
Sonntag, 16. August 1992
VfL Oldesloe – Buxtehuder SV 28:42 (9:12; 16:28)
VfL-Handball-Damen „tankten“ Kondition
Am Ende des Härtetestes gingen Nyari und Co. „auf dem Zahnfleisch“
(mth). Als das schleswig-holsteinische Spitzenschiedsrichtergespann Bühlow/Lübker nach 90 Minuten (beide Mannschaften hatten sich vorher auf eine verlängerte Spielzeit von dreimal 30 Minuten geeinigt) das Testspiel zwischen den Zweitliga-Damen der Handballabteilung des VfL Oldesloe und der Bundesliga-Spitzenmannschaft des BSV Buxtehude abpfiff, verkrümelten sich die Oldesloerinnen in fast geschlossener Phalanx an die Theke der Stormarnhalle, um mit Erfrischungsgetränken ihrer totalen Erschöpfung wenigstens halbwegs wieder Herr zu werden.
Hinter ihnen lag ein Härtetest über das gesamte Wochenende, der sich wahrlich gewaschen hatte. Das überlange Testspiel am Sonntagvormittag gegen den Erstligisten war dabei nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Dessen Endergebnis – Buxtehude gewann am Ende mit 42:28 (12:9; 28:16) – war unter diesen Umständen natürlich nebensächlich.
Das Spiel diente (hüben wie drüben, denn auch die Buxtehuderinnen hatten am Wochenende geklotzt) mehr der Konditionsbolzerei, denn einem spielerischen Vergleich zwischen beiden Teams. Der, das wurde deutlich, fällt ohnehin klar zugunsten des Erstligisten aus. Auch ohne zwei ihrer stärksten Spielerinnen, die nach dem Einsatz bei Olympia noch pausieren dürfen, verfügt der BSV Buxtehude über eine ungleich breitere Spielerdecke gegenüber dem VfL.
Dazu besteht innerhalb seines Kaders ein nur geringes Leistungsgefälle, so daß bei ihm durch geschicktes auswechseln konditionelle Einbrüche auch besser zu kompensieren sind. Das ist beim VfL in dieser Saison mit dem sehr kleinen Kader kaum möglich.
Zumal zwei der vier Neuzugänge in der Truppe von Trainer Claus Schilk noch erkennbare Anpassungsschwierigkeiten haben. Ivonn Bosza, aus dem zweiten Glied beim Deutschen Meister TuS Walle/Bremen an die Trave gekommen, fehlt es sichtlich noch an Spielpraxis und Eike Lange (vormals Blau-Weiß Frankfurt/Oder) braucht sicher noch einige Zeit, um Bindung zu ihrer Mannschaft zu finden.
Die haben die beiden anderen Neuzugänge – Alexandra Hoffmann (von TH Eilbek) und Petra Küsel (vormals BSV Buxtehude) – schon gefunden. Beide hinterließen im Tor trotz der am Ende mehr als 40 Gegentore einen hervorragenden Eindruck.
Von der ganzen Mannschaft ließ sich das nur im ersten Drittel behaupten. Da zeigte die Mannschaft ein geschlossenes Bild, führte nach 20 Minuten sogar (8:6) und hielt auch bis zur ersten Pause noch Anschluß (9:12).
Der dann folgende konditionelle Einbruch kam, wie gesagt, nicht von ungefähr. Die Mannschaft hatte schon am Freitagabend beim Trainingslager in Lüneburg zwei Trainingseinheiten abgespult. Am Sonnabend folgten dann ein 5000-Meter-Lauf, zwei weitere Trainingseinheiten und schließlich noch ein Spiel gegen Eintracht Lüneburg, das
der VfL mit 30:14 für sich entschied.
Da wurden am Sonntagvormittag natürlich bei allen nach spätestens 30 Minuten die Muskeln sauer. Aber alle bissen die Zähne zusammen und hielten bis zum Schluß durch. „Von nichts kommt nichts“, faßte Babette Bischof lapidar die Notwendigkeit solcher Härtetests zusammen, als sie nach dem Schlußpfiff wieder genug Luft für eine Stellungnahme hatte.
Und sie sprach dabei stellvertretend für die gesamte Mannschaft. In der erfüllt sie jetzt eine andere Aufgabe als in der letzten Saison. Nicht mehr auf Linksaußen, sondern im linken Rückraum ist sie jetzt zu finden. Das bedarf sicher noch einiger Anpassung, aber liegt gewiß in ihren Möglichkeiten, wie nicht zuletzt sechs Tore zeigten.
Auf so viele Treffer kam auch Marion Werner, deren Formkurve langsam nach oben zeigt. Erfolgreicher war noch Zsuzsa Nyari, die im Sommer natürlich nichts von ihrer Spielkunst eingebüßt hat und auch in dieser Saison das Oldesloer Handballpublikum begeistern wird.
Noch nicht ganz in Bestform dagegen Roswitha Bein (4/1). Zuverlässig wie immrr dagegen Andrea Hasenberg. Erfolgreichste Werferin beim BSV Buxtehude war Ina Schewtschenko mit 14/8 Treffern. Ähnlich gefährlich waren Katja Dürkopp (10) und Katrin Müller (9). Aber auf das Ergebnis kam es, wie gesagt, ja in der nur mäßig besuchten Stormarnhalle nicht an.
STORMARNER TAGEBLATT vom 17.8.1992
Sonntag, 23. August 1992
VfL-Damen schon in Form
Sieg bei Adelby-Cup
(mth). Die Handball-Damen des VfL Oldesloe kommen drei Wochen vor Saisonbeginn langsam in Form. Am Wochenende holte sich die Truppe von Trainer Claus Schilk den „Adelby-Cup“.
Im Finale des gutbesetzten Turnieres bezwangen Zsuzsa Nyari und Co. den Zweitligarivalen SC Neubrandenburg mit 12:7. Zuvor hatte im Halbfinale auch TH Eilbek (mit den Ex-VfLerinnen Martina Gliewe und Annette Schümann) klar mit 10:16 das Nachsehen gehabt.
In der Vorrunde hatte sich der VfL gegen Germania List (zweite Liga Mitte) mit 25:18, den TSV Breiholz (Regionalliga) mit 22:17 und SC Neubrandenburg (18:17) durchgesetzt.
Petra Küsel (VfL) wurde als beste Torhüterin des Turniers ausgezeichnet.
STORMARNER TAGEBLATT vom 24.8.1992
Freitag, 28. August 1992
Test in Aalborg
(mth). 14 Tage vor dem Beginn der Punktrunde in der zweiten Bundesliga, zum Auftakt gibt dann am 12. September um 20 Uhr Bundesliga-Absteiger TSV Nord Harrislee in der Stormarnhalle seine Visitenkarte ab, unterzieht sich die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe an diesem Wochenende einem weiteren Test.
Bei einem Turnier im dänischen Aalborg trifft die Truppe von Trainer Claus Schilk auf Spitzenmannschaften aus dem skandinavischen Raum. Nach dem Sieg beim Adelby-Cup am letzten Wochenende und in der guten Verfassung, mit der sich die Mannschaft dort vorstellte, sollte für die Oldesloerinnen auch bei diesem Turnier etwas drin sein.
Etwas drin ist für den VfL ganz sicher auch im DHB-Pokalwettbewerb. In der ersten Runde treffen Zsuzsa Nyari und Co. auf den Hastedter TSV, wie die Auslosung am Anfang dieser Woche ergab.
Der VfL muß dann zwar bei den Bremerinnen antreten, aber das muß kein Nachteil sein, denn in der letzten Saison hat er beide Spiele gegen diesen Gegner sicher für sich entscheiden können.
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.8.1992
Sonntag, 30. August 1992
Turnier in Aalborg
(Anm.: Der VfL Oldesloe sagte seine Teilnahme ab, weil ihm nicht genügend Spielerinnen zur Verfügung standen.)
Freitag, 4. September 1992
Hochkarätiges Vorbereitungsturnier in Bremerhaven
Generalprobe für die VfL-Handball-Damen
(mth). In der letzten Saison, als der Kader quantitativ noch vergleichsweise üppig besetzt war, ist die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe von größeren Verletzungen und damit verbundenen Ausfällen einzelner Spielerinnen fast gänzlich verschont worden. Nicht zuletzt auch das hat zu der tollen Serie der Mannschaft, die einen einmaligen Siegeszug durch die zweite Liga schaffte und nur denkbar knapp und unglücklich den Aufstieg in die erste Bundesliga verpaßte. beigetragen.
Aber Glück auf diesem Gebiet läßt sich nicht konservieren. In der Vorbereitungsphase auf die neue Saison, die ja in einer Woche beginnt, am 12. September um 19.30 Uhr ist Bundesliga-Absteiger TSV Nord Harrislee erster Gegner der VfL-Damen in der Stormarnhalle –, hat es den VfL ziemlich heftig erwischt.
Das trifft die Mannschaft in diesem Jahr weit härter, als es in der letzten Saison der Fall gewesen wäre. Denn in diesem Jahr ist der Kader reichlich klein. Auf der Suche nach Ersatz für Melanie Bernecker und Britta Peterat, die beide schon einen Vertrag für diese Saison unterschrieben hatten, in der Sommerpause dann aber kurzfristig aus unterschiedlichen Beweggründen wieder absprangen, ist der VfL bislang noch nicht fündig geworden.
Am letzten Wochenende hat der VfL deshalb sogar seine Teilnahme an einem hochkarätig besetzten Turnier im dänischen Aalborg absagen müssen. Mit Andrea Hasenberg, die Probleme mit ihrer Achillessehne hat, und Babette Bischof (Oberschenkelzerrung) fielen gleich zwei Spielerinnen aus und das ist bei einem Kader mit nur sieben Feldspielerinnen nicht zu verkraften.
Trainer Claus Schilk hofft inständig, daß beide durch intensive ärztliche und physiotherapeutische Behandlung in dieser Woche wieder fit geworden sind, denn an diesem Wochenende soll bei einem Turnier in Bremerhaven die Generalprobe steigen.
Sein Team trifft dabei in der Vorrunde unter anderem auf den Deutschen Meister TuS Walle Bremen. Weitere Gegner der Oldesloerinnen sind der BVB Borussia Dortmund (war ja Gegner in der Aufstiegsrunde), Regionalligist HT 16 und eine Mannschaft aus dem dänischen Fredrikshavn.
Die ersten beiden Mannschaften qualifizieren sich für die A-Endrunde. Die restlichen für die B-Endrunde, die der VfL im letzten Jahr für sich entscheiden konnte.
STORMARNER TAGEBLATT vom 4.9.1992
Sonntag, 6. September 1992
Internationales Turnier in Bremerhaven
Sonnabend, 11. September 1992
Morgen um 19.30 Uhr Start in die Bundesliga-Saison
Gegen TSV Nord Harrislee steht für die VfL-Damen allerlei auf dem Spiel
(mth). Jetzt geht es wieder los: Die Wartezeit für die Oldesloer Handballfans neigt ich ihrem Ende zu. Morgen um 19.30 Uhr gibt e'S nach monatelanger Pause wieder Bundesliga-Handball in der Stormarnhalle
Zum Auftakt der zweiten Saison in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord steht dabei gleich zum Auftakt ein ganz besonderer Knüller auf dem Programm. Gegner der Stormarnerinnen ist Bundesliga-Absteiger TSV Nord Harrislee. Mit dem haben Zsuzsa Nyari und Co. aus der letzten Saison noch ein besonderes Hühnchen zu rupfen.
In der ersten DHB-Pokalrunde kreuzten beide Mannschaften im letzten Herbst letztmalig die Klingen. Der VfL war seinerzeit ziemlich zuversichtlich ins Rennen gegangen. Er war damals schon Spitzenreiter in der zweiten Liga und rechnete sich gegen den Bundesligisten, der schon zu dem frühen Saisonzeitpunkt mitten im Abstiegskampf steckte, eine gute Chance aus. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Harrisleerinnen am Vorabend vor dem Pokalspiel in Berlin noch ein Punktspiel zu bestreiten hatten.
Aber in der Partie tat sich dann doch ein Klassenunterschied auf. Der VfL hielt die Partie nur eine Halbzeit lang offen. Dann ging er gegen den klassenhöheren Gegner unter. Besonders bitter damals war eine rote Karte für VfL-Star Zsuzsa Nyari, die deshalb in den nächsten beiden Spielen nicht zur Verfügung stand.
Im nachhinein allerdings erwies sich die Niederlage als heilsamer Schock. Die Mannschaft spielte danach außerordentlich konstant und scheiterte schließlich nach überzeugendem Siegeszug in der zweiten Liga nur denkbar knapp und unglücklich in der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga.
Die war ja zugleich eine Relegation für Bundesliga-Teams, war aber von den Harrisleerinnen nicht erreicht worden. Die schlossen die Saison in der ersten Bundesliga/Gruppe Nord als Neunte ab und waren somit Direktabsteiger.
Aber nicht nur wegen der offenen Rechnung aus der letzten Saison steht für den VfL morgen in der Auftaktbegegnung viel auf dem Spiel.
Mit einem erfolgreichen Start in die Saison will und kann die Mannschaft nicht nur die Weichen für eine erneut tolle Saison stellen, sie will und kann sich damit auch wieder Rückhalt und Unterstützung beim Oldesloer Handballpublikum sichern.
Davon hat sie in der Vergangenheit ja reichlich profitieren können. Keine andere Zweitligamannschaft hat ähnliche Zuschauerzahlen wie der VfL aufweisen können, ja, es gab auch in der ersten Bundesliga kaum einen Verein, der daran heranreichen konnte. Diesen Rückhalt wird sich die Mannschaft nun neu erobern müssen. Angewiesen darauf ist sie sicher in noch stärkerem Maß als in der Vergangenheit.
Natürlich ist das Oldesloer Publikum von der letzten Saison erfolgsverwöhnt und damit anspruchsvoll geworden. Dazu hat die Mannschaft gegenüber der letzten Saison ihr Gesicht so erheblich verändert, daß Vertrauen und Sympathie, die ihr in der letzten Saison entgegenschlugen, neu erkämpft und erobert werden müssen.
Mit Zsuzsa Nyari, Babette Bischof, Roswitha Bein, Marion Werner und „VfL-Urgestein“ Andrea Hasenberg sind schließlich nur noch fünf Spielerinnen der letztjährigen Truppe übrig geblieben. Die Neuzugänge – Petra Küsel (vom SV Buxtehude), Alexandra Hoffmann (TH Eilbek), Eike Lange (Blau-Weiß Frankfurt/Oder) und Ivonn Bosza (TuS Walle Bremen) – müssen sich erst noch die Herzen der Stormarner Handballfans erobern.
Kein Zweifel, daß sie dazu das Format und die Spielstärkt haben. VfL-Trainer Claus Schilk ist zuversichtlich, daß seine Mannschaft nicht schwächer, sondern eher stärker als in der letzten Saison ist. Die Leistungen in der Vorbereitung haben ihn zu diesem Schluß veranlaßt.
Deutlich ist dabei allerdings auch geworden, daß der reichlich enge Kader – einschließlich der dritten Torhüterin Martina Pusch umfaßt er lediglich zehn Spielerinnen – große Risiken birgt. Verletzen darf sich beim VfL in dieser Saison eigentlich niemand, will man immer mit kompletter Mannschaft auflaufen. Deshalb hofft Schilk auch inständig, daß Marion Werner und Babette Bischof bis morgen ihre Verletzungen, die sie bei der Generalprobe am letzten Wochenende in Bremerhaven hinderten, überwunden haben.
Der Gegner, das zeigte das Turnier in Bremerhaven, bei dem er bis ins Endspiel vorstieß, jedenfalls ist topfit und wird auch in Bestbesetzung eine harte Nuß für den VfL. Trotz des Abstiegs ist die Truppe aus der Flensburger Vorstadt im wesentlichen zusammengeblieben und hat sich durch Marina Nicolowa, Gaby Möhlmann und Anke Graefe vom Lokalrivalen SG JarpJund-Weding, der seine Damenmannschaft. Gänzlich aufgelöst hat, noch verstärkt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 11.9.1992
Sonnabend, 12. September 1992
VfL Oldesloe – TSV Nord Harrislee 22:21
Begeisternder Zweitliga-Auftakt in der Stormarnhalle
22:21. Die VfL-Damen behielten nach tollem Kampfspiel gegen Bundesliga-Absteiger Nord Harrislee die Oberhand
(mth). Viele Stormarner Handballfans haben der zweiten Saison der Damenmannschaft des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/ Gruppe Nord mit sehr gemischten Gefühlen entgegengesehen. Nach dem tollen Siegeszug in der letzten Saison, der ja um ein Haar in die erste Bundesliga geführt hätte, sind Erwartungshaltung und Ansprüche an die eigene Mannschaft mächtig in die Höhe geschraubt worden.
Ein Spitzenplatz, so der allgemeine Tenor, sollte doch tunlichst wieder herausspringen. Alles andere wäre für die Fans eine satte Enttäuschung. Aber ob sich das erfüllen ließe, da war doch eine gehörige Portion Skepsis angesagt. Nicht weniger als neun Spielerinnen (eingeschlossen Dörte Knickrehm und Birte Stooß, die schon im Verlauf der letzten Saison aus dem Kader ausgeschieden waren) hatten das Erfolgsteam verlassen, nur vier Spielerinnen waren dafür neu dazu gekommen.
Unter dem Strich steht nun ein Kader mit nur zehn Spielerinnen, von denen drei Torhüterinnen sind. Zu wenig, um in einer Liga, die mit die mit vier Absteiger aus der ersten Bundesliga weit stärker und ausgeglichener als in der letzten Saison besetzt ist, erfolgreich bestehen zu können, meinten nicht nur Pessimisten unter den VfL-Anhängern.
Trainer Claus Schilk muß sich da schon wie ein einsamer „Rufer in der Wüste“ vorgekommen sein, als er in der Vorbereitung immer wieder behauptete, „meine Mannschaft ist nicht schwächer als im letzten Jahr. Im Gegenteil, ihr spielerisches Potenzial ist noch gewachsen, weil wir auf einer Schlüsselposition (Tor) jetzt optimal besetzt sind und damit unsere Stärke (Tempogegenstöße) noch besser ausspielen können.
Diese Rolle ist für den VfL Coach ja nicht ganz neu. Allein auf weiter Flur stand er ja auch zu Beginn des Jahres, als man seiner Truppe wegen des Einsatzes von Birte Stooß vier Punkte aberkennen wollte. Er hielt unbeirrt an seiner Auffassung fest und behielt schließlich auch recht.
Gut möglich, sogar wahrscheinlich, daß er auch mit seiner neuerlichen Prognose gegen die landläufige Meinung goldrichtig liegt. Zum Saisonauftakt in der Stormarnhalle war schließlich für sein Team eine Prüfung auf Herz und Nieren angesagt. Mit Bundesliga-Absteiger TSV Nord Harrislee war einer der Topfavoriten der Liga Gegner des VfL.
Der hatte nicht nur trotz des Abstiegs all seine Leistungsträgerinnen halten können, sondern sich dazu noch mit den besten Spielerinnen der aufgelösten SG Jarplund-Weding verstärken können. Das verhieß für den VfL einen schweren Gang. Schließlich hatte sich vor einem Jahr beim Pokalspiel an gleicher Stelle so etwas wie ein Klassenunterschied zwischen beiden Teams aufgetan. 16:26 hatten die Oldesloerinnen seinerzeit verloren und nun wollte er Revanche nehmen an einem Gegner, der seither noch stärker und kompakter geworden ist.
Aber der VfL nahm die große Herausforderung von der ersten Minute an. Alle Spielerinnen waren bis in die Haarspitzen motiviert und zeigten kämpferischen Einsatz, vor dem man nur den Hut ziehen kann. Claus Schilk hat dafür eine einfache Erklärung. „Die personelle Notsituation hat dazu geführt, daß meine Mannschaft noch enger zusammengerückt ist. Da kämpft jetzt jeder für jeden und über die Motivation einzelner Spielerinnen brauche ich mir keine Gedanken zu machen.“
Sorgen hatte er sich aber um die Einsatzfähigkeit von zwei seiner Schützlinge machen müssen. Babette Bischof quälte seit einer Woche ein Bluterguß im Knie und bei Juniorinnen-Nationalspielerin Marion Werner sorgten Sprunggelenksverletzungen für Probleme. Beide aber bissen die Zähne zusammen und liefen dennoch auf. Und sie trumpften dabei ganz groß auf.
Babette Bischof, die sich in der letzten Saison ja noch den Linksaußenposten mit Marion Werner teilte, ist jetzt in den linken Rückraum gerückt und avanciert dort zur torgefährlichsten Werferin aus der zweiten Reihe in ihrem Team.
Gegen Harrislee traf sie vier Mal ins Schwarze und zeigte dabei eine große Variationsbreite.
Marion Werner übertraf sie sogar noch um einen Treffer und war damit, Siebenmeter nicht eingerechnet, erfolgreichste Werferin des Spiels überhaupt. Und doch bewegte ausgerechnet sie sich auf schmalem Grad zwischen der großen Gewinnerin und der (möglichen) großen Verliererin der hochdramatischen und spannenden Partie.
In der 57. Minute hatte sie mit ihrem letzten Treffer gerade nach tollem Einsatz das 22:21 für die Oldesloerinnen erzielt. Sekunden später unterlief ihr beim nächsten VfL-Angriff ein technischer Fehler. Ihr Versuch, den fälligen Freiwurf der Harrisleerinnen zu verzögern und damit einen Tempogegenstoß zu verhindern, wurde zurecht mit einer Zwei-Minuten-Strafe geahndet.
Da hatte der VfL natürlich Mühe, in Unterzahl den Vorsprung zu halten. Das gelang nur mit Hilfe von tollen Paraden von Torhüterin Petra Küsel. Die war auch in den Schlußsekunden noch einmal auf dem Posten, als Marion Werner, kaum wieder auf dem Feld, noch einmal einen Ballverlust und damit einen Gegenangriff verursachte.
Die Glanzleistungen von Petra Küsel in der Schlußphase kamen nicht von ungefähr. Sie war schon über die gesamte Spielzeit in prächtiger Form gewesen. Sie hielt dabei alles, was zu halten war, verhinderte mit Übersicht, Mut und Einsatz ein paar Tempogegenstöße der Harrisleerinnen und glänzte mit präzisen Pässen bei eigenen Harpunenangriffen auf Zsuzsa Nyari und Marion Werner.
Das war eine der Grundlagen dafür, daß die Partie von der ersten bis zur letzten Sekunde spannend und hochdramatisch verlief. Großen Anteil daran hatte aber auch TSV-Torhüterin Silke Christiansen auf der Gegenseite, die Petra Küsel in nichts nachstand.
Der VfL hatte bei dem spannenden Schlagabtausch, bei dem die rund 300 Zuschauer in der Stormarnhalle nach kurzer Anlaufzeit mehr und mehr in Stimmung kamen, was am Ende in tosende Begeisterung wie bei vergangenen Handballfesten mündete, meist die Nase vorn.
In der ersten Halbzeit oft sogar mit zwei – 4:2 (9.Minute),
7:5 (16.) und 9:7 (20.) – und einmal (8:5/17.) sogar mit drei Toren Differenz. Aber der Bundesliga-Absteiger kämpfte sich immer wieder heran. Kritisch wurde es für den VfL Mitte der zweiten Halbzeit. 16:14 hieß es in der 41. Minute plötzlich für den Gast und Babette Bischof mußte eine Zeitstrafe absitzen.
Aber der VfL meisterte auch diese kritische Situation, kämpfte sich schnell wieder heran und hatte schließlich nicht unverdient das bessere Ende für sich. Daran hatten alle Spielerinnen gehörigen Anteil. Außer den schon Genannten natürlich auch Zsuzsa Nyari, die mit acht Toren (davon fünf verwandelte Siebenmeter) erfolgreichste Werferin war.
Ganz sicher auch Roswitha Bein (4/2), die ihre stärksten Szenen in der letzten Viertelstunde hatte, was bei ihrem kraftraubenden Spiel für eine tolle Kondition spricht. Sichtlich gestärkt durch ein frühes Tor (später hatte sie zweimal mit Pfostenschüssen Pech) spielte Ivonn Bosza auf und auch am Einsatzwillen von Andrea Hasenberg und Eike Lange gab es nichts zu bemängeln.
Einen etwas bemitleidenswerten Part spielte Alexandra Hoffmann. Die ist ja eine ähnlich starke Torhüterin wie Petra Küsel, wurde aber nur für zwei Siebenmeter kurz eingewechselt. Die konnte sie ebenso wenig halten wie den Treffer zum 13:13 kurz nach ihrem ersten Einsatz und mußte ansonsten auf der Bank schmoren. Aber das wird, da ist sich Claus Schilk ganz sicher, nicht auf Dauer ihre Rolle sein.
Natürlich gab es auch ein paar Schwächen im VfL-Spiel. Besonders im Abwehrverhalten des Teams. Aber daran läßt sich schließlich noch arbeiten und feilen in den nächsten Wochen und Monaten. Schließlich war der Gegner ja nicht von Pappe und die Saison hat ja auch eben erst begonnen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 14.9.1992
Montag, 14. September 1992
Wer hat Angst vor „schwarzen“ Frauen?
(mth). Ungute Erinnerungen beschlichen in der Stormarnhalle manchen, als sie des Schiedsrichtergespanns ansichtig wurden. Just das Gespann Möller/Sauerbek (Hamburger Handballverband) hatte vor einem Jahr an gleicher Stelle die Pokalbegegnung zwischen dem VfL und dem TSV Nord Harrislee gepfiffen, und an ihm hatten sich die Gemüter erhitzt.
Die beiden jungen Damen aus Uetersen und Seevetal hatten vor einem Jahr mit einseitiger und unsteter Regelauslegung Spielerinnen, Betreuer und Zuschauer des VfL bis zur Weißglut gereizt. Die Emotionen schossen danach ins Kraut und gipfelten schließlich darin, daß der VfL das Gespann für eine weitere Begegnung mit der Begründung ablehnte, er könne für die Sicherheit der beiden jungen Unparteiischen nicht garantieren.
Dem wurde seinerzeit auch entsprochen. Um so mehr erstaunte es, daß sie nun ausgerechnet zum neuerlichen Aufeinandertreffen der beiden damaligen Kontrahenten erneut angesetzt wurden. Da schwante manchem Böses. Aber die Sache schlug ins Gegenteil um.
Die beiden Damen in Schwarz zeigten in der Stormarnhalle eine tadelsfreie Leistung, die allen Respekt verdient. Eine solch überzeugende Schiedsrichterleistung hat es in Bad Oldesloe schon lange nicht mehr gegeben.
Mit dem Urteil stehen wir nicht allein da und wir haben es auch nicht deshalb so gefällt, weil der VfL, dem unzweifelhaft natürlich auch unsere Sympathien gehören, diesmal das bessere Ende für sich hat.
Dafür gibt es einen neutralen Zeugen. Das Gespann Möller/Sauerbeck stand nämlich unter strenger Kontrolle eines Schiedsrichterbeobachters aus Kiel. Und dessen Beurteilung war eindeutig: Mit der Bewertung „37“ verteilte er eine Traumnote. 27 Punkte sind nämlich in dieser Skala die Idealnote, und eine Bewertung zwischen 45 und 50 Punkten gilt, so versicherten uns Fachleute, schon als glänzendes Resultat.
STORMARNER TAGEBLATT vom 14.9.1992
Freitag, 18. September 1992
Erste Auswärtsaufgabe des VfL in Rostock
Schilk: „Das wird eine harte Nuß, denn der Gegner ist angeschlagen“
(mth). Zu behaupten, die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe würde in ihrem ersten Auswärtsspiel der neuen Saison am Sonnabend um 17 Uhr im Rostocker Stadtteil Marienehe auf einen „alten Bekannten“ treffen, ist sicher eine leichte Übertreibung.
Aber ganz neu ist der Bundesliga-Absteiger HC Empor Rostock für die Schützlinge von Trainer Claus Schilk als Gegner nicht. Genaugenommen hat der VfL nur zwei Pflichtspiele absolviert, seit er zum letzten Mal auf die Hansestädterinnen traf.
Die Rostockerinnen nämlich waren Gegner von Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg und Co. in der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga, die zugleich ja Relegation für verschiedene Bundesligisten war. 26:21 gewann am 9. Mai der VfL in der Hansestadt und wahrte seinerzeit damit seine Chancen auf den Aufstieg, der dann letztlich ja doch knapp und unglücklich verpaßt wurde.
Für den HC Empor Rostock dagegen war die Niederlage das endgültige Aus für ihre Hoffnungen, erstklassig bleiben zu können. Zu „verdanken“ hatten sie das vor allem Zsuzsa Nyari, die in Rostock eine überragende Leistung bot und nicht nur wegen ihrer 13 Treffer fast alleinverantwortlich für den VfL-Sieg war.
Auf sie wird der Gegner morgen natürlich sein ganz besonderes Augenmerk richten. Aber das hatte er durch Abstellung seiner besten Abwehrspielerin (Doreen Schulz) auch vor vier Monaten schon vergeblich versucht.
Im Gegensatz zu den Stormarnerinnen, die ihr Mannschaftsgefüge gegenüber der letzten Saison ja erheblich verändert haben, präsentiert sich der HC Empor Rostock fast unverändert. Die Mannschaft hat nach dem Bundesliga-Abstieg keine gravierenden Abgänge zu verzeichnen gehabt, konnte sich aber auch nicht nennenswert verstärken.
Der Saisonstart ist für die Mecklenburgerinnen ganz im Gegensatz zum VfL, der mit einem 22:21-Erfolg über den Topfavoriten TSV Nord Harrislee ja glänzend gestartet ist, völlig daneben gegangen. Beim Sportverein der Berliner Verkehrsbetriebe (ebenfalls Bundesliga-Absteiger) verloren sie überraschend mit 15:19.
Das paßt VfL-Trainer Claus Schilk ganz und gar nicht in den Kram. „Nach diesem Fehlstart muß Rostock gegen uns nun alles in die Waagschale werfen, wenn die Mannschaft nicht frühzeitig den Anschluß verpassen will. Da wird sie sicher ein paar Gänge höher schalten und in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich sein“, sieht er auf sein Team eine harte Nuß zukommen.
Bange aber ist ihm deswegen nicht. Er traut seinem Team auch im ersten Auswärtsspiel eine Energieleistung zu und ist zuversichtlich, alle Spielerinnen seines engen Kaders einsetzen zu können. Marion Werner und Babette Bischof, die schon am letzten Wochenende angeschlagen in die Partie gingen – beide zeigten trotzdem vorzügliche Leistungen – mußten zwar im Training in dieser Woche kürzer treten, werden aber morgen wieder dabei sein.
Dazu ist die Stimmung in der Mannschaft nach dem tollen Auftaktsieg natürlich bestens. Die läßt man sich auch von Versuchen des SC Rönnau, im VfL für Unruhe zu sorgen, nicht vermiesen. Zudem sind nach der letzten Saison mit Nicole Röhrs, Stefanie und Melanie Bernecker ja drei ehemalige VfLerinnen gewechselt. Während dabei die Formalitäten für den Wechsel von Nicole „Tiger“ Röhrs einvernehmlich geklärt worden sind, hat es hinsichtlich der Wechsel der beiden Bernecker-Schwestern bislang keine Einigung zwischen beiden Vereinen gegeben.
Die wird es, was „Melli“ Bernecker angeht, mutmaßlich auch nicht geben. Die hatte schließlich beim VfL schon einen neuen Vertrag unterzeichnet, und der sieht keine Veranlassung, von dieser Vereinbarung zurückzutreten.
Es sei denn, der SC Rönnau zahlt für eine einvernehmliche Vertragsauflösung eine angemessene Ablösesumme. Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Und der VfL, dessen Rechtsposition eindeutig erscheint, hat keinen Grund, sich von Presse- und Telefonkampagnen diesbezüglich einschüchtern zu lassen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 18.9.1992
Sonnabend, 19. September 1992
HC Empor Rostock – VfL Oldesloe 22:20 (10:10)
Siegesserie des VfL gerissen
20:22-Niederlage in Rostock
(mth). Ziemlich genau zwei Jahre lag es zurück, seit die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe ein Punktspiel verloren hatte. Im Herbst 1990 hatte sie als Aufsteiger in der Regionalliga das zweite (bei SV Werder Bremen) und dritte (gegen VfL Oldenburg II) Saisonspiel verloren.
Von da an startete sie eine schier unglaubliche Siegesserie, die in Pflichtspielen nur von einem Remis bei HT 16 (im März 1991 in der Regionalliga), einer Pokalniederlage gegen den damaligen Bundesligisten TSV Nord Harrislee (Oktober 1991) und einer Niederlage in der Aufstiegsrunde zur ersten Bundesliga (im Mai beim alten und neuen Bundesligisten PSV Grün-Weiß Frankfurt/Main) unterbrochen wurde.
Aber es ist eine Binsenweisheit im Sport und anderswo, daß auch die tollsten Serien einmal zuende gehen. Die Oldesloer Damenmannschaft hat es in Rostock erwischt. Im zweiten Spiel der neuen Saison in der zweiten Bundesliga und damit im zweiten Spiel gegen einen Bundesliga-Absteiger in Folge, kassierte die Truppe von Trainer Claus Schilk beim HC Empor Rostock eine 20:22(10:10)-Schlappe.
Das schmerzte die Spielerinnen um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg natürlich sehr und noch lange nach dem Spiel sah man in den VfL-Reihen fast ausschließlich Niedergeschlagenheit und hängende Köpfe. Diese Reaktion war nicht unverständlich, denn die Niederlage war keinesfalls unvermeidlich und zwingend gewesen.
Der HC Empor Rostock war keineswegs ein so starker Gegner gewesen, wie eine Woche zuvor der TSV Nord Harrislee, den die Stormarnerinnen ja mit prächtigem Kampfgeist niedergehalten hatten. Ja, die Mecklenburgerinnen waren mutmaßlich sogar schwächer als beim Aufstiegsspiel vor vier Monaten. Und das hatte der VfL ja mit 26:21 für sich entscheiden können.
Die Ursachen für die Niederlage mußten die Oldesloerinnen also bei sich selbst suchen. Da konnte man ziemlich schnell fündig werden. Ein wichtiger Grund – und der wird latent in dieser Saison stets vorhanden sein, wenn es nicht gelingt, noch die eine oder andere Spielerin zu verpflichten – ist ohne Zweifel der eng bemessene Spielerkader, der Claus Schilk zur Verfügung steht.
Ausfälle kann sich der VfL in dieser Saison bei zur Zeit nur sieben verfügbaren Feldspielerinnen einfach nicht leisten. Das war allen Beteiligten von vornherein klar. Vordergründig ist dabei immer an verletzungsbedingte Ausfälle gedacht worden. Deshalb haben auch angeschlagene Spielerinnen, wie zuletzt Marion Werner und Babette Bischof, die Zähne zusammengebissen und trotz ihrer Blessuren gespielt.
Auch in Rostock, wiewohl bei beiden (Marion Werner mehr, Babette Bischof weniger) die Verletzungen noch immer hinderlich sind. Aber daran hat es nicht gelegen. Vielmehr gehörten beide zu den herausragenden Kräften beim VfL, die mit aller Macht versuchten, das Blatt zu
wenden.
Aber es stellte sich in der mecklenburgischen Hafenstadt heraus, daß der VfL mit seinem kleinen Aufgebot natürlich auch Löcher, die durch Formtiefs einzelner Spielerinnen gerissen werden, nicht stopfen kann. Schon gar nicht, wenn es sich dabei um Spitzenkräfte und Leistungsträgerinnen handelt.
Damit muß man schließlich immer einmal rechnen. Auch Spitzenhandballerinnen sind keine Maschinen, sondern Menschen mit starken und weniger starken Tagen. Letztere hatten in Rostock mit Zsuzsa Nyari und Roswitha Bein zwei der „Stars“ der Truppe erwischt.
Die Ungarin, im Mai im Aufstiegsspiel an fast gleicher Stelle – der HC Empor hatte allerdings die Halle gewechselt und spielt jetzt in einer kaum Bundesliga-Atmosphäre ausstrahlenden ehemaligen Fischauktionshalle – nicht nur wegen ihrer 13 Treffer alles überragende Spielerin, stand völlig neben sich.
Halbwegs erklärlich war dabei noch ihre schwache Ausbeute in der Offensive. Sie kam bei 7/8 Wurfversuchen nur auf einen einzigen Treffer (zum 4:7 in der 17. Minute). Denn natürlich „erfreute“ sie sich hautnaher Bewachung durch die Rostockerinnen – ihre Gegenspielerin Manuela Nötzel bot eine tolle Abwehrleistung – und auch der (zeitweilige) Wechsel von ihrer angestammten Rechtsaußenposition in den Rückraum – dort herrscht beim VfL ja besonders eklatanter Mangel – fordert seinen Tribut.
Gravierender aber noch war ihre Formschwäche im Abwehrbereich. Ob in vorgeschobener Position oder am Kreis, just bei ihr taten sich die größten Lücken auf.
Dagegen hatte Roswitha Bein in ihrem Defensivverhalten kaum Defizite. Aber sie fand im Offensivbereich nie zu ihrem Spiel. Und ihr versagten schließlich die Nerven in entscheidender Phase. Als bei ihr zum wiederholten Mal auf Stürmerfoul entschieden wurde – sicher nicht zu Unrecht, denn das Schiedsrichtergespann Ubben/Rade aus Aurich war sicher, korrekt und konsequent in seiner Regelauslegung – wechselte sie sich entnervt praktisch selbst aus.
Das schwächte ihr Team noch mehr, denn mit der jungen Ivonn Bosza und der Ex-Frankfurterin Eike Lange stehen im Team ja noch zwei Kräfte, denen die Integration in die Mannschaft, gemessen an Ansprüchen für ein Zweitliga-Spitzenteam, noch nicht gelungen ist.
Ivonn Bosza (1 Tor) fehlt es sichtlich noch an Erfahrung und Spielpraxis und Eike Lange hat vorn wie hinten noch nicht recht Bindung zu ihrem neuen Team gefunden. So waren dann die Lasten in Rostock auf zu wenige Schultern verteilt.
Und so schwer konnten dann auch Babette Bischof (mit sechs Toren erfolgreichste Werferin), die unermüdliche Kämpferin Andrea Hasenberg (fünf blitzsaubere Tore vom Kreis) und Marion Werner (vier Treffer trotz härtester Bewachung) nicht tragen.
Auch die beiden VfL-Torhüterinnen konnten da dann nicht alle Löcher stopfen. Wiewohl sich auch in Rostock zeigte, daß der VfL auf dieser Position wirklich optimal besetzt ist. Begonnen hatte diesmal Alexandra Hoffman, die schnell deutlich machte, daß sie Petra Küsel, die gegen Harrislee ja überragend gehalten hatte, in nichts nachsteht. Sie war auch mitverantwortlich dafür, daß der VfL einen frühen klaren Rückstand (2:6 in der 12. und 3:7 in der 14. Minute) bis zur 23. Minute in eine eigene 8:7-Führung umwandeln konnte.
In der zweiten Halbzeit gelang das gleiche Kunststück nicht noch einmal. Auch nicht, als es Schilk in der 45. Minute bei einem 15:18-Rückstand mit einem Torwartwechsel versuchte. Alexandra Hoffmann hatte weiter gehalten, was zu halten war, war aber von ihrer Deckung oft im Stich gelassen worden.
Petra Küsel, von deren Einwechslung man sich noch einmal einen psychologischen Schub erhofft hatte, erging es nicht besser. Auch sie hielt wahrlich nicht schlecht, aber damit war das Blatt nicht mehr zu wenden.
Der VfL darf sich von dieser Niederlage nun aber nicht zu sehr beeindrucken lassen. Niederlagen, hoffentlich nicht zu häufig, werden künftig wohl auch wieder zum Alltag der Mannschaft gehören. Dafür spricht die weit höhere Leistungsdichte der Liga in dieser Saison gegenüber der jüngsten Vergangenheit, und dafür sprechen auch die oben genannten Probleme.
Die Größe der Mannschaft aber wird sich auch daran ablesen lassen, wie sie mit Niederlagen umgeht. Man wird sie schon als etwas „Normales“ hinnehmen müssen, ohne sie deshalb fatalistisch als unvermeidlich ansehen zu müssen. Schon gar nicht, wenn sie, wie in Rostock überflüssig und leicht ergründbar sind.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.9.1992
Freitag, 25. September 1992
SV Neubrandenburg darf nicht unterschätzt werden
Der VfL will sich sportlich rehabilitieren und sich freundschaftlich revanchieren
(mth). Wenn im Zusammenhang mit der Zweitliga-Partie der Handball-Damen des VfL Oldesloe gegen den SV Neubrandenburg am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle davon die Rede ist, die Oldesloerinnen wollen sich gegenüber ihren Gästen aus Vorpommern revanchieren, dann ist hochgradig mißverständlich, entspricht aber dennoch voll der Wahrheit.
Sportlich gibt es für die Schilk-Truppe nämlich keinen Anlaß für eine Revanche gegenüber den Neubrandenburgerinnen. Schließlich hat der VfL in der letzten Saison seine beiden Spiele gegen diesen Gegner gewinnen können, wie ja bekanntlich auch alle anderen 20 Punktspiele.
Und revanchieren kann sich der VfL schlechterdings an den Neubrandenburgerinnen nicht für die Niederlage am letzten Sonnabend in Rostock. Allenfalls können sich Andrea Hasenberg und Co. für die Niederlage, die ja nicht von ungefähr kam, sondern auf eigenes Fehlverhalten zurückzuführen war, rehabilitieren.
Das haben sich die VfLerinnen für morgen auch ganz fest vorgenommen. Die Mannschaft hat nicht in der Katerstimmung, die sie vor einer Woche ohne Zweifel ergriffen hatte, verharrt. Vielmehr ist sie im Training in dieser Woche voll zur Sache gegangen.
„Wir hatten eine wirklich gute Woche. Es war der Mannschaft deutlich anzumerken, daß sie gewillt ist, die Scharte vom letzten Wochenende unter allen Umständen auszumerzen“, zeigte sich Trainer Claus Schilk zufrieden, ja begeistert und neuerlichen frischen Wind in seinem Team.
Wiewohl er sich sicher ist, daß die morgige Partie kein Spaziergang für seine Crew werden wird. Der SV Neunbrandenburg war schließlich in der letzten Saison mit Abstand beste Mannschaft aus den neuen Bundesländern in der zweiten Liga, belegte in der Endabrechnung den vierten Rang mit nur knappem Abstand zu den Teams aus Hastedt (2.) und Kiel (3.).
Ihre Besetzung hat sich gegenüber der letzten Saison nur unwesentlich verändert. Abgänge hat das Team um die Routiniers Bozena Bachen, Rosemarie Meyer und Liane Michaelis nicht zu verzeichnen gehabt. Hinzugekommen sind zu dem ansonsten eh jungen Kader weitere Nachwuchskräfte aus den eigenen Reihen, aus denen die Jugend-Nationalspielerinnen Heike Ahlgrimm und Marilyn Krause sicher noch besonders hervorzuheben sind.
Ein Sieg am letzten Wochenende gegen Bundesliga-Absteiger SV Berliner Verkehrsbetriebe (vorher gab es bei Holstein Kiel zum Auftakt eine Niederlage) macht dazu deutlich, daß der VfL seinen Gegner keineswegs auf die leichte Schulter nehmen darf. Während des Spiels wird deshalb sicher hüben wie drüben kein Pardon gegeben.
Wohl aber im Umfeld der Partie. Womit wir zur eigentlichen „Revanche“ kommen. Im letzten Herbst hat der SV Neubrandenburg den VfL außerordentlich gastfreundlich aufgenommen einschließlich der Hilfestellung bei der Einquartierung in die weithin bekannte Sportschule. Da läßt sich der VfL nun nicht lumpen. Er war dem Gegner nach Kräften behilflich bei der Suche nach einem Quartier und wird sich mit ihm, wenn der sportliche Teil des Treffens abgeschlossen ist, zu einem gemeinsamen Essen treffen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 25.9.1992
Sonnabend, 26. September 1992
VfL-Damen in bester Besetzung
(mth). In bester Besetzung will sich die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe heute um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle für die Niederlage am letzten Wochenende in Rostock – es war die erste Schlappe in einem Punktspiel nach genau zwei Jahren – rehabilitieren.
Gegner der VfL-Damen ist der SV Neubrandenburg. Der ist von Andrea Hasenberg und Co. auf gar keinen Fall zu unterschätzen.
In der letzten Saison war die Truppe aus Vorpommern schließlich als Vierte mit Abstand beste Mannschaft aus den neuen Bundesländern in der zweiten Liga, und mit einem Sieg über Bundesliga-Absteiger SV Berliner Verkehrsbetriebe zeigte sie, daß mit ihr auch in dieser Saison stark zu rechnen ist.
Mit dem eigenen Publikum im Rücken, daß dem VfL nach einer einzigen Niederlage gewiß nicht die Gefolgschaft aufkündigen wird, schließlich ist die Mannschaft mehr denn je auf Unterstützung angewiesen, aber sollten die Oldesloerinnen eine gute Siegchance haben.
STORMARNER TAGEBLATT vom 26.9.1992
Sonnabend, 26. September 1992
VfL Oldesloe – SV Neubrandenburg 23:16 (11:6)
Furioser Auftakt: Nach acht Minuten führte der VfL schon 5:0
23:16 über SV Neubrandenburg / Rehabilitierung gelang
(mth). Die erste Niederlage in einem Punktspiel seit genau zwei Jahren, vor einer Woche bei HC Empor Rostock, hat der Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/ Gruppe Nord nicht ernsthaft geschadet. Gegen den SV Neubrandenburg jedenfalls zeigte sich die Truppe von Trainer Claus Schilk von dem Rückschlag unbeeindruckt und landete einen ungefährdeten 23:16 (11:6)-Erfolg.
Damit haben die Oldesloerinnen wieder Anschluß an die Tabellenspitze, die nach einem glatten 20:16-Erfolg gegen Mitabsteiger TSV Nord Harrislee weiter die HSG Wismar einnimmt, gefunden. Sie werden, da können die Oldesloer Handballfans ganz optimistisch -sein, auch in dieser Saison in der zweithöchsten deutschen Spielklasse wieder ganz oben mitmischen können.
Vielleicht heizt diese Gewißheit ja in der Stormarner Kreisstadt das Interesse an Bundesliga-Handball wieder ein wenig mehr an. Mit rund 350 Zuschauern nämlich war der Zuspruch auch beim zweiten Heimspiel der Saison nicht so stark, wie man es sich bei den VfL-Verantwortlichen erhofft hatte.
Die Stimmung auf den Rängen allerdings ging schnell von Null auf Hundert. Die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg nämlich legte in geradezu atemberaubendem Tempo und phantastischer Form los. Zsuzsa Nyari und ihre Nebenspielerinnen schienen sich den Frust über die Niederlage von Rostock im Eiltempo von der Seele spielen zu wollen.
Den Gästen aus Vorpommern verging dabei Hören und Sehen. Als sie nach zwölf Minuten endlich zu ihrem ersten Treffer kamen, die frühere polnische Nationalspielerin Bozena Bachen verwandelte einen Siebenmeter, führte der VfL schon mit 5:0.
In dem Stil und Tempo allerdings ging es nicht weiter. Der VfL mußte ein wenig seinem hohen Anfangstempo Tribut zollen und die Neubrandenburgerinnen begannen langsam, sich auf das Spiel der Oldesloerinnen einzustellen.
Rückhalt fanden die Oldesloerinnen dabei bei ihrer Torhüterin Petra Küsel, die schier unüberwindlich schien. Neben Würfen aus allen Lagen und Positionen hielt sie dabei in der 10. Minute auch einen Siebenmeter von Karina Hein.
Roswitha Bein hatte den Torreigen schon nach einer knappen halben Minute mit einem Siebenmeter eröffnet. Zsuzsa Nyari, Ivonn Bosza, Babette Bischof und Marion Werner hatten darauf bis zur 8. Minute noch vier weitere Treffer draufgesattelt.
Nur dreimal in der Partie – zum 4:7, 5:8 und 6:9 in der 18., 23. und 25. Minute – kam der Gast auf drei Tore Rückstand an die Oldesloerinnen heran. Ansonsten bauten die Oldesloerinnen ihren Vorsprung fast regelmäßig weiter aus.
Vor allem auch, weil Zsuzsa Nyari, die in Rostock ja völlig außer Form gewesen war, wieder in Normalform spielte. Natürlich, um sich vor sich selbst, ihren Mannschaftskameradinnen und den Zuschauern zu rehabilitieren, diesmal mit besonderem Ehrgeiz. Davon zeugten sechs Treffer, die sie allein bis zum Halbzeitstand von 11:6 anbrachte. Nach dem Seitenwechsel ging sie selbst dann nicht mehr so energisch auf Torjagd, war aber am Ende mit neun Treffern (davon ein Siebenmeter) trotzdem mit großem Abstand erfolgreichste Werferin des ganzen Spiels.
Das schönste Tor hatte sie sich dabei für den Abschluß aufbewahrt, als sie in der 59. Minute nach Zuspiel von Roswitha Bein per Kempa-Trick zum 23:15 erfolgreich war. 20 Sekunden später versuchte sie das gleiche Kunststück noch einmal mit Marion Werner. Das klappte, zur Begeisterung der Fans, auch fast perfekt, nur daß die VfL-Juniorinnen-Nationalspielerin leider bei ihrem Flug durch den Kreis zu früh landete, so daß ihrem Treffer keine Anerkennung beschieden war.
Marion Werner (4/1 Treffer) war im übrigen gehandicapt in das Spiel gegangen. Sie hatte unter der Woche wegen einer Erkältung kaum trainieren können und hat auch ihre Sprunggelenkverletzung noch nicht ganz auskuriert. Da waren ihr ein paar Aussetzer in der Abwehr gegen die flinke Marilyn Krause und ein paar konditionelle Durchhänger nachzusehen.
Allerdings: Zu irgendeiner Situation oder Entwicklung im Spiel, bei der man annehmen/befürchten hätte können, das Blatt könne sich noch einmal wenden, kam es bis zum Schlußpfiff nicht mehr. Die Frage nach dem Sieger der Begegnung war mit dem fulminanten Start des VfL schon endgültig beantwortet.
Stark verbessert gegenüber der Vorwoche, wenn auch noch nicht wieder in Höchstform präsentierte sich Roswitha Bein (3/2). Gewohnt zuverlässig agierte in Abwehr und Angriff Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg (3). Mehr und mehr in die Mannschaft findet sich die junge Ivonn Bosza hinein, was auch durch zwei blitzsaubere Tore und gesteigertes Selbstbewußtsein bei Würfen zum Ausdruck kam.
Babette Bischof trat als Torschützin (1 Treffer) diesmal nicht so in Erscheinung, spielte aber wieder außerordentlich mannschaftsdienlich. Darum ist auch Eike Lange sichtlich bemüht. So ganz aber kann sie Niveau und Tempo ihrer neuen Mannschaft noch nicht erreichen. Aber vielleicht hilft ihr auf diesem Weg ja ihr erstes Tor in einem Punktspiel für den VfL (in der 35. Minute zum 13:7) ein Stück weiter.
Von der tollen Form von Torhüterin Petra Küsel war schon die Rede. Sie wurde in der letzten Viertelstunde von Alexandra Hoffmann abgelöst. Die hatte das Pech, nun hinter einer nicht mehr so konzentrierten Deckung zu stehen und hatte so weniger Gelegenheit zu glänzen.
Ob man ein solches Prädikat dem Schiedsrichtergespann Begemann (Aerzen)/Pietscher (Springe) anheften konnte, darüber gingen die Meinungen sehr auseinander. Manche Beobachter lobten ihren Mut, Fouls und Fehler (oder auch nur vermeintliche) der Angreiferinnen zu unterbinden, andere sahen gerade darin Anlaß zu Kritik.
Durch allzu kleinliche Auslegung, so deren Tenor, hätten die Unparteiischen jeglichen Kombinationsfluß unterbunden und „das Spiel zerpfiffen“. Immerhin: Begemann/Pietscher hielten ihre Linie wenigstens konsequent hüben und drüben bei und nahmen nicht etwa willkürlich Einfluß auf den Spielverlauf.
STORMARNER TAGEBLATT vom 28.9.1992
Freitag, 2. Oktober 1992
Torhüterinnen stehen im Blickpunkt
VfL-Damen streben bei TH Eilbek ersten Saison-Auswärtserfolg an
(mth). In der Sporthalle in der Rüterstraße im Hamburg-Wandsbek bestreitet die Damen-Bundesliga-Mannschaft der Handballabteilung des VfL Oldesloe morgen (Sonnabend) um 17 Uhr ihr zweites Auswärtsspiel dieser Saison gegen den TH Eilbek. Dabei wollen die Stormarnerinnen, die vor zwei Wochen in Rostock ja ihre erste Punktspielniederlage seit zwei Jahren kassierten, unter allen Umständen ihren ersten Saison-Auswärtserfolg unter Dach und Fach bringen, um den Kontakt zur Tabellenspitze nicht zu verlieren.
Das müßte nach Lage der Dinge auch möglich sein. Die Hamburgerinnen, die in der letzten Saison lange Zeit im oberen Tabellendritten mitspielten, auch wenn es letztlich nur zu einem Mittelplatz reichte, werden in dieser Saison Mühe haben, den Klassenerhalt zu schaffen.
Die Mannschaft hat ein paar Abgänge zu verzeichnen gehabt, hat die im Wesentlichen nicht kompensieren können (weder quantitativ noch qualitativ) und ist nach drei mehr oder weniger deutlichen Niederlagen zur Zeit am Tabellenende.
Natürlich darf der VfL die Hamburgerinnen, die er in der letzten Saison zweimal klar besiegte, nicht unterschätzen, aber erreicht er die Form der Spiele gegen Nord Harrislee und Neubrandenburg, sollte einem Sieg der Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg eigentlich nichts im Wege stehen. Zumal beim VfL alle Spielerinnen mit von der Partie sein werden.
Damit ist man zahlenmäßig ja nicht gerade üppig besetzt, trifft diesmal aber auf einen Gegner dem es in dieser Beziehung nicht besser geht. Auch die Hamburgerinnen verfügen über einen nur kleinen Kader, aus dem auch noch die frühere Oldesloerin Martina Gliewe wegen einer Fußverletzung ausfällt.
Im Blickpunkt werden dafür aber zwei andere Spielerinnen stehen. Es sind diese die Torhüterinnen Alexandra Hoffmann (VfL) und Annette Schümann (Eilbek), die in der letzten Saison noch jeweils auf der Gegenseite aktiv waren.
Besonders Alexandra Hoffmann ist heiß auf das Spiel. Sie hatte ihre Absicht, nach Oldesloe zu wechseln, schon ziemlich frühzeitig verkündet und das hat man ihr bei den Eilbekerinnen reichlich übel genommen. Nun will sie es ihrer ehemaligen Truppe besonders zeigen. Sie wird mutmaßlich dazu auch 60 Minuten Gelegenheit haben, denn Claus Schilk hat angedeutet, sie durchspielen lassen zu wollen.
Annette Schümann dagegen geht das Spiel gegen ihre ehemalige Truppe mit gemischten Gefühlen an. Sie hat den VfL ja nur schweren Herzens verlassen, weil sie – wohl zu Recht – befürchtete, beim VfL als dritte Torhüterin aufs Abstellgleis zu geraten. Nun befürchtet sie, von ihren ehemaligen Kolleginnen, voll einen „eingeschenkt“ zu bekommen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.10.1992
Sonnabend, 3. Oktober 1992
TH Eilbek – VfL Oldesloe 17:23 (8:10)
Erster Auswärtserfolg für den VfL
23:17 beim TH Eilbek
20 starke Minuten reichten dem VfL zum glanzlosen Arbeitssieg
(us). Das Lächeln von Claus Schilk, Trainer der Handball-Damen des VfL Oldesloe war ziemlich gequält, als ihm die zahlreichen Oldesloer Fans zum 23:17 (10:8)-Auswärtssieg beim Tabellenschlußlicht TH Eilbek gratulieren wollten. Ungeachtet des nie gefährdeten Sieges war der Coach mit der Vorstellung seiner Mannschaft in der Sporthalle Wandsbek überhaupt nicht zufrieden.
Gegen einen stärkeren Gegner, als es die Hamburgerinnen waren, hätte der VfL wohl in der Tat Probleme bekommen können. Gerade in der ersten Halbzeit lief im Spiel der Schilk-Truppe nämlich kaum etwas zusammen. Die gewiß nicht starken Eilbeckerinnen konnten die Partie bis zur 24.Minute offen gestalten.
Zu diesem Zeitpunkt stand es 6:6 und nur zweimal hatte die Truppe von Claus Schilk bis dahin in Führung gelegen. Drei der sechs Treffer resultierten dabei aus verwandelten Strafwürfen. Die VfL-Fans wachten erst kurz vor Ende der ersten Spielhälfte so richtig auf, als Andrea Hasenberg, Babette Bischof und Roswitha Bein per Siebenmeter für die 9:6-Führung sorgten.
Zur Halbzeit führten die Oldesloer Gäste mit 10:8 und hatten bis dahin wahrlich nicht überzeugen können. Doch der TH Eilbek, von Trainer Claus Schilk zutreffend als Abstiegskandidat eingestuft, konnte aus den Schwächen im VfL-Spielkein Kapital schlagen.
Im Gegenteil: Nach dem Seitenwechsel sahen die Gastgeberinnen fast tatenlos zu, wie der VfL Oldesloe schnell auf 13:8 erhöhte und wenig später gar mit acht Toren Vorsprung (18:10) führte. Doch trotz des klaren Vorsprungs agierten die VfLerinnen verkrampft und begingen ungewohnt viele Fehler.
Torfrau Alexandra Hoffmann, bis zur letzten Saison noch in Diensten des TH Eilbek, ließ sich schon nach zwölf Minuten auswechseln. Sie hielt in der Anfangsphase kaum einen Ball und machte schließlich Platz für Petra Küsel, die in der Folgezeit sehr gut parierte. In der 55.Minute wurde „Alex“ noch einmal eingewechselt, kehrte aber nach einem Siebenmeter (zum 15:20) wieder auf die Bank zurück.
Petra „Piet“ Küsel avancierte neben Marion Werner, die nach der Pause nach Belieben Tore von der Außenposition erzielen konnte, zur besten Spielerin der Gäste. Marion Werner traf sechsmal und erzielte damit die meisten Feldtore für den VfL.
Roswitha Bein (sieben Treffer, davon sechs Siebenmeter), Babette Bischof (2) und auch Zsuzsa Nyari (3/2) blieben dagegen weit hinter den Erwartungen zurück. Trainer Schilk sparte nach Spielende denn auch nicht mit harscher Kritik: „Wir hatten heute viel zu viele Ausfälle, eigentlich haben wir praktisch immer in Unterzahl gespielt“, bemängelte er.
Eine recht ansprechende Partie lieferten noch Andrea Hasenberg (vier Tore) und, mit Abstrichen, auch Neuzugang Ivonn Bosza (1) ab. Eike Lange fand dagegen nur selten Bindung zum Spiel und blieb ohne Torerfolg. Aus dem Rückraum drohte dem Eilbeker Tor, von der Ex-Oldesloerin Annette Schümann gut gehütet, fast nie Gefahr.
Nur gut, daß der VfL von neun Siebenmetern acht verwandelte und daß Marion Werner von der Rechtsaußenposition fast nach Belieben traf. Starke 20. Minuten reichten aus, um den TH Eilbek zu besiegen. In der Schlußphase kamen die Gastgeberinnen noch einmal heran, verkürzten den Rückstand zeitweise auf fünf Tore, ohne den VfL ernsthaft zu gefährden.
Die Schiedsrichter, die Herren Hauke und Janssen aus dem ostfriesischen Moormerland (sie benachteiligten mit ihren Entscheidungen beide Mannschaften zu gleichen Teilen), verhängten in den letzten zehn Minuten mehrere (berechtigte) Zeitstrafen gegen den VfL Oldesloe. Der lapidare Kommentar von Trainer Schilk: „Wir haben uns einfach dämlich angestellt.“
Trotzdem bewahrte der Coach die Fassung – ganz im Gegensatz zu Eilbeks Trainer Joachim Restorff. Der quittierte jeden Siebenmeter für die Gäste mit vehementen Protesten und sah schließlich die gelbe Karte, nachdem er den Unparteiischen zugerufen hatte: „Ihr pfeift immer nur in eine Richtung!“
Am Ende stand ein glanzloser Arbeitssieg über einen schwachen Gegner, der in dieser Form sicherlich Mühe haben wird, den Klassenerhalt zu schaffen. Die Torausbeute stieß VfL-Coach Schilk ziemlich sauer auf: „Gegen eine solche Mannschaft muß man mit mindestens zehn oder zwölf Toren Unterschied gewinnen“, kritisierte er.
Die Gäste nahmen übrigens nicht nur beide Punkte mit nach Hause, sondern auch die Tageseinnahmen: Das war
Bestandteil der Vereinbarung zwischen dem VfL und dem TH Eilbek über den Wechsel von Annette Schümann und Alexandra Hoffmann. VfL-Abteilungsleiter Jürgen Dorn wachte in der Pause mit Argusaugen über die Abrechnung. Da aber nur 110 Zuschauer an der Kasse Eintritt bezahlt hatten, war es keine große Summe, die zusammenkam.
STORMARNER TAGEBLATT vom 5.10.1992
Freitag, 9. Oktober 1992
Aufsteiger aus Berlin Gast in der Stormarnhalle
Mit einem Sieg gegen die „Füchse“ will sich der VfL in der Spitzengruppe festsetzen
(mth). Mit 6:2 Punkten aus den ersten vier Spielen kann sich die Zwischenbilanz der Handball-Damen des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord durchaus sehen lassen.
Allerdings rangiert die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg damit zur Zeit „nur“ auf dem vierten Rang, wobei allerdings nur der KSV Holstein Kiel bislang einen Vorsprung von zwei Punkten gegenüber dem VfL herausgeholt. Von den beiden anderen Mannschaften, die noch vor ihnen liegen – die Bundesliga-Absteiger TSG Wismar und VB 49 Berlin – trennt die Oldesloerinnen nur die schlechtere Tordifferenz, obwohl die Schilk-Sieben mit bislang 88 Treffern schon wieder den erfolgreichsten Angriff der Liga stellt.
Wer den Ehrgeiz der VfL-Truppe kennt, weiß, daß sich Zsuzsa Nyari und Co. mit der Zwischenbilanz noch lange nicht zufrieden geben. Die Mannschaft hat auch für diese Saison wieder einen absoluten Spitzenplatz im Visier. Dem will sie am Sonnabend, wenn zum dritten Heimspiel der Saison die Reinickendorfer Füchse aus Berlin um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle ihre Visitenkarte abgeben, ein Stück näher kommen.
Das kann sie natürlich nur dann, wenn sie auch ihr drittes Spiel vor heimischem Publikum für sich entscheidet. In der Favoritenrolle ist sie dafür allemal, wiewohl der Aufsteiger aus der Hauptstadt bislang sich ganz achtbar aus der Affaire gezogen hat.
Die 2:6 Punkte, die die Reinickendorferinnen aus ihren ersten vier Spielen holten, sollten darüber nicht hinwegtäuschen. Dafür spricht, daß die Mannschaft trotz des deutlich negativen Punktekontos eine positive Tordifferenz aufweist.
Das rührt daher, daß sie ihren einzigen Sieg überaus deutlich verbuchte (26:17 gegen Blau-Weiß Frankfurt/Oder), während ihre drei Niederlagen denkbar knapp ausfielen. So mußten sie sich TuS Alstertal (16:17) und ihrem Lokalrivalen VB 49 (18:19) nur mit je einem Tor Differenz geschlagen geben, und auch der Sieg von Spitzenreiter Holstein Kiel fiel in eigener Halle nicht gerade üppig (17:14) aus.
Diese nackten Zahlen sind aber so ziemlich die einzige Information, die VfL-Coach Claus Schilk über den morgigen Gegner besitzt. Der ist für ihn ansonsten ein unbeschriebenes Blatt. Er warnt seine Schützlinge deshalb auch davor, die Berlinerinnen zu unterschätzen.
Auf der anderen Seite ist er aber zuversichtlich, den dritten Heimsieg in dieser Saison unter Dach und Fach bringen zu können. „In eigener Halle haben wir eigentlich noch stets
eine ordentliche, oft sogar eine gute Leistung abgeliefert“, zeigt er sich optimistisch.
„Wir wollen damit auch unser treues Publikum bei der Stange halten, denn seine Unterstützung brauchen wir unbedingt. Natürlich auch morgen, vor allem aber in den dann folgenden Heimspielen gegen Holstein Kiel (7. November), TuS Alstertal (21. November) und TSV Hastedt (5. Dezember).“
Für die Zuschauer beim morgigen Spiel gibt es auch wieder eine Attraktion. Lancia-Händler Mittasch aus Bargteheide, mit dem die VfL-Bundesliga-Truppe seit Saisonbeginn zusammenarbeitet, stellt für das Pokalspiel eine Woche später in Bremen-Hastedt wieder einen vollgetankten Wagen zur Verfügung, der unter den Besuchern des morgigen Spiels ausgelost wird.
Der VfL kann im übrigen morgen voraussichtlich in Bestbesetzung antreten. In der Woche hat Zsuzsa Nyari wegen einer Wadenverletzung zwar etwas kürzer treten müssen, aber der VfL-rCoach ist zuversichtlich, daß die ungarische Nationalspielerin für die Partie morgen wieder einsatzbereit ist.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.10.1992
Sonnabend, 10. Oktober 1992
VfL Oldesloe – Reinickendorfer Füchse 21:13
VfL-Damen gewannen auch ihr drittes Heimspiel locker
21:13. Der Aufsteiger aus Berlin nur um Schadensbegrenzung bemüht
(mth). Diethard Finkelmann, früher Handball-Nationalspieler, jetzt Trainer der Damenmannschaft des BTSV Reinickendorfer Füchse in der zweiten Bundesliga Gruppe Nord der Damen, hatte die Latte schon vor dem Gastspiel seiner Truppe in der Oldesloer Stormarnhalle tief gelegt.
„Unser Ziel in der zweiten Bundesliga ist ausschließlich der Klassenerhalt. Der wird für mein junges Team, das seit drei Jahren in dieser Besetzung zusammenspielt und sich auch nach Meisterschaft in der Regionalliga und Aufstieg in die zweite Liga personell nicht verstärken konnte, schwer genug werden.
Da können wir auf Sensationssiege gegen Spitzenteams wie das aus Bad Oldesloe nicht setzen. Damit würden wir mutmaßlich nur unnütz Kräfte vergeuden“, schätzte er die Aussichten für das Spiel schon vorher pessimistisch ein.
Und er bewies damit Realitätssinn. Am dritten Heimsieg der Schützlinge von Trainer Claus Schilk kam zu keiner Sekunde der 60 Minuten Zweifel auf. Nicht vom Spielverlauf – die Oldesloerinnen gingen gleich mit 3:0 (7. Minute) in Führung und gaben die bis zum Ende natürlich nicht wieder ab – und nicht vom spielerischen Niveau.
Die Oldesloerinnen waren zweifellos besser drauf, als eine Woche zuvor in Hamburg-Wandsbek beim Sieg über TH Eilbek, rissen aber auf der anderen Seite auch keine Bäume aus. Das kann man von dem Team auch nicht erwarten. Wenn eine Mannschaft 60 Minuten lang nie ernsthaft gefordert wird, dann stellen sich zwangsläufig Konzentrationsfehler ein.
Schon auch deshalb, weil es wegen des kleinen Kaders ja keinen nennenswerten Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft gibt. Aber es reichte auch so und die diesmal rund 400 Zuschauer – eine leichte Steigerung gegenüber den ersten beiden Spielen – kamen sicher auch auf ihre Kosten.
In der ersten Halbzeit war das vor allem auch ein Verdienst von Roswitha Bein. Die Juniorinnen-Nationalspielerin ging engagiert zur Sache, trieb das Spiel ihrer Mannschaft immer wieder an und sorgte auch selbst für erfolgreiche Abschlüsse. Sechs ihrer sieben Treffer (davon vier verwandelte Siebenmeter), mit denen sie am Ende erfolgreichste Torwerferin ihrer Mannschaft und des ganzen Spiels war, erzielte sie in den ersten 30 Minuten.
In der zweiten Halbzeit wurde sie dann überwiegend von Kai-Katrin Krüger in kurze Deckung genommen. Das schränkte ihre Möglichkeiten natürlich rapide ein und sie mußte sich in der Folgezeit mit einem weiteren Treffer (durch Siebenmeter) begnügen.
Nun aber sprangen andere Mannschaftskolleginnen ein. So Marion Werner, die bei ihren insgesamt fünf Toren eine ausgezeichnete Quote hatte. Auch Babette Bischof, vor der Pause nur einmal erfolgreich, traf aus dem Rückraum nun besser und kam noch auf vier Tore.
Nicht ganz in Bestform war Zsuzsa Nyari (auch vier Tore), aber das muß man der Ungarin nachsehen. Sie konnte schließlich die ganze Woche wegen einer Wadenverletzung kaum trainieren. Zu ein paar Anspielen zu den schönsten Toren – unter anderem das 17:10 von Andrea Hasenberg (ihr einziger Treffer) und das 20:11 von Marion Werner – reichte es außen ihren eigenen Treffern dennoch.
Sie wird in Höchstform ja auch dann erst wieder benötigt, wenn es wieder gegen schwerere Gegner geht. Dann kann sich der VfL ja sowieso auf seine starken Torhüterinnen verlassen. Petra Küsel, in den ersten 30 Minuten zwischen den Pfosten, und Alexandra Hoffmann, die sie nach der Pause ablöste, boten auch gegen die Reinickendorfer Füchse hervorragende Leistungen.
Mit ihren Paraden selbst gegen freistehende Spielerinnen raubten sie dem Angriff des Aufsteigers auch den letzten Nerv. Der war ansonsten fast ausschließlich auf Schadensbegrenzung aus. Da wurde beinahe jeder Angriff voll ausgespielt. Gegentore zu erzielen war dabei nicht unbedingt oberstes Ziel. Vielmehr wollte man immer möglichst lange im Ballbesitz bleiben, um so dem VfL die Möglichkeit zu nehmen, seine Überlegenheit noch mehr in Toren auszudrücken.
In der einen oder anderen Szene wünschten die Oldesloer Fans das frühere Eingreifen des Neubrandenburger Schiedsrichtergespanns Bracklow/Lohde. Aber die Unparteiischen hinterließen ansonsten einen ordentlichen
Eindruck, auch wenn manche zwei Zeitstrafen gegen Marion Werner ein wenig umstritten fanden und ein böses Foul an Zsuzsa Nyari (15. Minute) sicher härter hätte geahndet werden müssen.
Ansonsten hatten die Fans während des Spiel Muße, sich auch an Nebensächlichkeiten zu ergötzen. So fiel auf, daß Andrea Hasenberg nicht wie gewohnt die Rückennummer 3, sondern die 7 trug. Die einfache Erklärung: Das Dreier-Trikot ist offensichtlich „zu heiß gebadet“ worden.
Dazu konnten sich die VfL-Anhänger überlegen, ob sie sich künftig noch stärker „bundesliga-like“ ausstaffieren sollen. Jetzt sind als Fan-Artikel auch VfL-Wimpel (für 20 Mark} und VfL-Mützen (16 Mark) erhältlich. Und auch die überlebensgroße Dose mit Erfrischungsgetränken neben den Ersatzbänken, die ein Sponsor gestiftet hatte, fiel natürlich auf und sorgte für Gesprächsstoff.
STORMARNER TAGEBLATT vom 12.10.1992
Freitag, 16. Oktober 1992
Pokalspiel in Bremen: VfL-Damen müssen zum Hastedter TSV
Tabellenführer ist Favorit
(us). An diesem und am nächsten Wochenende pausiert die zweite Handball-Bundesliga der Damen, doch Claus Schilk und seine Mannschaft bleiben nicht untätig. In der ersten Hauptrunde des Pokalwettbewerbs gastiert der frischgebackene Tabellenführer VfL Oldesloe beim Liga-Konkurrenten Hastedter TSV in Bremen.
Da werden Erinnerungen an die letzte Spielzeit wach: Lange Zeit waren die Hansestädterinnen der Schilk-Truppe auf den Fersen, bevor dann in der Rückrunde der „Einbruch“ folgte. Die Bremerinnen retteten sich als Tabellenzweiter so gerade noch ins Ziel, waren in der Aufstiegsrunde zur höchsten deutschen Spielklasse dann völlig chancenlos.
Während der VfL auch in dieser Saison wieder gut aus den Startlöchern gekommen ist, hat der Hastedter TSV erst zwei magere Pünktchen auf dem Konto. „Das muß aber nichts zu sagen haben“, warnt VfL-Trainer Claus Schilk vor verfrühter Euphorie, „immerhin hatte Hastedt in den ersten drei Spielen mit Wismar, Rostock und Nord Harrislee ganz dicke Brocken als Gegner.“
Trainer Schilk hat in dieser Woche das Training gedrosselt stattdessen nahm die Mannschaft am Mittwoch praktischen Anschauungsunterricht und sah sich das Erstligaspiel der Männer zwischen dem VfL Fredenbeck und Turu Düsseldorf an.
Beim Hastedter TSV nehmen die Oldesloer Damen sicherlich die Rolle des Favoriten ein und sollten, normale Form vorausgesetzt, auch keine Probleme mit den Bremerinnen bekommen. Erreicht der VfL die zweite Pokalrunde, dann hofft man auf einen attraktiven Gegner und natürlich auf ein Heimspiel. „Mit dem Los bin ich ganz zufrieden“, meint Claus Schilk, „es hätte auch passieren können, daß wir in der Nähe von Mönchengladbach spielen müssen.“ Bremen dagegen ist auch für die Fans, die den VfL begleiten wollen, ein akzeptables Ziel.
Das Spiel in der Sporthalle Jacobsberg beginnt am Sonnabend um 16.30 Uhr. Der Mannschaftsbus startet um 12.45 Uhr von der Stormarnhalle, für Kurzentschlossene sind noch einige Plätze verfügbar. Wer mitfahren möchte, sollte entweder rechtzeitig kommen oder bei Abteilungsleiter Jürgen Dorn (Telefon 04531/5108) nachfragen.
Personell sieht's beim VfL gut aus: Der Coach kann alle Spielerinnen einsetzen, auch Zsuzsa Nyari und Marion Werner, bei denen es noch etwas „zwackt“. Die Truppe wird sich anstrengen müssen, denn Hastedts Torfrau zählte im letzten Jahr zu den besten in der zweiten Liga. Damals hieß sie noch Birgit Addix. Mittlerweile hat sie geheiratet, wird aber auch unter neuem Namen versuchen, den VfL-Angreiferinnen das Leben schwer zu machen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.10.1992
Sonnabend, 17. Oktober 1992
Hastedter TSV – VfL Oldesloe 16:24 (9:11)
(1. Runde DHB-Pokal)
24:16. VfL-Handball-Damen erreichten mühelos die zweite Runde im Pokal
(mth). Als die Damen-Handballmannschaften des Hastedter TSV und des VfL Oldesloe am 14. März diesen Jahres das letzte Mal aufeinandergetroffen waren, hatte es eine kleine Völkerwanderung von der Stormarner Kreisstadt nach Bremen gegeben. Mehr als 200 Oldesloer Handballfans hatten sich seinerzeit in Richtung Weser aufgemacht, um ihren VfL lautstark zu unterstützen.
Die Partie war seinerzeit das absolute Spitzenspiel in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord gewesen. Der VfL mußte als ungeschlagener Tabellenführer die Mannschaft aufsuchen, die als einzige in der Lage schien, seinen Siegeszug zu stoppen. Die Truppe von Trainer Claus Schilk hatte dann auch starken Widerstand zu brechen, ehe der 21:19-Erfolg feststand.
Seither ist die Entwicklung beider Mannschaften fast diametral entgegengesetzt verlaufen. Der weitere Weg des VfL ist in Oldesloe ja bestens bekannt. Die Mannschaft blieb in der zweiten Liga bis zum Ende ohne jeden Kratzer, schlug sich auch in der Aufstiegsrunde prächtig, auch wenn der Sprung in die erste Liga knapp verpaßt wurde und hat jetzt auch in der neuen Saison schon wieder die Tabellenspitze in der zweiten Liga erobert.
Ganz anders der Hastedter TSV. Für ihn wurde das Spiel gegen den VfL, von ihrem ebenso engagierten, wie zu Hektik neigenden Coach Jörn Franke mächtig hochgepuscht, zum Wendepunkt. Seither haben die Bremerinnen im wahrsten Sinne des Wortes kein Bein mehr an die Erde bekommen.
In der zweiten Liga holten sie bis zum Saisonende keinen weiteren Punkt mehr. Dank ihres komfortablen Punktepolsters wurden sie dennoch mit hauchdünnem Vorsprung Zweiter und zog ebenfalls in die Aufstiegsrunde ein. Dort hat sie dann ausschließlich „Prügel“ bezogen. Diese Negativserie hat sich in dieser Saison in der zweiten Liga fortgesetzt.
Erst im fünften Spiel (vor acht Tagen) war im Kellerduell gegen TH Eilbek der erste Sieg gelungen, ohne daß die Mannschaft damit schon die Abstiegszone verlassen konnte. Diese Entwicklungen trugen sicher erheblich dazu bei, daß Oldesloes Handballfans keine Veranlassung sahen, für das Spiel der ersten Pokalrunde des Deutschen-Handballbundes (DHB) zwischen diesen beiden Mannschaften in Bremen zu einer zweiten „Völkerwanderung“ aufzubrechen. Immerhin stellten die VfL-Anhänger auch unter der Mini-Kulisse von 65 Besuchern noch die Mehrheit. Mehr Resonanz war auch kaum zu erwarten gewesen. Der Pokalwettbewerb, vom VfL durchaus ernst genommen, befindet sich halt noch in einem frühen Stadium und ein neuerliches, spannendes Spitzenspiel war nicht zu erwarten. Die Teams haben sich nämlich nicht nur nach Tabellenstand und Punktekonto ganz weit voneinander entfernt, sie trennen inzwischen auch spielerisch Welten.
Das wurde schon nach wenigen Minuten offenkundig. Ehe sich der Hastedter TSV versah, waren Andrea Hasenberg und Co. schon auf 5:0, 6:1 und 7:2 (15. Minute) davongezogen. Dabei hatte allein die immer noch überragende HTSV-Torhüterin Birgit Molzahn (vormals Addix) einen noch klareren Rückstand des Gastgebers verhindert.
Auf der Bremer Bank war deshalb Panik und Alarm angesagt. Davon ließen sich auch die Unparteiischen Bübbelmann/Dumke (Varel) anstecken. Sie begannen nun, eigentümliche Entscheidungen zu treffen und benachteiligten dabei den VfL ziemlich krass. Der verlor, wer wollte es ihm verdenken, darob ein wenig den Faden, so daß die Hastedterinnen bis zur Pause auf 9:11 verkürzen konnten.
In der Halbzeitpause aber besannen sich die Stormarnerinnen wieder ihrer Überlegenheit. Unmittelbar nach dem Wechsel mußten sie zwar den Anschlußtreffer zum 10:11 hinnehmen, aber mit einem energischen Zwischenspurt hatten sie bis zur 40. Minute die Verhältnisse schnell wieder gerade gerückt. Fortan ließ der VfL nichts mehr anbrennen und schaukelte den Sieg bis zum Endstand von 24:16 sicher nach Hause.
An dem Torsegen waren dabei alle acht Feldspielerinnen beteiligt. Mit je sieben Toren waren dabei Marion Werner und Roswitha Bein am erfolgreichsten. In überragender Form, wie schon seit Wochen, präsentierte sich dabei Juniorinnen-Nationalspielerin Marion Werner. Sie ist für ihren nächsten internationalen Einsatz am kommenden Wochenende gegen Rumänien bestens gerüstet. Unter normalen Umständen hätte sie noch fünf/sechs Siebenmeter mehr zugesprochen bekommen müssen.
Dann hätte Roswitha Bein, die vier ihrer Tore durch verwandelte Siebenmeter verbuchte, sicher ihr Torkonto noch höher schrauben können. Das wäre auch Belohnung für nimmermüden Einsatz gewesen, denn sie, Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg (3 Tore) und Babette Bischof (2) hatten von der Hastedter Abwehr reichlich einzustecken.
Drei Tore verbuchte wie „Hasi“ auch Zsuzsa Nyari, die zur Zeit allerdings nicht ganz in Bestform ist. Je ein Tor erzielten Eike Lange (bis zu ihrer dritten Zwei-Minuten-Strafe in der 51. Minute mit starker Abwehrleistung) und Ivonn Bosza, die sich immer besser in der Mannschaft zurechtfindet.
Im Tor war Petra Küsel in der Anfangsphase nicht ganz so souverän wie gewohnt. In der Schlußviertelstunde aber zeigte sie wieder „alte“ Klasse. Bei Alexandra Hoffmann, die sie zwischen der 18. und 45. Minute ablöste, verlief die Kurve umgekehrt. Sie glänzte erst für lange Zeit und hatte am Ende ihres Einsatzes ein paar Konzentrationsfehler.
STORMARNER TAGEBLATT vom 19.10.1992
Montag, 19. Oktober 1992
Hoffen auf Losglück
(mth). Im vergangenen Jahr ist der VfL Oldesloe ja bereits in der ersten Hauptrunde des DHB-Pokals gescheitert. Der TSV Nord Harrislee (zu der Zeit noch Erstligist) war damals für die Schilk-Truppe noch eine Nummer zu groß. Mit dem Sieg in Hastedt hat der VfL das Vorjahresergebnis schon übertroffen.
Aber der Ehrgeiz ist damit für diesen Wettbewerb bei Andrea Hasenberg und Co. noch lange nicht gestillt. Nun hofft man auf ein günstiges Los für die zweite Runde am 29./30. November. Ein Heimspiel käme da natürlich besonders gelegen. Ausgesprochene Wunschgegner hat Trainer Claus Schilk da nicht. Auch Erstligisten wären ihm genehm. „Am besten eine Mannschaft aus dem unteren Drittel der Bundesliga“, gibt er seine Hoffnungen preis, „denn die wären für Oldesloe ohne Zweifel eine Attraktion, ohne daß wir wie gegen Spitzenteams aus Walle, Lützellinden, Buxtehude oder Magdeburg sportlich von vornherein auf verlorenem Posten stehen.“
STORMARNER TAGEBLATT vom 19.10.1992
Montag, 19. Oktober 1992
Spannende Spiele und alte Bekannte
Trittau (us). Handball-Fans, aufgepaßt! Die besten Handballerinnen im Juniorenalter geben sich am nächsten Wochenende (24. und 25. Oktober) ein Stelldichein im Kreis Stormarn: Zum „Inge-Küster-Turnier“ reisen die Auswahlmannschaften von Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Sachsen-Anhalt nach Trittau an.
Dieses Turnier dient auch zur Sichtung für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB). „Wir hoffen bei dieser tollen Veranstaltung auf viele Zuschauer“, meint Ingo Naths, Trainer der Oberliga-Damen der GHG Hahnheide.
Am Sonnabend (ab 12 Uhr) und Sonntag (10 Uhr) wird in der Trittauer Sporthalle Handball „vom Feinsten“ geboten. Mit dabei sind auch „alte Bekannte“ aus unserem Kreis. Claus Schilk, Coach des Zweitligisten VfL Oldesloe, betreut nämlich auch die Auswahl Schleswig-Holsteins. Im Aufgebot steht unter anderem die VfLerin Ivonn Bosza, die im Spiel gegen Bremen auf ihre ehemalige Mannschaft trifft.
STORMARNER TAGEBLATT vom 19.10.1992
Montag, 19. Oktober 1992
Stress
(mth). Ein Handball-Verrückter“ – in positivem Sinn – ist Claus Schilk schon immer gewesen. Aber so sehr wie zur Zeit ist er noch selten im Stress gewesen. Ein Beispiel aus seinem Handball-Terminkalender gefällig?
Sonnabend stand zunächst die Pokalreise nach Bremen an. Nach der späten Rückkehr ging es keineswegs gleich nach Hause. Schließlich wollte er Uwe Marschalkowski, Trainer der befreundeten Fußballer des SC Union, noch zu dessen 40. Geburtstag gratulieren.
Das war aber kein Hinderungsgrund, am Sonntag früh aus den Federn zu kommen. Schon um 9 Uhr mußte er (Ivonn Bosza im Schlepptau) zu einem Trainingslehrgang der schleswig-holsteinischen Juniorinnenauswahl, die er ganz nebenbei auch noch coacht, aufbrechen. Von dort ist er dann gleich ohne Pause nach Kamen (Westfalen) aufgebrochen, wo er bis einschließlich Mittwoch für den Erwerb der Trainer-A-Lizenz büffelt.
Welch ein Glück für ihn, daß er verheiratet ist mit einer Frau, die als frühere Handball-Nationalspielerin ja einst vom gleichen Virus befallen war. Auf Trab wird Ingrid Schilk ja von Nina (3 Jahre) und den Zwillingen Lisa und Julia (gut drei Monate) ja auch ohne „Crazy Claus“ gehalten.
STORMARNER TAGEBLATT vom 19.10.1992
Sonntag, 25. Oktober 1992
Sieg für Hamburg
Den Pokal gab's von der „Handball-Oma“' persönlich
Trittau (us). Was haben Christoph Daum und Hans-Herbert Ludolf gemeinsam? Beide haben eine Bundesliga-Mannschaft zum deutschen Meistertitel geführt- Daum bei den Fußball-Herren, Ludolf bei den Handball-Damen – und beide sorgten durch einen Fehler in der Aufstellung dafür, daß ihre Mannschaft disqualifiziert wurde.
Dem Stuttgarter Daum passierte das ausgerechnet im Europapokal, die Konsequenzen für den Bremer Ludolf, der jetzt den BSV Buxtehude trainiert, sich aber nach wie vor um den Bremer Nachwuchs kümmert, waren da weit weniger schlimm. Die Handball-Juniorinnen Bremens mußten beim 17. Lnge-Küster-Turnier der norddeutschen Auswahlmannschaften am zweiten Tag außer Konkurrenz weiterspielen.
Stein des Anstoßes: Im Bremer Aufgebot spielte die 20jährige Russin Tatjana Loungrin (Hastedter TSV), das Turnier war aber nur für 17- bis ·19jährige Spielerinnen ausgeschrieben.
Da gab's Tränen bei den Bremerinnen, Trainer Ludolf konnte den Irrtum gar nicht begreifen: „Da muß wohl ein Übermittlungsfehler passiert sein“, so der Coach achselzuckend.
So wurde aus dem Fünf-Länder-Turnier der Handball-Juniorinnen in der Trittauer Sporthalle am zweiten Tag ein Vier-Länder-Turnier. Sieger wurde die Hamburger Auswahl, Platz zwei belegte die von Claus Schilk trainierte Mannschaft Schleswig-Holsteins. Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bremen belegten die weiteren Ränge. …
STORMARNER TAGEBLATT vom 26.10.1992
Montag, 26. Oktober 1992
Von der Weltstadt in die Kreisstadt
(Ulrich Schröder). Das Wiedersehen mit ihren alten Mannschaftskameradinnen verlief schmerzhaft, allerdings nicht für sie selbst. Im Spiel Schleswig-Holstein gegen Bremen traf Ivonn Bosza (VfL Oldesloe) die Bremer Torfrau Andrea Rüdiger so unglücklich am Mund, daß der Bremerin nach der Partie ein Zahn fehlte.
Seit Saisonbeginn spielt die 17jährige Ivonn für den Zweitligisten VfL Oldesloe. Vorher war sie für die zweite Mannschaft des TuS Walle Bremen aktiv und trainierte regelmäßig mit der Erstliga-Meistertruppe mit. Das Handballspielen hat sie in Ungarn gelernt.
„Ich habe in Budapest die Weltmeisterschaft der Frauen gesehen und wollte das auch machen“, erzählt sie. Beim ersten Anlauf hatte die damals Achtjährige allerdings kein Glück: Sie sei noch zu klein, erzählte man ihr bei Vasas Budapest, sie solle doch wiederkommen, wenn sie zehn Jahre alt wäre.
Das tat sie und trainierte eifrig mit. Bis zum Sommer 1984: Da nutzten ihre Eltern (Vater Ungar, Mutter Deutsche) einen Urlaub in Emden zur Ausreise. Ivonn spricht tadellos Deutsch, aber natürlich kann sie auch noch perfekt ungarisch. Der Name „Vegyepszer“ (ihr erster Verein) – ein Wort mit Zungenbrecherqualität kommt flüssig über ihre Lippen.
Seit Sommer lebt die 17jährige, die bei der Stadt eine Lehre als Verwaltungsfachangestellte begonnen hat, in Bad Oldesloe. Wann immer es die (knapp bemessene) Zeit zuläßt, steigt sie in den Zug und besucht ihre Eltern in Bremen.
Wenn sie für die VfL-Damen spielt, dann kommen ihre Eltern regelmäßig in die Stormarnhalle und drücken ihrer talentierten Tochter fest die Daumen. In die Mannschaft hat sie sich ohne Schwierigkeiten eingelebt: „Die anderen sind sehr nett“, freut sie sich. Da lassen sich auch kleine Rückschläge verdauen: Trainer Schilk war am zweiten Tag des Inge-Küster-Turniers mit der Abwehrarbeit seines Schützlings gar nicht zufrieden und beorderte sie vor dem Spiel gegen Hamburg kurzerhand auf die Tribüne.
STORMARNER TAGEBLATT vom 269.10.1992
Freitag, 30. Oktober 1992
VfL-Damen müssen weit reisen
Schilk: „Das wird ein schwerer Gang“
(mth). Nach der Punktspielpause an den beiden letzten Wochenenden muß die Bundesliga-Truppe der Handballabteilung des VfL Oldesloe an diesem Wochenende ihre weiteste Reise der Punktrunde antreten. Die Truppe von Trainer Claus Schilk muß den BSV „Blau-Weiß“ Frankfurt/Oder aufsuchen.
Der VfL ist seit dem fünften Spieltag mit 8:2 Punkten ja schon wieder Tabellenführer, die Frankfurterinnen dagegen befinden sich als augenblicklicher Tabellenzehnter mit 2:8 Punkten schon wieder mitten im Abstiegskampf. In der letzten Saison hatten sie den Klassenerhalt ja nur mit Hängen und Würgen geschafft. In der Klasse waren sie letztlich nur durch den Rückzug des TSV Jarplund-Weding geblieben.
Klar, daß der VfL unter diesen Voraussetzungen als eindeutiger Favorit ins Spiel, das am Sonnabend um 19 Uhr in der Sporthalle der 9. Grundschule in Frankfurt-Beresinchen beginnt, geht. Aber Claus Schilk warnt nachdrücklich davor, die Partie als „Selbstgänger“ für seine Truppe anzusehen.
„Das wird für uns ein ganz schwerer Gang“, ist er sich sicher. Zum einen hat er da noch das Spiel in der letzten Saison in Erinnerung, als sein Team, das damals als Meister schon feststand, dennoch ehrgeizig in die Begegnung ging, weil es galt, die blütenreine Serie zu verteidigen, bis weit in die zweite Halbzeit hinein mächtig zu kämpfen hatte, ehe sie sich in der Schlußviertelstunde vom Gegner entscheidend absetzen konnte.
Damals spielte Eike Lange noch in den Reihen der Frankfurterinnen mit. Sie machte dabei ihren jetzigen Mannschaftskolleginnen mächtig zu schaffen und freut sich natürlich auf ein Wiedersehen mit ihrer alten Truppe. Ihre Einbindung in das VfL-Team ist bislang ja nicht ganz reibungslos gelaufen.
Sie hatte doch einige Schwierigkeiten, sich an Tempo und Spielweise des VfL-Teams zu gewöhnen, zeigte aber zuletzt deutlich aufsteigende Form. Für sie war die Umstellung natürlich auch nicht ganz einfach. Zur neuen Umgebung kam dazu, daß das Spiel beim VfL, anders als vorher in Frankfurt, nicht direkt auf sie zugeschnitten und ausgerichtet ist.
Entsprechend hat sich natürlich auch der morgige VfL-Gegner umstellen müssen. Das ist ihm weitgehend gelungen, weil mit Jugend-Nationalspielerin Nikola Pietzsch eine Spielerin zur Mannschaft gestoßen ist, die gewaltig Druck aus dem linken Rückraum machen kann.
Sie ist vom Erstligisten BFV Frankfurt an den Nachbarn ausgeliehen worden. Um die Basis für Spitzen-Damenhandball im östlichsten Teil unseres wiedervereinigten Landes zu gewährleisten, haben die beiden Clubs eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit. Zwischen ihnen findet ein reger Austausch von Spielerinnen statt.
Deshalb ist man natürlich daran interessiert, „Blau-Weiß“ in der zweiten Liga zu halten, um den idealen Unterbau für die Bundesliga zu gewährleisten. Entsprechend, so Schilks Überzeugung, wird sich die Mannschaft gegen den VfL „reinhängen“. Zumal sie nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen hat.
Gegen eine Oldesloer Mannschaft, die natürlich auch von der langen Anreise geschlaucht sein werden. Die beginnt am Sonnabend um 12.30 Uhr an der Stormarnhalle. Ein paar Plätze sind im Bus noch für Schlachtenbummler frei. Interessenten sollten sich umgehend mit Jürgen Dorn unter der Oldesloer Telefonnummer 5108 in Verbindung setzen, oder sich rechtzeitig vor Abfahrt einfinden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 30.10.1992
Sonnabend, 31. Oktober 1992
Blau-Weiß Frankfurt/Oder – VfL Oldesloe 19:22 (10:12)
Nach Kampf mit Haken und Ösen
VfL behielt knapp die Oberhand
(mth). Auf eine harte Auseinandersetzung waren die Handball-Damen des VfL Oldesloe vor ihrer Begegnung bei Blau-Weiß Frankfurt/Oder eingestellt gewesen. Schließlich hatten sie auch in der letzten Saison, als sie ja ohne jede Blessur durch die zweite Liga marschiert waren, in der Stadt ganz im Osten Deutschlands einigen Widerstand zu überwinden gehabt, ehe sie beide Punkte unter Dach und Fach gehabt hatte.
Aber die Schützlinge von Trainer Claus Schilk rieben sich dann doch die Augen, als sie gewahr wurden, was in der Partie tatsächlich auf sie zukam. Es wurde für sie eine in jeder Beziehung harte Auseinandersetzung, die lange auf des Messers Schneide stand, ehe der 22:19 (12:10)-Erfolg der Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg feststand.
Dabei war es ganz offenbar nicht nur besonderer sportlicher Ehrgeiz, der dem VfL entgegenschlug. Der ist ja verständlich und erklärlich. Kommt ein Tabellenführer zu einer abstiegsgefährdeten Mannschaft, legt sich letztere immer besonders ins Zeug. Das ist nicht nur im Damenhandball der Fall, sondern findet sich im Sport immer wieder.
Aber den Oldesloerinnen schlug in Frankfurt mehr als nur gesteigerter sportlicher Ehrgeiz entgegen. Von der Zuschauertribüne und von der gegnerischen Mannschaft. Da spielen ganz offensichtlich Probleme, die im Zuge der Vereinigung hochgekommen sind, eine Rolle.
Das war aus Zuschauerzurufen herauszuhören, von denen sich einige VfL-Spielerinnen ebenso geschockt und getroffen zeigten wie von der überharten, ja bisweilen unfairen und brutalen Spielweise, die die Frankfurterinnen von der ersten Minute an den Tag legten.
Der wurde vom Schiedsrichtergespann Ferchow/Tausch aus Bautzen und Weißenhorn leider selten oder kaum entsprechend entgegengewirkt. Ein solch schlechtes und unsicheres Gespann ist dem VfL in der Bundesliga noch selten untergekommen.
Da half auch nicht, daß die unbeherrschteste Frankfurter Spielerin, Doreen Buse, nach zwei derben Fouls gegen Zsuzsa Nyari schon nach zehn Minuten mit zwei Zeitstrafen belastet war. Spätestens für ihr zweites Foul hätte sie unbedingt Rot sehen müssen. So aber durfte sie bis zur 40. Minute ungestraft weiterspielen und foulen, ehe sie endlich mit einer dritten Zeitstrafe aus dem Verkehr gezogen wurde.
Bis dahin hatte sich, was den Ergebnisverlauf anging, allerlei ereignet. Der VfL war schnell mit 2:0 in Führung gegangen (2. Minute), sah sich dann plötzlich mit 2:4 im Rückstand (9.), zog wieder auf 7:4 (18.) davon und lag nach einem 12:10-Halbzeitvorsprung plötzlich mit 12:13 (36.) im Rückstand.
Auch als der VfL bis zur 43. Minute erneut mit einem 17:14-Vorsprung den Spieß umgedreht hatte, war die Partie noch nicht gelaufen. Frankfurt kam bis zur 47. Minute auf 17:18 heran und nun drohte die Partie endgültig zu kippen.
Babette Bischof und Roswitha Bein hatten sich, genervt durch pausenlose, meist ungeahndete Attacken zu Revanchen hinreißen lassen und mußten parallel Zeitstrafen absitzen. Aber just in dieser Zeit doppelter Unterzahl parierte Petra Küsel in toller Manier einen Siebenmeter von Doreen Brückner.
Dabei hatte „Piet“ vorher zwischen der 17. und 30. Minute überhaupt keine Bande zum Spiel gefunden, als sie für Alexandra Hoffmann, die bei einem Siebenmeter von Ilka Kuschke regelrecht abgeschossen wurde, einsprang. Gottlob konnte „Alex“ nach der Pause wieder mitwirken und sie war schließlich eine der großen Gewinnerinnen des VfL.
Der nämlich zog nach dem Siebenmeter und überstandenen Zeitstrafen auf 22:17 davon und konnte so den letzten beiden Frankfurter Treffern gelassen entgegensehen. überragend in der Oldesloer Mannschaft, die sich streckenweise ziemlich den Schneid abkaufen ließ, neben Alexandra Hoffmann war Zsuzsa Nyari. Sie präsentierte sich endlich wieder einmal in Topform und war nicht nur wegen ihrer acht Treffer Garant für·den Sieg.
Starke Szenen hatte auch Marion Werner (5/2). Gewohnt zuverlässig agierte in Abwehr und Angriff Andrea Hasenberg, die ebenso wie Babette Bischof drei Tore erzielte. Einen Treffer steuerte schließlich auch Ivonn Bozsa zum Sieg bei.
Eike Lange dagegen ging auch gegen ihre ehemaligen Mannschaftskolleginnen leer aus und wirkte erneut oft hölzern und unbeweglich.
STORMARNER TAGEBLATT vom 2.11.1992
Freitag, 6. November 1992
KSV Holstein Kiel Gast in der Stormarnhalle
Mit einem Sieg im Landesderby will der VfL seine Spitzenposition festigen
(mth). Vor acht Tagen noch hatte es den Anschein, als würde die Begegnung zwischen dem VfL Oldesloe und dem KSV Holstein Kiel morgen ab 19.30 Uhr in der Stormarnhalle das Spitzenspiel in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord schlechthin.
Bis zum vierten Spieltag lag das Team aus der Landeshauptstadt ohne jeden Punktverlust an der Tabellenspitze. Dann wurde es von der Oldesloer Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg abgelöst, hielt aber weiter den zweiten Rang.
Die Chancen, daß morgen die beiden erstplacierten Mannschaften der Liga punktgleich zum absoluten Schlagerspiel antreten würden, standen denkbar günstig. Aber während der VfL seinen Part dafür mit einem 22:19-Erfolg bei „Blau-Weiß“ Frankfurt erfüllte, gab es für die Kielerinnen knapp 24 Stunden später einen Rückschlag. Sie verloren nämlich denkbar knapp mit 20:21 gegen Bundesliga-Absteiger VB 49 Berlin und in der Tabelle sackten sie damit gleich vom zweiten auf den sechsten Rang ab.
Dennoch läßt sich das Spiel morgen ohne Einschränkung als Spitzenspiel' der Liga einstufen. Ganze zwei Punkte trennen die beiden Mannschaften voneinander. Eine Chance also für die Kielerinnen, sich mit einem Schlag wieder voll ins Gespräch zu bringen.
Klar, daß sich die Truppe um die gefährlichen Außenstürmerinnen Christiane Meyer und Mandy Heinelt und die wurfgewaltigen Rückraumschützinnen Beeke Gödecke – gegen Berlin mit zehn Treffern herausragende Werferin – und Tina Asmussen in Bad Oldesloe besonders ins Zeug legen werden. Bei einer Niederlage gegen den VfL, das können sie sich unschwer ausrechnen, würden sie mit Sicherheit für absehbare Zeit ins unbedeutende Tabellenmittelfeld zurückwerfen.
Außerdem wollen sie sich unbedingt gegen den VfL revanchieren. Insbesondere in der Hinrunde der letzten Saison nämlich kassierten sie gegen die Schilk-Truppe eine denkbar unglückliche Niederlage. 20:21 hatten sie da das Nachsehen, wobei die Entscheidung zugunsten des VfL damals buchstäblich in letzter Sekunde fiel. Im Rückspiel in der Stormarnhalle fiel der VfL-Erfolg mit sieben Toren Vorsprung zwar wesentlich deutlicher aus, aber auch er war umkämpfter, als es der 25:18-Endstand damals ausdrückte.
Während die Kielerinnen also auf Revanche dafür bedacht sind, käme den Schützlingen von Trainer Claus Schilk eine Wiederholung des letztjährigen Erfolges gerade recht. In Höchstform hat sich die Mannschaft in dieser Saison zwar erst einmal (beim Auftaktsieg gegen den TSV Nord Harrislee) präsentiert, aber sie ist ansonsten so gefestigt, daß sie auch weniger gute Tage erfolgreich beenden und auch Rückschläge (die Niederlage am zweiten Spieltag in Rostock) verkraften kann.
In heimischer Halle haben Zsuzsa Nyari (am letzten Sonnabend in Frankfurt/Oder endlich einmal wieder in Galaform) dazu ihre Anhänger eigentlich noch nie enttäuscht. Sicher auch, weil ihnen in der Stormarnhalle immer gewaltige Unterstützung zuteil wird.
Obwohl die ersten Punktspiele in dieser Saison nie ganz ausverkauft waren. Das müßte eigentlich morgen anders sein. Da es sich beim Landesderby wahrlich um ein Schlagerspiel der Klasse handelt, müßte die Stormarnhalle morgen eigentlich wieder einmal aus allen Nähten platzen. Da empfiehlt sich für Fans, die noch keine (Dauer-)Karte haben, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen, wollen sie einen in der renovierten Stormarnhalle ja rarer gewordenen Sitzplätze ergattern.
STORMARNER TAGEBLATT vom 6.11.1992
Sonnabend, 7. November 1992
VfL Oldesloe – Holstein Kiel 19:16 (8:6)
Stormarnhalle erstmals in dieser Saison voll besetzt
Viel Kampf und Krampf im Landesderby
Sieg des VfL nie ernsthaft in Gefahr
(mth). Die Erwartungen der schleswig-holsteinischen – insbesondere die der Stormarner – Handballfans waren vor dem Landesderby in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen zwischen dem VfL Oldesloe und dem KSV Holstein Kiel ziemlich hochgesteckt.
Schließlich handelte es sich um das Spitzenspiel der Klasse, auch wenn die Kielerinnen durch zwei vorangegangene Niederlagen vom ersten auf den sechsten Platz zurückgefallen waren. Mit einem Sieg hätte die Truppe aus der Landeshauptstadt, die ihre Heimspiele allerdings mittlerweile in Preetz austrägt, mit dem VfL, der sie an der Tabellenspitze abgelöst hat, aber nach Punkten schon wieder gleichziehen können.
Für Spannung war also gesorgt und erstmals in dieser Saison war die Stormarnhalle mit 450 zahlenden Zuschauern restlos ausverkauft. Die Begegnung selbst hat dann die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen können. Spielerisch blieben hüben und drüben doch viele Wünsche offen.
Einsatz und Kampfbereitschaft waren Trumpf und das zog viel Hektik und Zerfahrenheit nach sich. Dabei traten die Verkrampfungen, die solche Spielweise fast notwendigerweise mit sich bringen, auf Seiten der Kielerinnen deutlicher und stärker zutage. Insofern war schließlich auch der 19:16 (8:6)-Erfolg der Oldesloerinnen nie wirklich in Gefahr.
In Rückstand geriet die Truppe von Trainer Claus Schilk, der gesundheitlich stark angeschlagen auf der Bank Platz genommen hatte und seine Schützlinge bei weitem nicht so temperamentvoll wie gewohnt dirigierte, nur ein einziges Mal in der Anfangsphase. 2:1 führten die Kielerinnen nach fünf Minuten aber nur deshalb, weil der VfL auch mit besten Chancen (Ivonn Bosza) nichts anzufangen wußte und mit reichlich Treffern an Pfosten und Latte einiges Pech hatte.
Letztmalig den Gleichstand schafften die Kielerinnen in der 19. Minute, als Beeke Goedecke zum 5:5 einwarf. Nur drei Minuten später kassierte die Haupttorwerferin beim KSV Holstein, auf die das Spiel sehr zugeschnitten ist, schon ihre zweite Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Das schränkte ihren Aktionsradius doch ziemlich ein – sie wurde fortan nur noch in der Offensive eingesetzt und erfreute sich dort „liebevoller“ Betreuung durch die VfL-Abwehr – und lähmte zugleich das Spiel der Kielerinnen.
Als Beeke Goedecke in der 40. Minute durch eine Riesendummheit – sie verzögerte die Ausführung eines VfL-Freiwurfes regelwidrig – dann gar endgültig ausscheiden mußte, war die Partie endgültig gelaufen. Die Oldesloerinnen führten zu diesem Zeitpunkt eh schon mit 12:8 und zogen dann bis zur 48. Minute auf 16:9 davon.
Danach ließen die Stormarnerinnen die Zügel schleifen und als der Vorsprung innerhalb weniger Minuten von 17:11 (53.) auf 17:14 (56.) geschrumpft war, witterten die Kielerinnen, die nie aufsteckten, sogar noch einmal Morgenluft.
Aber ihre aufkommenden Hoffnungen wurden durch zwei von Roswitha Bein und Marion Werner verwandelte Siebenmeter postwendend im Keim erstickt. Zwei weitere Gegentreffer in der Schlußminute waren dann für den VfL nur noch ein Schönheitsfehler.
An der Zerfahrenheit der Partie, die die gesamten 60 Minuten zu spüren war, hatten nicht nur beide Teams ihren Anteil. Dazu trug auch das Schiedsrichtergespann Dr. Bannuscher/Repschläger aus Rostock gehörig bei. Deren Leistung in der Stormarnhalle war wenig überzeugend, ja streckenweise sogar indiskutabel.
Anfangs hatten dabei die Kielerinnen reichlich Grund, sich über merkwürdige Regelauslegungen zu mokieren – ihre Bank tat das auch ausgiebig und lautstark –, später dann nivellierten sich dann die Benachteiligungen für beide Mannschaften. Dabei blieben die beiden Unparteiischen nicht etwa bei einer Linie, sie schwankten vielmehr in ihren Regelauslegungen und waren so für die Spielerinnen unberechenbar.
Die Torausbeute beim VfL war diesmal auf alle Feldspielerinnen ziemlich gleichmäßig verteilt. Am erfolgreichsten war mit fünf Treffern Marion Werner. Darunter waren auch zwei verwandelte Siebenmeter. Einen verwarf sie in der Anfangsphase ebenso wie Zsuzsa Nyari. Die Juniorinnen-Nationalspielerin bot dazu eine glänzende Abwehrleistung. Sie hatte Mandy Heinelt, die dem VfL im letzten Jahr mächtig zugesetzt hatte, jederzeit gut im Griff.
Starke Abwehrleistungen zeigten aber auch Roswitha Bein (mit 4/3 Treffern zweiterfolgreichste Werferin), Babette Bischof und Andrea Hasenberg (je 2 Tore). Im Angriff war trotz aufmerksamer Bewachung Zsuzsa Nyari (3) effektivste Spielerin, wobei ihre Mitspielerinnen nicht immer auf ihre Spielzüge eingingen.
Deutliche Fortschritte sind auf spielerischem Sektor bei Ivonn Bosza zu erkennen. Sie allerdings ist vor dem Tor noch nicht kaltblütig genug. Sonst hätte sie weit mehr als nur einen Treffer erzielen müssen. Noch immer Mühe, sich nahtlos ins VfL-Spiel einzufügen, hat Eike Lange. Aber vielleicht platzt bei ihr ja auch noch der Knoten. Daß sie mehr kann, als sie bisher zeigte, deutete sie an, als sie innerhalb von 60 Sekunden „explodierte“ und ihre beiden Treffer zum 9:6 und 10:6 anbrachte.
In toller Form war einmal mehr Torhüterin Petra „Piet“ Küsel. Imponierend dabei nicht nur ihr Stellungsspiel als Grundlage für Serien guter Paraden, sondern auch ihre präzisen Abwürfe bei Tempogegenstößen und ihr Mut, gegnerische Schnellangriffe zu unterbinden. Alexandra Hoffmann kam diesmal nur bei einem Siebenmeter zum Einsatz.
STORMARNER TAGEBLATT vom 9.11.1992
Freitag, 13. November 1992
VfL-Handball-Damen morgen in Berlin
Claus Schilk hat Respekt vor „Riesen“ im Rückraum des VB 49
(mth). Im Spitzenspiel der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen tritt Tabellenführer VfL Oldesloe morgen um 18.30 Uhr in der Sporthalle am Saefkow-Platz (im ehemaligen Ostteil der Hauptstadt gelegen) bei Bundesliga-Absteiger VB 49 Berlin an.
Hinter den Stormarnerinnen, die ja seit drei Spieltagen wieder die Spitzenposition in der zweiten Liga, die sie in der letzten Saison vom ersten bis zum letzten Tag inne hatte, erobert haben, haben sich die vier Erstligaabsteiger inzwischen als geschlossene Verfolgergruppe formiert. Auf sie alle vier – außer den Berlinerinnen (zur Zeit Platz drei) noch der TSV Nord Harrislee, die HSG Wismar und der HC Empor Rostock- wird der VfL in dieser Saison sein Hauptaugenmerk legen müssen, will er sich wieder in der Endabrechnung einen Spitzenplatz sichern.
Der Coach der Oldesloer, Claus Schilk, hat den morgigen Gegner bei dessen Gastspiel vor zwei Wochen in Preetz gegen den KSV Holstein Kiel unter die Lupe genommen. „Das ist wohl die längste Truppe der Liga. Fast alle Spielerinnen, eine gute Mischung aus Routiniers mit Bundesliga-Erfahrung und hoffnungsvollen Nachwuchstalenten aus der Kaderschmiede des TC Berlin (Spitzenclub in der früheren DDR), sind zwischen 1,75 und 1,85 Meter groß. Entsprechend stark ist ihr Rückraum“, zeigt Schilk Respekt vor dem Gegner.
Dazu hat er ausgemacht, daß die Berlinerinnen risikoreiches Tempospiel pflegen und beherrschen. Dort hofft er den Hebel ansetzen zu können, denn in der Abwehr von VB 49 hat er Schwächen (u.a. die Torhüterinnen) entdeckt. „Wenn wir selbst oft genug treffen, nehmen wir ihnen die Chancen zu Tempogegenstößen und berauben sie damit ihrer schärfsten Waffe“, macht Schilk in Optimismus.
Er selbst wird die Reise in die Hauptstadt allerdings nicht mitmachen können. Er hat seine fiebrige Erkrankung beileibe noch nicht auskuriert. Aber für hochkarätigen Ersatz ist gesorgt. Thomas Gloth, früher Trainer der Herren-Bundesliga-Mannschaft des VfL Bad Schwartau und jetzt PR-Manager beim VfL Fredenbek, der Schilk schon in der letzten Saison oft beratend zur Seite stand, hat für ihn in dieser Woche das Training geleitet und wird in Berlin auch von der Bank aus das Team coachen.
In dem wird möglicherweise die Deutsch-Russin Irina Derr schon mitwirken können. Ursprünglich war ihr Einsatz ja frühestens für das nächste Heimspiel (21. November gegen TuS Alstertal) in Aussicht gestellt worden. Aber die Formalien haben sich schneller als erwartet erledigen lassen. Trifft jetzt auch noch eine schriftliche Bestätigung ihres letzten Vereins ein, daß der keinen Freigabevorbehalt hat, fernmündlich ist das schon geschehen, steht einem Einsatz der Rückraumspielerin schon morgen nichts im Wege.
Das käme dem VfL gerade gegen diesen Gegner mit seinen „Riesen“ im Rückraum sehr gelegen, denn auch Irina Derr mißt 1,82 Meter. Das Gros der anderen VfL-Spielerinnen ist ein ganzes Stück kleiner. Aber das muß nichts besagen. Daß die Oldesloerinnen auch mit weniger Körpergröße Spitzenhandball spielen können, haben sie schließlich in Vergangenheit und Gegenwart oft genug gezeigt.
Der Mannschaftsbus fährt um 12.30 Uhr am Sonnabend von der Stormarnhalle ab. Einige Plätze sind in ihm für Fans noch frei. Interessenten sollten sich rechtzeitig vor der Abfahrt am Bus einfinden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 13.11.1992
Sonnabend, 14. November 1992
VB Berlin – VfL Oldesloe 19:18 (8:6)
18:19. Für die VfL-Handball-Damen wachsen die Bäume nicht in den Himmel
(mth). Die Bäume für die Handball-Damen des VfL Oldesloe in der zweiten Liga/Gruppe Nord wachsen nicht in den Himmel. Zum zweiten Mal in dieser Saison kassierte die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg in einem Auswärtsspiel bei einem Bundesliga-Absteiger eine Niederlage.
Mit 18:19 (6:8) hatten die Stormarnerinnen beim Sportverein der Berliner Verkehrsbetriebe von 1949 (SV VB 49) das Nachsehen. Damit ist der VfL zugleich die Tabellenspitze los. Er sackte mit dieser Niederlage, die hochgradig überflüssig und ärgerlich war – damit glich sie aufs Haar der ersten Saisonschlappe am zweiten Spieltag in Rostock – gleich vom ersten auf den fünften Tabellenplatz ab.
Aber das muß für die Oldesloerinnen noch nichts bedeuten. Sie weisen genau so wenig Minuspunkte auf wie der neue Spitzenreiter (TSV Nord Harrislee) und haben selbstverständlich weiter alle Chancen, jedwedes Ziel aus eigener Kraft zu schaffen. Aber auch soviel ist sicher: Ein Spaziergang durch die Saison wie im letzten Jahr wird es für den VfL nicht geben.
Vielmehr ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Truppe um die ungarische Nationalspielerin Zsuzsa Nyari mit allen vier Bundesliga-Absteigern – außer den Berlinerinnen und Harrisleerinnen noch der HC Empor Rostock und die HSG Wismar – bis zum Saisonende zu erwarten. Will der VfL dieses Rennen erfolgreich gestalten, dann wird er ein paar Schwachpunkte, die in Berlin deutlich zutage traten, nachhaltig verbessern müssen.
Am dringlichsten, das wurde in der Hauptstadt besonders klar, ist eine Verbesserung des Oldesloer Rückraums. Die Formalitäten hinsichtlich des Wechsels der Deutsch-Russin Irina Derr hatten sich entgegen optimistischen Erwartungen doch noch nicht alle regeln lassen. Sie stand als Entlastung für Babette Bischof, im aktuellen Team praktisch einzige Werferin beim VfL aus der zweiten Reihe, noch nicht zur Verfügung.
Damit war Babette Bischof in Berlin deutlich überfordert. Mehr noch: Ihr fehlte diesmal oft der Blick für Mitspielerinnen. Sie schloß Angriffe oft überhastet ab und hatte am Ende eine Quote von Fehlversuchen, die in keinem gesunden Verhältnis zu ihren drei Treffern stand.
Aber auch bei anderen VfL-Spielerinnen ließ die Chancenauswertung zu wünschen übrig. Beispielsweise bei Ivonn Bosza, die allerdings nur in den ersten zwölf Minuten eingesetzt wurde, und bei Eike Lange. Die bot über mehr als eine halbe Stunde vor allem in der Abwehr eine so gute Leistung wie noch nie in ihrer Oldesloer Zeit, läßt aber im Spiel nach vorn immer wieder technische Defizite erkennen, ist nicht torgefährlich genug (nur ein Tor bei drei/vier dicken Chancen) und war am Ende ganz offensichtlich auch konditionell überfordert.
Sie hätte man gut und gern in der Schlußphase noch einmal auswechseln können. Ein anderer Wechsel dagegen in der Schlußphase erwies sich als problematisch. Petra „Piet“ Küsel hatte in den ersten 53 Minuten zwar nicht überragend, aber doch überwiegend gut gehalten.
Die späte Einwechslung von Alexandra Hoffmann stand aber dann unter einem ganz unglücklichen Stern. Sie kassierte ihren ersten Gegentreffer (zum 15:14 für VB 49 in der 53. Minute), als sie noch gar nicht richtig im Kasten stand, und war fortan verunsichert. Das war in der hektischen Schlußphase natürlich Gift für den VfL.
So kamen die Berlinerinnen schließlich auch zum vorentscheidenden 19:16-Vorsprung 110 Sekunden vor Schluß. Mit ein wenig Glück allerdings hätte der VfL, der die erste Halbzeit mehr oder weniger deutlich „verpennt“ hatte – er lag 6:8 zurück –, im zweiten Spielabschnitt allerdings die klar bessere Mannschaft stellte, auch den Rückstand noch wettgemacht. Er warf nämlich noch zwei Treffer, hatte dazu noch einen Lattenwurf von Roswitha Bein und einen Tempogegenstoß von Eike Lange, den die leider der glänzenden Torhüterin des Gastgebers, Katja Seidel, in die Arme warf.
Erfolgreichste Torwerferin beim VfL war wieder einmal Marion Werner mit 5/2 Toren. Ihr wurden dazu noch ein paar reichlich umstrittene Übertritte vom unsicheren Schiedsrichtergespann Eschenberger/Zabel (Dessau) abgepfiffen.
Darüber konnten aber auch Babette Bischof, Andrea Hasenberg (2 Tore) und Zsuzsa Nyari (3) klagen. Beste VfLerin neben Marion Werner war Roswitha Bein, was sich auch in deren Torkonto (4/2) ausdrückte.
Nicht zurückzuführen kann der VfL die Niederlage auf fehlende Unterstützung im Publikum. Der Mannschaftsbus war erstmals in dieser Saison bis zum letzten Platz mit Fans aufgefüllt und die hatten die Halle mit Trommeln und Pauken so fest im Griff, daß sich der Hallensprecher – verstand sich, wie die meisten Kollegen in den neuen Bundesländern mehr als Kommentator und Animator für das eigene Team – mehrfach genötigt sah, die Berliner Fans zu „Gegenwehr“ aufzurufen.
Ohne Erfolg allerdings. Auf den Rängen war, anders als auf dem aalglatten Parkett, Oldesloe eindeutig Sieger geblieben.
STORMARNER TAGEBLATT vom 16.11.1992
Freitag, 20. November 1992
TuS Alstertal morgen in der Stormarnhalle
VfL: Mit neuer Rückraumschützin zum fünften Heimsieg der Saison?
(mth). In der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen hat sich nach gut einem Drittel der Saison so etwas wie eine Drei-Klassen-Gesellschaft ergeben. Vorne hat sich eine Fünfergruppe, getrennt durch allenfalls einen Minuspunkt, herausgebildet, die den Kampf um den Meistertitel wohl unter sich ausmachen wird.
Außer den vier Bundesliga-Absteigern (TSV Nord Harrislee, VB 49 Berlin, TSG Wismar und HC Empor Rostock) ist darin Vorjahresmeister VfL Oldesloe vertreten. Am Tabellenende drängen sich ebenfalls fünf Mannschaften, von denen die noch punktlose TH Eilbek allerdings bald den Anschluß verlieren könnte.
Dazwischen gibt es ein denkbar kleines Mittelfeld mit nur zwei Mannschaften. Außer dem KSV Holstein Kiel – im Moment nur zwei Punkte vom Spitzen-Quintett entfernt, was sich aber durch das Gastspiel in Wismar ändern dürfte – gehört dazu der TuS Alstertal, der morgen um 19.30 Uhr nächster Gegner des VfL Oldesloe in der Stormarnhalle ist.
Die Alstertalerinnen haben seit der letzten Woche durch einen 28:25-Erfolg über SV Neubrandenburg wieder ein ausgeglichenes Punktekonto (8:8). Allerdings weisen die Hansestädterinnen die schlechteste Tordifferenz der ganzen Liga (-41) auf, was auf ein paar besonders derbe Abfuhren in den letzten Wochen zurückzuführen ist.
Klar, daß der VfL gegen diesen Gegner, den er in der letzten Saison zweimal deutlich besiegen konnte, in der Favoritenrolle ist. Alles andere als der fünfte Sieg im fünften Heimspiel der Saison wäre eine Riesenüberraschung.
Zumal die dünne Personaldecke beim VfL nun endgültig verstärkt werden kann. Irina Derr, die 22jährige Deutsch-Russin aus Krasnodar in Sibirien, ist nun endgültig für die Oldesloerinnen spielberechtigt. Ihre Freigabe liegt jetzt in der Stormarner Kreisstadt vor, nachdem sie vor einer Woche, wie VfL-Trainer Claus Schilk, von seiner Krankheit wieder genesen, beim Kreisspielwart „brachlag“. Bei rechtzeitiger Überstellung des Dokuments von Reinbek nach Bad Oldesloe hätte die hochaufgeschossene Irina Derr schon in Berlin für den VfL spielen können.
Vielleicht wäre dann die ohnehin überflüssige 18:19-Niederlage ja vermieden worden. Schließlich waren dort die Rückraumprobleme, die sich – mal mehr, mal weniger deutlich - ja seit Saisonbeginn auftun, besonders krass zutage getreten.
Vielleicht war die Niederlage vor einer Woche aber auch ein Dämpfer zur rechten Zeit. In Mannschaft und Umfeld hatte sich nach der Siegesserie zuvor schon so etwas wie Sorglosigkeit breitgemacht. Die ist in dieser Saison gänzlich unangebracht. Von einem Alleingang des VfL wird in dieser Saison keine Rede sein können. Vielmehr werden sich Zsuzsa Nyari und Co. mächtig zusammenreißen und konzentrieren müssen, wollen sie auf Dauer im Konzert der Bundesliga-Absteiger eine Geige spielen.
In der letzten Saison hatten sie ja den Part von Dirigent und erster Geige in Personalunion. 22 Siege in 22 Spielen gelangen ihr in der Punktrunde und auch die Aufstiegsrunde verlief ja mit drei Siegen und nur einer Niederlage eigentlich erfolgreich. Allerdings hatte sie ein bitteres Ende. Die einzige Niederlage nämlich kassierte der VfL bei PSV Grün-Weiß Frankfurt/Main, ohne daß er Gelegenheit gehabt hätte, die in eigener Halle auszubügeln.
Damit durften die Frankfurterinnen in der jetzt eingleisigen ersten Bundesliga bleiben. Aber die hat sich, wie in der letzten Saison die zweigleisige, als sportlich und wirtschaftlich als zu groß für sie erwiesen. Erst nach längerem Zaudern hatte man in Frankfurt eine neue Lizenz beantragt und schließlich auch erhalten.
Das war offensichtlich ein voreiliger Schluß. Jetzt nämlich hat der Verein sich, kaum daß ein Drittel der Serie gespielt ist, zurückgezogen und vom Spielbetrieb abgemeldet. Die erste Liga spielt nun mit nur noch 13 Mannschaften weiter. Das ist für alle Beteiligten eine wenig schöne Geschichte und hat für den VfL Oldesloe, dem „so etwas garantiert nicht passiert wäre“ (Schilk), natürlich einen besonders bitteren Beigeschmack.
Den zu tilgen, will sich auch die neue Kendo-Gruppe im VfL Oldesloe mühen. In der Halbzeitpause des Bundesliga-Spiels werden sie Proben ihres Könnens in dieser doch ziemlich exotisch anmutenden ostasiatischen Kampfsportart zeigen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 20.11.1992
Sonnabend, 21. November 1992
VfL-Damen heute erstmals mit Irina Derr
(mth). Mit besonderer Spannung fiebern die Oldesloer Handballfans dem nächsten Heimspiel der Damen des VfL Oldesloe in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord entgegen. Heute um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle gegen TuS Alterstal ist nämlich erstmalig die Deutsch-Russin Irina Derr in der Schilk-Truppe mit von der Partie.
Seit Saisonbeginn leiden die Oldesloerinnen ja unter einen außerordentlich dünnen Personaldecke. Unter den nur sieben Feldspierinnen im Kader gebrach es dem VfL dabei besonders an Rückraumspielerinnen.
Diese Lücke, so hofft man im Lager der Oldesloerinnen, soll die hochaufgeschossene Irina Derr (1,82 Meter) schließen. Von ihr darf man zwar· keine Wunderdinge erwarten, denn in den letzten eineinhalb Jahren hatte sie nur sehr wenig Spielpraxis, aber vorher hat sie immerhin in die erste Liga der ehemaligen Sowjetunion geschnuppert und dort wurde seinerzeit der beste Handball der Welt gespielt.
Aber nicht nur wegen des Neuzugangs aus Krasnodar (Sibirien) verspricht die heutige Partie Spannung und Klasse. Der VfL will sich nämlich für die Niederlage am letzten Sonnabend in Berlin rehabilitieren, um weiterhin in der Spitzengruppe der zweiten Liga ein wichtiges Wort mitreden zu können.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.11.1992
Sonnabend, 21. November 1992
VfL Oldesloe – TuS Alstertal 27:19 (14:9)
Sieg der VfL-Damen war nie ernsthaft in Gefahr
27:19-Erfolg gegen Alstertal
Schilk-Truppe hat den Rückschlag von Berlin gut verdaut
(mth). Daß die Bäume für die Damen-Handballmannschaft des VfL Oldesloe in dieser Saison in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord nicht in den Himmel wachsen, hatte die (überflüssige) Niederlage vor acht Tagen bei VB 49 Berlin, mit der die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg vom ersten gleich auf den fünften Rang absackte, deutlich gemacht.
Aber die Oldesloer Renommiertruppe ist weit davon entfernt, das Rennen um Tabellenspitze, Meisterschaft und Aufstieg deswegen aufzustecken. Im Gegenteil: Wie schon nach der ersten (ebenso überflüssigen) Saisonniederlage in Rostock hat sie sich von dem Rückschlag schnellstens erholt.
Gegen TuS Alstertal zeigte der VfL über 60 Minuten eine überzeugende Leistung und machte mit einem klaren 27:19 (14:9)-Erfolg deutlich, daß mit ihr weiter voll zu rechnen ist.
Dabei war die Partie gegen die Hamburgerinnen sicherlich kein Spaziergang. Eine gute Viertelstunde lang imponierte der TuS Alstertal mächtig in der mit rund 400 Zuschauern wieder prall gefüllten Stormarnhalle. Die Mannschaft ging jedes Tempo mit, gefiel durch gefälliges Kombinations- und Tempospiel und hielt so den VfL in Atem.
Mit 7:6 führten die Oldesloerinnen bis zur 15. Minute nur denkbar knapp und das Resultat schmeichelte bis dahin dem VfL sogar ein wenig. Dann aber zeigte die junge Hamburger Truppe für wenige Minuten Konzentrationsschwächen und schon war es um die Alstertalerinnen geschehen. Bis zur 19. Minute zog der VfL auf 10:6 davon. Anschließend konnten die Gäste bis zur 24. Minute noch einmal auf 8:11 verkürzen, aber wieder erhöhte sich innerhalb weniger Minuten ihr Rückstand auf 8:14 (28. Minute) und damit war dann endgültig alles gelaufen.
Alstertals Trainerin Birgitt Geißler analysierte dann auch
nach der Partie nüchtern: „Solche Konzentrationslücken sind bei uns in allen Auswärtsspielen aufgetreten. Sie erklären unsere hohen Niederlagen in fremden Hallen in den letzten Wochen und, als Folge davon, unsere miserable Tordifferenz.“
Erschwerend kommt für die Alstertalerinnen hinzu, daß es der Truppe an Selbstvertrauen mangelt, mit Courage einmal einem Rückstand hinterherzulaufen. In der zweiten Halbzeit brachte Mannschaft, die vorher durchaus auch den Oldesloer Fans imponiert hatte, kaum noch einen vernünftigen Spielzug zustande. Sie lebte nun nur noch von ein paar Einzelleistungen und Tempogegenstößen und hätte sicher noch klarer verlieren können, hätte der VfL nicht phasenweise reichlich experimentiert.
Aber dazu sind solche Spiele ja auch bestens geeignet. Als Experiment war dabei natürlich auch der Einsatz von Irina Derr zu sehen. Die Deutsch-Russin gab ihr Debut im VfL-Dress und natürlich waren in der Stormarnhalle alle Augen auf sie gerichtet. Sie wurde mit Sonderbeifall empfangen, als sie nach 17 Minuten erstmalig eingewechselt wurde. Und sicher wurde sie dabei mit zu hohen Erwartungen befrachtet.
Fehlende Spielpraxis – sie hat praktisch seit eineinhalb Jahren keine Punktspiele mehr bestritten – hat bei ihr natürlich Spuren hinterlassen, die nicht unverzüglich auszuradieren sind. Und auch die Atmosphäre in der Stormarnhalle ist für sie reichlich gewöhnungsbedürftig. So viele Zuschauer wie in der Stormarnhalle hat sie in der früheren Sowjetunion in einer ganzen Saison zusammen nicht gehabt, und das schürte doch Hemmungen, die sie am Tag vor ihrem 22. Geburtstag nicht einfach abstreifen konnte.
Das zog Unsicherheiten bei der Ballannahme nach sich und wurde besonders auch bei einigen wenigen Wurfversuchen aus der zweiten Reihe sichtbar. Aber mit ein paar Klasseanspielen an den Kreis machte sie auch deutlich, daß sie auf Sicht, wenn sich ihre Hemmungen erst gelegt haben, ganz gewiß eine Verstärkung für den VfL sein wird.
Als die entpuppt sich nach langer Anlaufzeit nun auch Eike Lange. Die kräftige Kreisläuferin aus Frankfurt/Oder zeigte ihre mit Abstand beste Leistung bisher im VfL-Dress. Nicht nur in der Abwehrarbeit, in die sie sich ja in den letzten Spielen schon zunehmend hineingefunden hatte, sondern auch im Angriffsspiel. Mit vier Treffern (darunter ein Siebenmeter) erreichte sie auch ihre mit Abstand höchste Torausbeute, seit sie für den VfL spielt.
Übertroffen wurde sie diesmal in der Beziehung nur von Roswitha Bein. Die war überragende Akteurin des Spiels, ließ sich auch durch kurze Deckung nicht bremsen und war am Ende mit zehn Treffern (davon vier verwandelte Siebenmeter) erfolgreichste Werferin des Spiels.
Auf vier Tore wie Eike Lange kam auch Marion Werner. Sie war aber eine ganze Reihe auch ziemlich von der Rolle, als sie in der ersten Halbzeit bei einem Siebenmeter gleich zweimal scheiterte und wenig später auch einen Tempogegenstoß an der glänzend reagierenden Gäste-Torhüterin Erika Stüven nicht vorbeibringen können. Je drei Treffer gingen auf das Konto von Babette Bischof (weit stärker als in Berlin) und der wie immer zuverlässigen Andrea Hasenberg.
Zsuzsa Nyari hielt sich diesmal als Torschützin (2 Treffer) sichtlich zurück, glänzte aber wieder als mannschaftsdienliche Spielerin. Einen Treffer verzeichnete Ivonn Bosza, die besonders in der Anfangsphase deutliche Fortschritte bei der Integration in die Mannschaft erkennen ließ.
Im Tor des VfL schien sich ein kleines Drama anzubahnen. Bislang hatte in Heimspielen ja fast ausschließlich Petra Küsel gespielt (und dabei geglänzt). Da mochte schon mancher VfL-Fan, der noch keine Auswärtsspiele der Mannschaft gesehen hatte, glauben, Alexandra Hoffmann sei nur „fünftes Rad am Wagen“ im VfL-Team.
Nicht zuletzt, um das richtigzustellen, bekam „Alex“ die Gelegenheit, auch einmal in einem Heimspiel zu beginnen. Das wäre beinahe daneben gegangen. Sie fand überhaupt keine Bande zum Spiel und wurde schon nach 15 Minuten entnervt gegen „Piet“ Küsel ausgetauscht. Die strahlte
dann auch gleich wieder Ruhe und Sicherheit aus.
Für Alexandra Hoffmann ging eine solche Spielentwicklung natürlich an den Nerv. Aber gottlob zerbrach sie daran nicht. In den letzten 18 Minuten – der VfL führte inzwischen sicher – stand sie wieder zwischen den Pfosten. Und sie steigerte sich dabei in eine so hervorragende Form, daß nun auch der letzte VfL-Fan davon überzeugt sein muß, daß die Stormarner Bundesliga-Truppe über zwei ausgezeichnete Keeperinnen verfügt.
STORMARNER TAGEBLATT vom 23.11.1992
Dienstag, 1. Dezember 1992
Eintracht Lüneburg – VfL Oldesloe 15:31
Freitag, 4. Dezember 1992
TSV Hastedt morgen um 19.30 Uhr Gast in der Stormarnhalle
Trainer Claus Schilk plagen Verletzungssorgen
(mth). Wenn morgen um 19.30 Uhr in der Stormarnhalle die Partie in der zweiten Handball-Bundesliga der Damen gegen den TSV Hastedt/Bremen angepfiffen wird, dann werden bei vielen Oldesloer Handballfans, wir rechnen wieder mit einer proppevollen Halle, ganz sicher Erinnerungen wach.
Mit der Truppe aus der Bremer Vorstadt hatte der VfL erstmalig zu tun, als er Mitte der 80er Jahre beim ersten Höhenflug einer Damenmannschaft der Abteilung schon einmal für zwei Jahre der Regionalliga angehörte. Schon damals war der temperamentvolle Jörn Franke Trainer der Bremerinnen, und natürlich erkannte man ihn in Bad Oldesloe wieder, als im letzten Jahr beide Teams in der zweiten Liga erneut die Klingen kreuzten.
Zu einem Spiel unter ganz besonderen Vorzeichen: Beide Mannschaften hatten sich vor Jahresfrist schnell als Meisterschaftskandidaten herauskristallisiert, und dem Spiel kam vorentscheidende Bedeutung für die Vergabe der· Herbstmeisterschaft zu. Das Spiel entschied der VfL seinerzeit auch ohne die gesperrte Zsuzsa Nyari glatt für sich. Aber der TSV Hastedt blieb hartnäckig. Er ließ sich als einziger Konkurrent vom Siegeszug des VfL nicht schrecken und blieb lange mit der Schilk-Truppe auf Tuchfühlung.
Bis zu jenem denkwürdigen Spiel im März in Bremen. Von der Stormarner Kreisstadt hatte eine regelrechte Völkerwanderung nach Bremen eingesetzt, und nicht zuletzt dank der, phasenweise fast übertriebenen, Unterstützung seiner Fans gewann der VfL auch das Rückspiel nach hartem Kampf. Damit war die Meisterschaft für den VfL entschieden gewesen.
Die Hastedter aber hatten an der Heimniederlage bös zu knabbern und erholten sich davon monatelang nicht. Sie verloren in der letzten Saison alle restlichen Spiele und gingen auch in der Aufstiegsrunde, die sie mit Müh und Not doch noch erreichten, tüchtig baden. Die Talfahrt der Bremerinnen setzte sich auch in dieser Saison noch geraume Zeit fort. Die Mannschaft fand sich nach den ersten Spieltagen urplötzlich am Tabellenende wieder und war auch noch nicht wieder erholt, als der VfL vor wenigen Wochen zum Pokalspiel in Bremen weilte. Andrea Hasenberg und Co. siegten dort weit müheloser als im Frühjahr.
Aber in den letzten Wochen hat sich der Hastedter TSV ganz offensichtlich wieder gefangen. Besonders deutlich wurde das vor zwei Wochen, als er VB 49 Berlin ein 17:17 abrang. Gegen den gleichen Gegner hatte der VfL zuvor seine zweite Saisonniederlage erlitten. Dem darf nun gegen die Bremer unter keinen Umständen die dritte folgen, will sich die Mannschaft nicht aus dem Kampf um die Halbzeitmeisterschaft verabschieden.
Aber das wird sicher kein Zuckerlecken werden. Nicht, weil Jörn Franke seine Truppe für das Spiel in Oldesloe sicher besonders heiß machen wird. Aber auch nicht, weil den VfL plötzlich große Verletzungsprobleme plagen. Mit Zsuzsa Nyari (Armverletzung), Roswitha Bein (Probleme im Knie) und Babette Bischof (Grippe) konnten drei Spielerinnen zuletzt nicht oder nur unregelmäßig trainieren und hinter ihren Einsatzmöglichkeiten morgen stehen mehr oder weniger dicke Fragezeichen.
Nyari und Bischof fehlten am Dienstag auch bei einem Trainingsspiel in Lüneburg, das der VfL dennoch glatt mit 31:15 gewann. Die Partie war so etwas wie ein Ablösespiel für die Deutsch-Russin Irina Derr, die vor ihrem Wechsel nach Oldesloe Mitglied bei Eintracht Lüneburg (Regionalliga) war, allerdings nur einmal für die Niedersachsen gespielt hatte.
Sie hat in der Stormarnhalle ja vor 14 Tagen ihr Debüt gegeben. Dabei wirkte sie noch reichlich gehemmt und konnte ihre Fähigkeiten nur andeuten. Natürlich hofft man beim VfL, daß ihr möglichst bald auch hier der Durchbruch gelingt.
Auf jeden Fall aber wird der VfL morgen wieder auf kräftige Unterstützung seiner Fans angewiesen sein. Um die bei Laune zu halten, hat man sich einiges einfallen lassen. Unter anderem wird es eine Tombola mit vielen Preisen geben. Auch deshalb lohnt sicher morgen ein Besuch in der Stormarnhalle. Wiewohl die VfL-Damen ihre Fans in eigener Halle ja auch sportlich eigentlich noch nie enttäuscht haben.
STORMARNER TAGEBLATT vom 4.12.1992
Sonnabend, 5. Dezember 1992
Heute 19.30 Uhr Stormarnhalle
VfL-Damen verstärken sich noch weiter
(mth). Beim letzten Heimspiel vor zwei Wochen gegen TuS Alstertal präsentierte die Damen-Bundesliga-Mannschaft mit der Deutsch-Russin Irina Derr ja den ersten Neuzugang in der laufenden Saison. Damit war die bislang ja reichlich dünne Personaldecke ja schon ein wenig länger geworden.
Gut möglich, daß heute, wenn um 19.30 Uhr das nächste Heimspiel gegen den TSV Hastedt/Bremen in der Stormarnhalle steigt, ein weiterer Neuzugang für den VfL aufläuft.
Unter der Woche nämlich ist sich Claus Schilk mit Mona Münstermann vom Liga-Konkurrenten TH Eilbek über einen Wechsel einig geworden. Unter Umständen konnten die Regularien – Aufhebung des Vertrages in Eilbek, Vertragsunterschrift in Oldesloe – gestern noch so rechtzeitig über die Bühne gebracht werden, daß die Rückraumspielerin schon heute für den VfL spielberechtigt ist.
Unabhängig davon darf man auf ein spannendes und kampfbetontes Spiel heute abend setzen, trifft doch der Meister der letzten Saison (VfL) auf den amtierenden Vizemeister.
Beim Aufeinandertreffen dieser beiden Erzrivalen war schon in der Vergangenheit die Halle immer proppevoll. Damit ist auch für heute zu rechnen, zumal unter den Fans viele wertvolle Preise verlost werden.
STORMARNER TAGEBLATT vom 5.12.1992
Sonnabend, 5. Dezember 1992
VfL Oldesloe – Hastedter TSV 24:16
Erst in der letzten Viertelstunde dem TSV Hastedt/Bremen davongezogen
24:16. Aber der Sieg der VfL-Damen war knapper, als es das Ergebnis ausdrückt
(mth/cr). Wer nicht unter den rund 400 Zuschauern in der nicht ganz so üppig wie sonst besetzten Stormarnhalle gewesen ist und anschließend das Ergebnis des Spiels der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord zwischen dem Vorjahresmeister VfL Oldesloe und dem amtierenden Vizemeister TSV Hastedt/Bremen hörte – der VfL hatte mit 24:16 gewonnen –, mochte meinen, das Spiel sei so gelaufen, wie man es vorher erwarten konnte.
So in etwa hatten sich die Kräfteverhältnisse beider Teams zueinander dargestellt, und mit exakt demselben Ergebnis hatten die Oldesloerinnen vor wenigen Wochen das Pokalspiel in Bremen für sich entschieden. Aber das Ergebnis täuscht gewaltig über den wahren Spielverlauf hinweg.
Bis zur 45. Minute stand die Partie auf des Messers Schneide. 15:15 stand es zu diesem Zeitpunkt, und es war weiß Gott nicht immer der Gastgeber gewesen, der bis dahin das Tempo vorgegeben und das Geschehen bestimmt hatte. Vielmehr hatte zuvor zumeist der TSV Hastedt geführt. Kurz vor der Pause (exakt in der 28. Minute) sogar einmal mit drei Toren Vorsprung (10:7) und den Oldesloer Fans wurde bisweilen angst und bange um die eigene Truppe.
Das hatte natürlich Ursachen. Trainer Claus Schilk konnte zwar letztlich auf alle Spielerinnen seines Kaders zurückgreifen, aber der ist in dieser Saison ja bislang klein gewesen und das fordert nun gegen Ende der Hinrunde seinen Tribut.
Fast alle Spielerinnen waren mehr oder weniger stark gehandicapt in das Spiel gegangen. Ohne ernste Blessuren, so konstatierte Schilk nach der Partie, sind zur Zeit eigentlich nur noch Ivonn Bosza und die beiden Torhüterinnen Petra Küsel und Alexandra Hoffmann. „Unsere Kabine“, so drückte der VfL-Coach es drastisch aus, „glich in der Halbzeitpause einer Intensivstation.
Besonders beeinträchtigt sind aktuell, obwohl sie immer wieder die Zähne zusammenbeißen, Zsuzsa Nyari, die an einer Armverletzung leidet, was ihr in der kommenden Woche erneut einen Ruhegips einbringen wird, Roswitha Bein, deren Knieprobleme man von ihrem schmerzverzerrten Blick nach jedem Körpereinsatz ablesen konnte, und Babette Bischof.
Letztere hatte eine Grippe gerade überstanden und sie erwischte es in der Partie, die vor allem von den Gästen bisweilen reichlich hart geführt wurde, besonders arg. Sie mußte in der 44. Minute mit Verdacht auf eine schwere Bänderverletzung sogar ganz ausscheiden.
Just dieser Ausfall aber rüttelte den VfL endgültig wach. Vorher waren die Oldesloerinnen um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg auch im Bewußtsein ihrer Blessuren zurückhaltend zu Werke gegangen. Der Ausfall von Babette Bischof aber bewirkte eine Trotzreaktion bei ihnen. Ein wenig ärgern hatten sie sich von den Hastedterinnen ja lassen, aber beide Punkte sollten doch tunlichst in Stormarn bleiben.
Beim 15:15 in der 45. Minute schaffte der TSV Hastedt durch ihre Haupttorwerferin Kristine Schröder (6 Tore) letztmalig den Gleichstand. Dann warf der VfL die nächsten acht Tore in Folge bis zum 23:15 selbst. Erst in der 57. Minute gelang dem Gast der nächste und letzte Treffer, den Marion Werner (mit 8 Toren, darunter 3 verwandelten Siebenmetern, erfolgreichste Werferin des VfL) in der Schlußminute mit dem 24:16 beantwortete.
Die weiteren Tore für die Oldesloerinnen erzielten Roswitha Bein (5/3), Zsuzsa Nyari (5), Ivonn Bosza (4), Andrea Hasenberg und Babette Bischof (je 1). Marion Werner, die selbstbewußt wie gewohnt auftrat, Zsuzsa Nyari, die sich ihre Verletzung insbesondere in der zweiten Halbzeit nicht anmerken ließ, und Ivonn Bosza, deren Fortschritte von Spiel zu Spiel deutlicher zutage treten, waren zusammen mit Torhüterin Petra Küsel die besten VfLerinnen.
„Piet“ Küsel hatte in der 25. Minute die vor heimischer Kulisse wieder einmal etwas unglücklich agierende Alexandra Hoffmann abgelöst und damit eine erste kleine Wende im Spiel eingeleitet. Normalform erreichten Andrea Hasenberg und mit Abstrichen trotz ihrer Blessuren Roswitha Bein (war nach 50 guten Minuten aber am Ende ihrer Reserven) und Babette Bischof.
Eike Lange bot in der Abwehr eine gute Leistung, hatte aber im Angriff wieder Anpassungsprobleme. Die hat in noch stärkerem Maß auch noch Irina Derr. Sie wurde erst in der zweiten Halbzeit nach der Verletzung von Babette Bischof eingesetzt und fand, obwohl es ja von da an lief im VfL-Spiel, noch keine Bindung zur Mannschaft.
Beim VfL sehnt man nun natürlich die kurze Winterpause herbei, damit die Verletzungen und Blessuren in Ruhe auskuriert werden können. Noch aber ist es nicht soweit. In der Stormarnhalle steigt das nächste Spiel zwar erst wieder am 23. Januar gegen HC Empor Rostock, aber vorher muß der VfL noch drei Mal auswärts ran.
Am Sonnabend dieser Woche um 16 Uhr beim Spitzenspiel in Wismar – die Abfahrt des Busses, in dem auch Fans mitfahren können erfolgt um 12.30 Uhr an der Stormarnhalle. Mitfahr-Interessenten sollten sich umgehend mit VfL-Abteilungsleiter Jürgen Dorn (Telefon 04531/5108) in Verbindung setzen. Am vierten Advents-Wochenende folgt dann die „Weltreise“ zum Pokalspiel in Augsburg und nach der kurzen Pause erfolgt der Rückrunden-Auftakt dann am 16. Januar um 17 Uhr in der Holmberg-Halle beim TSV Nord Harrislee.
STORMARNER TAGEBLATT vom 7.12.1992
Montag, 7. Dezember 1992
Wechsel perfekt
(mth). Insgeheim hatte Claus Schilk, Trainer der Damen-Bundesliga-Mannschaft des VfL Oldesloe ja gehofft, er könne schon für das Spiel gegen den TSV Hastedt mit einer neunten Feldspielerin auflaufen. Aber der Wechsel von Mona Münstermann zum VfL war in so kurzer Zeit doch nicht zu bewerkstelligen.
Aber nun ist er endgültig unter Dach und Fach. Schon am Sonnabend dieser Woche in Wismar wird der VfL auf die Rückraum-Mitte-Spielerin zurückgreifen können. Das ist angesichts der vielen angeschlagenen Spielerinnen im Kader der Oldesloerinnen sicher eine willkommene Entlastung und Verstärkung.
Es besteht im übrigen begründete Hoffnung, daß personelle Engpässe wie in diesem Jahr beim VfL ab der nächsten Saison nicht mehr zu erwarten sind. Auf der Tribüne beim Hastedt-Spiel sind nämlich vier/fünf gute und talentierte Spielerinnen gesichtet worden, die nicht abgeneigt sind, in Zukunft (mit Beginn der nächsten Serie) in der Stormarner Kreisstadt zu spielen.
STORMARNER TAGEBLATT vom 7.12.1992
Freitag, 11. Dezember 1992
Verletzungssorgen immer größer
Babette Bischof fällt mit Bänderriß aus
(mth). Wohl kaum eine Mannschaft in der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen sehnt das Ende der Hinrunde so sehr herbei wie Vorjahresmeister VfL Oldesloe. Und das nicht, weil der vermeintliche Höhepunkt der ersten Halbserie erst am letzten Spieltag (morgen) steigt.
Dann spielt der VfL um 16 Uhr nämlich bei Bundesliga-Absteiger TSG Wismar, und erst in dieser Partie wird die Entscheidung über den Herbstmeister der Saison 1992/93 fallen. Und zwar definitiv in diesem Spiel.
Dabei können die Oldesloerinnen selbst nicht mehr den inoffiziellen Titel erringen. Denn davon, daß die Schilk-Schützlinge das Spiel in der mecklenburgischen Hansestadt mit wenigstens 18 Toren Differenz gewinnen, ist im Ernst natürlich nicht auszugehen. Aber mit jedem Sieg und sogar schon mit jedem Unentschieden würden die Stormarnerinnen den TSV Nord Harrislee zum Halbzeitmeister küren.
Die Harrisleerinnen nämlich haben (ebenso wie VB 49 Berlin) die Hinrunde schon abgeschlossen. Überflügelt können sie allenfalls von der TSG Wismar werden, wenn die den VfL schlägt. Bei einem Sieg der Oldesloerinnen wären die mit dem derzeitigen Tabellenreiter punktgleich, bei einem Remis die Mecklenburgerinnen. Dann aber würde die bessere Tordifferenz – abgesehen von dem oben zitierten unwahrscheinlichen Fall – den Ausschlag zugunsten des TSV Nord Harrislee geben.
Aus dieser allenfalls kompliziert klingenden, im Grunde aber höchst einfachen Rechnung ist auch ersichtlich, wieviel für den VfL auf dem Spiel steht. Mit einem Sieg sowieso, aber auch mit einem Remis bliebe die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg glänzend im Geschäft. Bei einer Niederlage hingegen würden die Aussichten des VfL, den in der letzten Saison so eindrucksvoll errungenen Titel erfolgreich zu verteidigen und im zweiten Anlauf den Sprung in die erste Bundesliga zu schaffen, ein ganzes Stück sinken.
Dann stünde sie nicht zuletzt beim Rückrundenauftaktspiel in Harrislee (16. Januar) gehörig unter Erfolgsdruck. Und ob sie dem gewachsen wäre, würde sich erst noch zeigen müssen. Auch wenn dann die personelle Situation möglicherweise weniger prekär ist als zur Zeit. Die ist es ja vor allem, warum man in der Stormarner Kreisstadt so sehr das Ende der Hinrunde und die nachfolgende kleine Pause über das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel herbeisehnt.
Verletzungen fast aller Spielerinnen und unübersehbare Verschleißerscheinungen – beides unzweifelhaft auch Folge des überaus engen Kaders in der gesamten Hinrunde – haben den VfL ausgemergelt und sichtlich geschwächt. Dabei kann die Mannschaft noch von Glück sagen, daß definitive Ausfälle bis jetzt immer noch ausgeblieben waren.
Alle Spielerinnen, egal wie sehr sie auch angeschlagen waren, haben zu den Spielen immer wieder die Zähne zusammengebissen und dennoch gespielt. Das werden Zsuzsa Nyari und Roswitha Bein auch für das Spiel in Wismar noch einmal machen. Beide haben allerdings unter der Woche nicht oder nur wenig trainieren können, ja, die Ungarin hat ihren Wurfarm bis zum Spieltag sogar in einen Ruhegips verpackt, der ihr erst morgen. Abgenommen werden wird.
Bei Babette Bischof aber hilft aller noch so starker Wille nicht mehr. Ihre Verletzung vom Spiel am letzten Sonnabend gegen TSV Hastedt hat sich als noch schwerer als befürchtet herausgestellt. Mit einem Bänderriß im Knöchel wird sie mutmaßlich für mindestens sechs Wochen (also auch noch zum Rückrundenstart) ganz ausfallen.
Da trifft es sich natürlich gut, daß Mona Münstermann, der Neuzugang vom Ligakonkurrenten TH Eilbek, ab sofort für den VfL spielberechtigt ist. Ihre Position ist eigentlich die Rückraum-Mitte, auf der sie Roswitha Bein entlasten soll, aber durch den Ausfall von Babette Bischof wird sie wohl auch auf anderen Rückraumpositionen aushelfen müssen.
Zumal der andere VfL-Neuzugang, Irina Derr, ja noch deutliche Anpassungsschwierigkeiten hat. Aber auch ihre Spielanteile in Wismar werden sicher größer sein als in ihren beiden ersten Spielen, in denen die Deutsch-Russin jeweils nur in den Endphasen zum Einsatz kam.
Bleibt zu hoffen, daß die Integration beider Neuzugänge in Wismar praktisch explosionsartig erfolgt. Denn der VfL wird sicher nahe an seine Bestform herankommen müssen, will er in der Hansestadt bestehen. Dabei wird ihm die lebhafte, große Kulisse – bei der TSG rechnet man mit mindestens 700 Zuschauern für das Spiel, das um 16 Uhr angepfiffen werden soll – sicher noch die geringsten Sorgen machen.
Große Zuschauerzahlen und Lärm von den Rängen ist man ja von den Heimspielen gewohnt, und gewiß werden Oldesloer Fans zahlreich unter den Zuschauern vertreten · sein. Für einige gibt es immer noch Mitfahrgelegenheit mit dem VfL-Bus. Interessenten sollten sich rechtzeitig vor der Abfahrt um 12.30 Uhr an der Stormarnhalle einfinden.
Respekt aber nötigt gewiß das Leistungsvermögen des Bundesliga-Absteigers dem VfL ab. Die Mannschaft, die in Doris Danner, Katrin Herold, Dietlana Nehring, Anke Koop – durchweg routinierte Spielerinnen mit Erstliga-Erfahrung – und der groß herausgekommenen Nachwuchsspielerin Sandra Johannisson ihre stärksten Kräfte hat – so hat es Claus Schilk bei Beobachtungen ausgemacht –, hat nach· dem Abstieg aus der höchsten Spielklasse nicht nachgelassen, sondern eher noch tüchtig zugelegt.
Und sie ist blendend in Form, wie ein Sieg mit zehn Toren Differenz bei VB 49 Berlin (dort hatte der VfL vor Monatsfrist verloren) am letzten Wochenende deutlich machte. Der VfL geht deshalb zum ersten Mal seit längerer Zeit nicht als Favorit, sondern als Außenseiter in ein Spiel. Aber das muß für die Stormarnerinnen, die ja oft genug gezeigt haben, daß sie kämpfen können, kein Nachteil sein.
STORMARNER TAGEBLATT vom 11.12.1992
Sonnabend, 12. Dezember 1992
TSG Wismar – VfL Oldesloe 22:19 (11:6)
VfL-Damen lieferten dem neuen·Herbstmeister TSG Wismar einen großen Kampf, unterlagen aber am Ende mit 19:22
(mth). Bemüht man ausschließlich die Statistik, kann man leicht zum Schluß kommen, der 22:19 (11:6)-Erfolg der TSG Wismar im Spitzenspiel der zweiten Bundesliga/Gruppe Nord der Handball-Damen über den VfL Oldesloe in der mecklenburgischen Hansestadt sei ein glatter Gang gewesen.
Der Gastgeber, der mit diesem Sieg Herbstmeister wurde, ging schon nach wenigen Sekunden durch Anke Knoop mit 1:0 in Führung, baute die bis zur 10. Minute bis auf 5:1 aus und ließ den VfL abgesehen von den ersten zwei Minuten (bis zum 3:0 noch 140 Sekunden) nur ein einziges Mal auf zwei Tore heran. Das war in der 51. Minute, als Eike Lange per Siebenmeter auf 15:17 für die Stormarnerinnen verkürzt hatte.
Danach aber wuchs der Vorsprung der TSV Wismar schnell wieder auf vier Tore (19:15 in der 54. Minute). Da konnte es kaum noch berechtigte Zweifel am Sieg der Mecklenburgerinnen geben, und alle die es so sahen, hatten am Ende ja auch recht. Wenigstens was das nackte Ergebnis angeht.
Tatsächlich aber gibt der reine Ergebnisverlauf das hochdramatische Geschehen in der Halle nur denkbar ungenügend wieder. Es war vor gut 800 Zuschauern wirklich ein denkwürdiger Kampf gewesen, wie ihn die zweite Liga in dieser Saison sicher noch kaum gesehen hat.
Der Rahmen war entsprechend und hätte sicher fast sämtliche Erstligaspiele, was Stimmung, Temperament, Engagement und Publikumsunterstützung angeht, in den Schatten gestellt. Wismarer Fans waren natürlich vor heimischer Kulisse in der Überzahl und sorgten für ein Höllenspektakel. Aber da wollten die Oldesloer Anhänger nicht zurückstehen. Auch sie hatten sich mit Trommeln, Pauken und anderen Lärminstrumenten ausgerüstet und hielten tapfer gegen.
Das Resultat war eine Atmosphäre, die wahrlich gewöhnungsbedürftig war. Nun ist die Oldesloer Mannschaft von ihrem eigenen Anhang auf allerhand vorbereitet in dieser Richtung. Aber was ihnen in Wismar entgegenschlug, war doch mehr als sie auf Anhieb verkraften konnten. Zusammen mit dem spiegelglatten Parkettboden, der für auswärtige Mannschaften natürlich auch reichlich anpassungsbedürftig ist, ist diese Stimmung der Hauptgrund, warum bislang fast ohne Ausnahme die Zweitligisten in Wismar fürchterlich „eingebrochen“ sind.
Dem VfL drohte ein gleiches Schicksal und unter dem Strich ist er sicher auch darüber gestolpert, daß seine Gewöhnungsphase daran 20 oder gar 25 Minuten dauerte. Der hohe Rückstand aus der Anfangsphase hatte auch so lange (bis zum 4:9 in der 24. Minute) Bestand. Aber das war nicht die einzige Ursache für die Niederlage der Oldesloerinnen.
Und selbst die Tatsache, daß der VfL bei einem wahren Siebenmeter-Festival die deutlich schlechteren Karten hatte, hätte nicht unbedingt den Ausschlag in der kämpferisch hochklassigen Partie geben müssen. Wiewohl auch das nicht ganz unerheblich war.
TSG Wismar verwandelte von elf Strafwürfen immerhin zehn. Sieben allein Gabriele Rösler, die dabei nicht einen Fehlwurf hatte. Einen Siebenmeter von Katrin Herold (ansonsten drei Siebenmetertreffer) konnte Alexandra Hoffmann abwehren. Sie parierte in der Szene (beim Stand von 9:5 für Wismar in der 28. Minute) auch noch den Nachwurf der Schützin, wurde dafür aber nicht belohnt. Obwohl Katrin Herold auch beim zweiten Versuch praktisch unbedrängt hatte werfen können, gaben die Unparteiischen Heese und Weinhardt aus Berlin noch einen Strafwurf für den Gastgeber, den dann wieder Gabriele Rösler verwandelte.
Von solchen Quoten konnte der VfL nur träumen. Er bekam sogar ein Dutzend Siebenmeter zugesprochen, münzte die aber in nur sieben Treffer um. Marion Werner (2), Roswitha Bein, Zsuzsa Nyari und Eike Lange, die bis auf Marion Werner mit Strafwürfen ansonsten auch trafen, scheiterten entweder an der überragenden Torhüterin Malgorzata Chmielewska oder warfen neben das Gehäuse.
Da war natürlich bitter, hätte aber, so nach dem Spiel die übereinstimmende Meinung aller, auch noch nicht den Ausschlag gegen die Oldesloerinnen geben müssen. Die nämlich bewiesen eine schier unglaubliche Moral. Sämtliche Rückstände in der Partie steckte sie fast ungerührt ein und fightete immer nur umso entschlossener zurück.
Aber das Glück war der Mannschaft an diesem Tag wirklich nicht hold. Wann immer die Mannschaft drauf und dran war, das Spiel entscheidend umzudrehen, kassierte sie entweder unglückliche und überflüssige Gegentore oder wurde sie mit zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen konfrontiert.
Womit wir bei einer der Hauptursachen für die Niederlage des VfL überhaupt wären. Es ist sicher vermessen, zu behaupten, der VfL hätte das Spiel für sich entschieden, hätten die Unparteiischen mit einer besseren Leistung aufgewartet. Niemand kann im Nachhinein sagen, wie die Partie verlaufen wäre, wäre denn von vornherein alles mit rechten Dingen zugegangen, was die Pfeiferei anging. Vielleicht hätte dann ja auch die TSG Wismar weniger hektisch und überlegter gespielt.
Tatsache aber war, daß die beiden Herren den VfL in der ersten Halbzeit gnadenlos benachteiligten. Was immer irgendwie zweifelhaft war, wurde mit Sicherheit gegen die Oldesloerinnen entschieden. In der zweiten Hälfte – insbesondere in der Schlußphase – verschoben sich die Gewichte bisweilen gewaltig. Nun wurden, wie der VfL seit Beginn und praktisch bis zum Ende, auch die Gastgeberinnen mit Fehlentscheidungen förmlich überschüttet. Aber für den VfL war das Kind da – siehe oben – praktisch schon in den Brunnen gefallen.
Da konnte es ihn auch kaum mehr trösten, daß Wismars Trainer Udo Höller ihn genauso in Grund und Boden verdammte wie sein Oldesloer Kollege Claus Schilk. Beide waren sich nicht nur in dieser Beurteilung, sondern auch in der Spielanalyse nahezu einig. Aber am Ende stand eben nur der VfL mit leeren Händen da und er kann sich auch dafür nichts kaufen, daß ein neutraler Schiedsrichterbeobachter die Sache ähnlich gesehen hatte und dem Paar Heese/Weinhardt eine geradezu verheerende Beurteilung mit auf den Weg gab.
Der VfL aber braucht trotz der Niederlage den Kopf nicht hängen zu lassen. Natürlich hat die Mannschaft nun drei Punkte Rückstand zum Spitzenreiter, so viel, wie noch nie in der Saison, aber mit ähnlicher Einstellung hat sie für die Rückrunde dennoch noch alle Chancen. Schließlich kommen bis auf den TSV Nord Harrislee (dort startet der VfL am 16. Januar die Rückrunde) noch alle Spitzenmannschaften nach Oldesloe.
Und dann haben Zsuzsa Nyari, mit 7/4 Toren dennoch erfolgreichste Werferin, Roswitha Bein (2/2) und Marion Werner (3) hoffentlich ebenso ihre Blessuren auskuriert, wie die diesmal gänzlich ausgefallene Babette Bischof.
Dann wird sicher auch die Anpassung von Mona Münstermann (1 Tor bei ihrem Debüt) und Irina Derr (kam nur in den letzten Sekunden zum Einsatz und glänzte da mit einem herrlichen Kreisanspiel) weiter Fortschritte gemacht haben. Bei Ivonn Bosza (1 Tor) und insbesondere bei Eike Lange (3/2) sind diese Fortschritte ja immer mehr erkennbar. Und auf Andrea Hasenberg (2), die vorbildliche Mannschaftsführerin, ist ja ohnehin Verlaß.
Im Tor haben Alexandra Hoffmann (erste Halbzeit) und Petra Küsel (zweite Halbzeit) weitestgehend gehalten, was zu halten war. Petra Küsel, die sonst so zuverlässige Keeperin, allerdings patzte ausgerechnet bei zwei Toren (15:18 in der 52. und 16:20 in der 56. Minute) in vielleicht entscheidenden Situationen. Aber darüber sollte sie sich nicht grämen. Sie hat der Mannschaft in dieser Saison schließlich auch schon so manchen Punkt gerettet.
STORMARNER TAGEBLATT vom 14.12.1992
Freitag, 18. Dezember 1992
VfL-Damen auf großer Tour
VfL will auch im Pokal weiterkommen
(mth). Nicht zu beneiden ist die Damen-Bundesliga-Mannschaft der Handballabteilung des VfL Oldesloe. Die Hinrunde in der zweiten Bundesliga ist für die Truppe von Trainer Claus Schilk ja weiß Gott strapaziös gewesen. Der enge Kader, mit dem der Vorjahresmeister in dieser Saison bislang auskommen mußte, hat seinen Tribut gefordert.
Da konnten Spielerinnen, weil sie unbedingt benötigt wurden, ihre Verletzungen und Blessuren nie vollständig auskurieren. Das hat natürlich Verschleißerscheinungen mit sich gebracht und wie kaum sonst ein Team sehnt sich der VfL nach der zeitlich ja nicht gerade üppigen Weihnachtspause.
Aber ehe es so weit ist, muß die Truppe um Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg noch einmal auf große Tour. Im Pokalwettbewerb auf Bundesebene war dem VfL für die zweite Runde an diesem Wochenende das Losglück wahrlich nicht hold. Mit dem DJK Augsburg/Hochzoll zogen die Stormarnerinnen eines der, was Länge der Anreise und Strapazen angeht, unglücklichsten aller denkbaren Lose.
Aber im Pokal kann man sich seine Gegner halt nicht aussuchen. Und dem VfL bleibt nichts übrig, sich in sein Schicksal zu fügen. Was sich hinter der Aufgabe sportlich verbirgt, bleibt für die Oldesloer einigermaßen im Verborgenen. Immerhin weiß man, daß der Gegner aus dem Augsburger Stadtteil Hochzoll ungeschlagen Spitzenreiter in der bayrischen Regionalliga ist und Trainer Claus Schilk, der ein Video der Mannschaft hat studieren können, war von ihrer Spielstärke beeindruckt.
„Die stehen nicht von ungefähr souverän in ihrer Klasse vorn“, so sein Urteil. Dennoch geht er die Begegnung, die am Sonnabend um 19.45 Uhr in der Zwölf-Apostel-Halle angepfiffen wird, zuversichtlich an. „Wenn wir in etwa die Leistung erreichen können, die wir in Wismar gezeigt haben, müßte es für und eigentlich reichen“, macht er keinen Hehl daraus, daß er von seiner Truppe einen Sieg erwartet.
Schließlich will er den Pokal nicht kampflos preisgeben. Vielleicht wartet in der nächsten Runde ja ein attraktiver Gegner auf die Oldesloerinnen. Im Wettbewerb sind schließlich noch alle Spitzenmannschaften auch aus der ersten Bundesliga. Und man muß ja nicht jedes Mal Lospech haben.
Die lange Tour nach Augsburg, die der VfL mit der Bundesbahn antritt, kann neben Babette Bischof, deren Verletzung noch eine längere Pause mit sich bringt, auch Alexandra Hoffmann nicht mitmachen. Sie ist wegen einer Fingerverletzung nicht einsatzbereit. Mit dabei werden aber die Neuzugänge Mona Münstermann und lrina Derr sein. Von beiden erhofft man sich nicht zuletzt auch durch die Pokalspiele eine bessere Eingewöhnung in die Mannschaft. Da besteht, wie ihre ersten Spiele zeigten, durchaus noch Nachholbedarf.
Ganz besonderen Strapazen sind zur Zeit Marion Werner und Ivonn Bosza ausgesetzt. Beide weilten seit Sonntag auf einem Lehrgang der Juniorinnen-Nationalmannschaft in Süddeutschland, kehrten erst in der Nacht zum Donnerstag noch Oldesloe zurück.
STORMARNER TAGEBLATT vom 18.12.1992
Sonnabend, 19. Dezember 1992
DJK Hochzoll/Augsburg – VfL Oldesloe 14:17 (5:8)
(2. Runde DHB-Pokal)
17:14. Die VfL-Handball-Damen im Pokal in der 3. Runde auf Bundesebene
(mth). Da sage noch einer, die Handball-Damen des VfL Oldesloe hätten in diesem Jahr kein Glück im Pokalwettbewerb. Nach den Losen für die ersten beiden Runden auf Bundesebene – der VfL mußte erst nach Bremen/Hastedt und jetzt sogar nach Augsburg/Hochzoll reisen – war dieser Eindruck ja aufgekommen.
Aber in Augsburg gab es ein Ereignis, nachdem von Pech keine Rede mehr sein konnte. Wenigstens für VfL-Trainer Claus Schilk. Der trainiert und coacht ja nicht nur die Zweitligamannschaft. Er ist auch „Mädchen für alles“ und natürlich auch „Reisemarschall“.
So auch in Augsburg. Und er war sich ganz sicher, daß der Zug in Richtung Heimat den Augsburger Hauptbahnhof um 23.51 Uhr verlassen sollte. Folglich ließen er und seine Schützlinge sich reichlich Zeit, als sie nach dem Spiel schon vor 23.30 Uhr den Bahnhof erreichten.
Das hätten sie besser nicht getan. Tatsächlich nämlich lag die Abfahrzeit zehn Minuten früher, als Schilk es angenommen hatte. Ein Blick in seine Unterlagen hätte da Mißverständnissen vorgebeugt.
So fuhr ihnen der Zug doch buchstäblich vor der Nase weg, als sie endlich den Bahnsteig betraten. Damit drohte die Pokalreise, die mit An- und Abfahrt von zusammen gut 1600 Kilometern ja ohnehin kein Zuckerschlecken war, endgültig zu einer handfesten Strapaze auszuarten. Der nächste Zug nämlich ging laut Fahrplan erst Stunden später.
Kein Wunder, daß da bei den VfL-Damen ungute Gefühle gegen ihren „Reisemarschall“ hochkamen. „Die hätten mich in ihrem Zorn am liebsten noch auf den Bahnsteig aufgeknüpft“, erinnerte sich Schilk entgangenem Ungemach.
Aber er hatte, wie angedeutet, noch einmal schier unwahrscheinliches Glück. Wegen des bevorstehenden Weihnachtsfestes setzt die Bundesbahn in diesen Tagen reichlich außerfahrplanmäßige Entlastungszüge ein. Just ein solcher, noch dazu mit dem gleichen Ziel (Hamburg Hauptbahnhof) lief kaum zehn Minuten später in Augsburg ein und den durfte die Oldesloer Crew dann besteigen. Damit verzögerte sich ihre Ankunft in Hamburg um kaum eine halbe Stunde und solche Kleinigkeiten sehen die Damen ihrem Coach allemal nach.
Auf so viel Glück wie bei der Heimreise waren die Oldesloerinnen auf sportlichem Sektor nicht angewiesen. Wiewohl sich der Gegner, DJK Augsburg/Hochzoll, wacker seiner Haut wehrte und dem VfL den 17:14 (8:5)-Erfolg keinesfalls kampflos überließ.
Der ungeschlagene Spitzenreiter der Regionalliga Süd verfügt über eine schlagkräftige Truppe (insbesondere im wurfgewaltigen Rückraum), die mit einer Reihe ehemaliger Bundesliga-Spielerinnen (vornehmlich von 1. FC Nürnberg aus früheren Glanzjahren) gespickt ist. „Die haben ein Format, mit dem sie in unserer zweiten Bundesliga eine gute Rolle spielen würden“, urteilte Claus Schilk.
Aber beim VfL war man auf solche Gegenwehr vorbereitet. Man hatte den Gegner per Video studiert und antwortete entsprechend. Dabei spielte man seine
Vorteile im Spiel „eins gegen eins“ aus und ging auch hohes Tempo, dem der Gegner Tribut zollen mußte.
Der VfL ist folgerichtig in der gesamten Partie nie in Rückstand geraten. Schon nach neun Minuten führte er mit 4:1 Dann ließ er die Zügel schleifen, so daß Hochzoll bis zur 17. Minute auf 4:4 gleichziehen konnte. Bis zur Pause hatten die Stormarnerinnen mit einem 8:5-Vorsprung aber wieder für klare Verhältnisse gesorgt.
Der Abstand blieb etwa bis zur 40. Minute bestehen, ehe die Augsburgerinnen in der 41. Minute auf 9:11 noch einmal bedrohlich nahe kamen.
Dann aber warf Irina Derr ihre ersten beiden Treffer für den VfL überhaupt und die Oldesloerinnen konnten wieder auf 14:10 davon ziehen. Durch zwei dumme Fehler (Petra Küsel und Mona Münstermann) kam der Regionalligist zwar noch einmal auf 12:14 heran (50.), aber dann zog der VfL noch einmal das Tempo an und hatte spätestens beim 17:13 (58.) die Partie endgültig entschieden. Das letzte Gegentor nämlich fiel erst fünf Sekunden vor dem Abpfiff.
Gegenüber dem Spiel in Wismar war beim VfL vor allem die Verwertung von Siebenmetern deutlich verbessert. Hatte er dort noch fünf von zwölf Strafwürfen vergeben, so verwandelte er diesmal neun von elf Siebenmetern, die zumeist von Mannschaftsführerin Andrea Hasenberg herausgeholt worden waren.
Allein sechs Strafwürfe verwandelte Roswitha Bein, die mit sieben Toren dadurch auch erfolgreichste Werferin ihres Teams war. Die weiteren Tore teilten sich Zsuzsa Nyari (3/1), Marion Werner (3/1), Eike Lange (2/1), Irina Derr (2) und Ivonn Bosza. Mona Münstermann ging ebenso wie Andrea Hasenberg in der Torschützenliste leer aus.
Im Tor bot Petra Küsel eine sehr gute Leistung. Ihre Kollegin Alexandra Hoffmann hatte ebenso wie Babette Bischof die lange Tour nicht mitmachen können. Heide sind aber sicher wieder dabei, wenn Ende Februar die dritte Runde steigt.
Dann hofft der VfL, endlich einmal im Pokal wieder ein Heimspiel zu haben. „Ob gegen einen Gegner, den wir unter Umständen schlagen können oder gegen eine Spitzenmannschaft, gegen die wir sportlich zwar nicht werden bestehen können, die uns aber die Stormarnhalle bis zum Rand mit Zuschauern füllen würde, spielt dabei keine Rolle“, gibt Schilk seine Wünsche preis.
Ob sie in Erfüllung gehen, wird nicht etwa jetzt zum Weihnachtsfest, sondern erst zu Beginn des nächsten Jahres aufgeklärt. Dann wird in der DHB-Zentrale in Dortmund die nächste Runde ausgelost.
STORMARNER TAGEBLATT vom 21.12.1992

